Erligheim Sanierung dauert länger und wird teurer

Von Jonathan Lung
An vielen Stellen muss das Fachwerk am Alten Erligheimer Rathaus ausgebaut werden, Gefache sind auf jeder Seite zu tauschen, Foto: /Oliver Bürkle

Die geplante und erhoffte Fertigstellung des Alten Rathauses vor den Weintagen wird nicht gelingen. 

Es ist mehr zu machen als gedacht“, konstatierte Architektin Sonja Herrmann in der jüngsten Sitzung des Erligheimer Gemeinderats. Nach den Weintagen im vergangenen Jahr starteten am Alten Rathaus die Arbeiten zur Tragwerksanierung, der Sanierung des Dachstuhls und der Umwandlung des Obergeschosses in zwei Zweizimmerwohnungen.

Fachwerk muss an vielen Stellen ausgetauscht werden

Unvorhergesehene Schwierigkeiten tauchten nun bei den bisherigen Zimmerarbeiten auf: Nach dem Strahlen des Fachwerks wurden einige Problemfelder sichtbar: an vielen Stellen muss das Fachwerk ausgebaut werden, Gefache sind auf jeder Seite zu tauschen, an den Fachwerkhölzern gibt es schadhafte Bauteile, an manchen Stellen fehlt auch ein Bauteil.

Die eigentliche Herausforderung ist aber der Boden im Obergeschoss, die ganze Zwischendecke musste raus: sie ist stark marode – und die Wände des Hauses liegen direkt auf ihr auf, wie die Arbeiter vor Ort überrascht feststellten. Da so die Decke die Wände stützt, kann man sie nicht einfach herausnehmen. Hier werden erweiterte Abbruch- und Freilegungsarbeiten nötig, so die Architektin.

Besondere Herausforderung – der Boden im Obergeschoss

„Als ich dort war, war ich schon ein bisschen schockiert, weil es mit dem Boden ganz anders war, als man es sich vorgestellt hat“, berichtet Bürgermeister Rainer Schäuffele von einem Besuch auf der Baustelle.

„Nicht jeder Zimmermann ist ein Restaurator“, bestätigt Architektin Hermann auf Nachfrage – die Zimmerleute, die im Alten Rathaus arbeiten, sind aber in der Tat hoch spezialisiert. Die Gefahr wie in der Bücherei, wo aktuell die Mängel einer Jahre zurückliegenden Sanierung zutage treten (wir berichteten) besteht hier wohl nicht.

Kosten können auf 1,35 Millionen Euro anwachsen

Dadurch verschieben sich zuerst die Kosten: Insgesamt um 150 000 Euro mehr, von 1,2 auf 1,35 Millionen Euro insgesamt. Allerdings sind auch die Mehrkosten förderfähig, nichtsdestotrotz bleiben 40 Prozent des neuen Gesamtpreis bei der Gemeinde.

Ebenso verschieben sich die Arbeiten: Die Zimmerarbeiten werden wohl bis Oktober 2026 dauern. Das Obergeschoss soll in Abschnitten schrittweise von Süden nach Norden saniert werden – die Südseite des Gebäudes dürfte so bis zu den Weintagen fertig werden. Davon abhängig verschieben sich auch die Flaschnerarbeiten bis September 2026, ebenso die Dachdeckung. Der neue Boden im Obergeschoss soll im August kommen, mit dem Außenputz im September begonnen werden, die Technikgewerke erfolgen im Oktober diesen Jahres.

Zu den Weintagen dürfte die gesamte Fertigstellung damit unmöglich werden: Die Küche und das Backhaus, welche vom Erligheimer Hausfrauenverein bewirtschaftet werden, der auch nach dem Umbau im Erdgeschoss des Gebäudes angesiedelt sein wird, werden zu den Weintagen dringend benötigt.

„Die Küche ist zentral für die Weintage, die muss fertig sein“, bekräftigt Bürgermeister Schäuffele, das habe man auch den Partnern beim Umbau klargemacht. Geplant ist nun, dass der Bereich der Küche mit dem dazugehörigen Stück Decke darüber fertig ist, während die gesamten Innenarbeiten länger dauern werden. „Das eine Jahr war immer anspruchsvoll“, resümiert der Bürgermeister die Bauzeit, trotz der Verzögerung dürften aber zumindest die Weintage nicht darunter leiden.

 
 
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