Die Bedarfsplanung für die Krippenplätze sei ein wenig, wie das Lesen in der Glaskugel, erklärte Sabine Rabe, Gesamtleiterin der Kinderbetreuung, am Donnerstagabend dem Gemeinderat. Dennoch wurde bei der Vorstellung der gesamten Bedarfsplanung für die Erligheimer Kindertageseinrichtungen eines deutlich: „Im kommenden Jahr geht die Kinderzahl im Krippenhaus zurück.“
Erligheim Weniger kleine Knirpse, dafür Überbelegung im Kindergarten
Sabine Rabe, Gesamtleiterin der Kinderbetreuung in Erligheim, stellte dem Gemeinderat die Bedarfsplanung für die Kindertageseinrichtungen vor.
Bis Juni dieses Jahres war die Kapazität mit 30 Krippenplätzen komplett belegt. Die Auslastung geht nun sukzessive zurück: In diesem August erwartet Rabe eine Belegung von 24 Plätzen mit unter Dreijährigen, die bis August 2027 auf 18 Kinder zurückgeht. „Bisher waren die klassischen Corona-Jahrgänge im Krippenhaus, diese Kinder kommen nun in den Kindergartenbereich“, erklärt die Gesamtleiterin.
Mittelfristig weniger Kinder im Kindergarten
153 Betreuungsplätze gibt es im Erligheimer Kinderhaus, im Naturkindergarten liegt die Platzkapazität bei 20. Für das kommende Kindergartenjahr 2025/2027 erwartet Rabe eine geringe Überbelegung mit zwischen 154 und 156 Kindern im Kinderhaus, 21 bis 22 Kindern im Naturkindergarten. Insgesamt zeichne sich aber auch im Kindergartenbereich (Ü3) für die kommenden Jahre nach aktuellem Planungsstand eine spürbare Tendenz zu einer geringeren Platznachfrage ab. Dies werde besonders beim Abgleich der jährlichen Schulabgänger mit den prognostizierten Neuaufnahmen deutlich: Im Sommer 2026 werden 38 Vorschulkinder die Einrichtungen in Richtung Schule verlassen. Demgegenüber stehen für das kommende Kindergartenjahr 2026/2027 bereits 46 feststehende Neuaufnahmen, was vorübergehend zu einer leichten Nachfragesteigerung führt.
Im Kindergartenjahr 2027/2028 deute sich „eine drastische Trendwende“ an, erklärte Rabe im Gemeinderat: Während im Sommer 2027 insgesamt 51 Vorschulkinder eingeschult werden, gibt es nach heutigem Stand für das Kindergartenjahr 2027/2028 lediglich 24 Neuaufnahmen. Dieser rückläufige Trend setze sich fort. Im Sommer 2028 verlassen 52 Vorschüler den Kindergarten. Nach den derzeitigen Geburten- und Meldedaten stehen dem für das Jahr 2028/2029 nur 23 Neuaufnahmen gegenüber.
Flexibel auf Nachfrageverhalten der Familien reagieren
Mit Blick auf die Belegungssituation im Krippenhaus ab August betonte Gesamtleiterin Rabe: „Wir wollen keine Gruppe schließen.“ Um flexibel auf das veränderte Nachfrageverhalten der Familien zu reagieren und die Attraktivität der örtlichen Einrichtung zu sichern, wird das Betreuungsangebot zeitlich angepasst. Ab September wird zusätzlich ein neues, verkürztes Zeitmodul von Montag bis Freitag von 7.30 bis 11.30 Uhr eingeführt. Die Abholung der Kinder erfolge somit direkt nach dem gemeinsamen Mittagessen, sodass der anschließende Mittagschlaf im häuslichen Umfeld stattfindet.
Rabe: „Diese zusätzliche Betreuungszeit lässt sich nahtlos und optimal in den bestehenden Tagesablauf der Krippengruppen integrieren. Da es sich um eine zeitliche Verschiebung beziehungsweise ein Teilzeitangebot innerhalb des bestehenden Rahmens handelt, sind keinerlei baulichen Maßnahmen, organisatorischen Umstellungen oder zusätzliches Personal erforderlich.“ Die Umsetzung ist somit kostenneutral.
Die Kindergartenverwaltung sei sich bewusst, dass man sich in „einer dynamischen Zeit des Umbruchs“ befindet, erklärte Rabe: „Das nächste Jahr gilt für uns als entscheidender Gradmesser: Wir werden die Entwicklungen in allen Einrichtungen aufmerksam begleiten, um im kontinuierlichen Dialog mit den Familien, den pädagogischen Fachkräften und der Verwaltung eine verlässliche und ausgewogene Balance zu sichern.“
Kindergartengebühren erhöhen sich für Eltern geringer als in den Vorjahren
An den Vorberatungen im Kindergartenausschuss waren auch die Vertreter des Elternbeirats beteiligt, mit dem einstimmigen Beschluss die Kindergartenbeiträge für die Eltern um 4,5 Prozent für das Kindergartenjahr 2026/2027 und um vier Prozent für 2027/2028 zu erhöhen.
Die Steigerungen sind damit geringer als in den beiden vorherigen Kindergartenjahren (2024/2025: 7,5 Prozent, 2025/2026: 7,3 Prozent). „Es war ein gewisse Einsicht bei den Eltern vorhanden“, sagte Bürgermeister Rainer Schäuffele vor dem Beschluss des Gemeinderats am Donnerstag.
Das angestrebte Ziel des Städtetages, des Gemeindetages und der Kirchenleitungen bleibt ein Kostendeckungsgrad von 20 Prozent durch Elternbeiträge. Dieses Ziel wird (trotz laufender Gebührenanpassungen) bislang in der Gemeinde Erligheim deutlich verfehlt und man werde trotz der geplanten Erhöhungen noch erheblich unter dem angestrebten 20-prozentigen Kostendeckungsgrad für die Elternbeiträge liegen, erläuterte Kämmerer Markus Klein. Im Jahr 2023 lag der Anteil der Elternbeiträge bei rund 10,5 Prozent der Gesamtkosten.
Das Gesamtdefizit bei den Kinderbetreuungseinrichtungen liege im Jahr 2023 bei rund 1,7 Millionen Euro. Dies bedeute, dass dieser Betrag aus allgemeinen Haushaltsmitteln gedeckt wird. Nach der vorläufigen Hochrechnung ergibt sich für das Jahr 2024 ein Defizit von rund 1,8 Millionen Euro und im Jahr 2025 von etwa 1,5 Millionen Euro. Die Verbesserung für das Jahr 2025 ergibt sich insbesondere durch höhere Zuweisungen vom Land.
Rund 82 Prozent der Gesamtaufwendungen betreffen im Jahr 2024 die Personalkosten, etwa sechs Prozent entfallen auf Abschreibungen und etwa elf Prozent auf Aufwendungen für Sach- und Dienstleistungen wie Aufwendungen für Unterhaltung, Bewirtschaftung, EDV, Catering oder Erwerb von geringwertigen Wirtschaftsgütern.
Für 2026/27 betragen die Gebühren der Halbtagsbetreuung im Krippenhaus 358 Euro (ein zusätzliches Betreuungsangebot über vier Vormittagsstunden), für sechs Stunden Betreuung 537 Euro. Die Vormittagsbetreuung im Kinderhaus kostet 151 Euro, die VÖ-Betreuung 226 Euro. Im Naturkindergarten werden 226 Euro für die Eltern fällig. Im Krippenhaus, im Kinderhaus und im Naturkindergarten gibt es eine Gebührenreduzierung je nach Kinderzahl in der Familie.
