Zwischenmenschlich funktioniert die Partnerschaft zwischen Erligheim und Markersdorf sehr gut, unabhängig von der politischen Großwetterlage“, sagt Bürgermeister Rainer Schäuffele, der am Samstag, 3. Oktober, eine 95-köpfige Delegation aus der sächsischen Partnergemeinde begrüßen kann. „Es kommen so viele, wie noch nie“, freut sich Schäuffele auf die Feierlichkeiten in Erligheim zum 25-jährigen Bestehen der Gemeindepartnerschaft, nachdem bereits im vergangenen Jahr das Jubiläum in der Lausitz gefeiert wurde.
Erligheim „Zwischenmenschlich funktioniert es“
Bewusst hat man in Erligheim den Tag der deutschen Einheit gewählt, um die 25-jährige Partnerschaft mit Markersdorf in Sachsen zu feiern
„Wir haben ganz bewusst den ,Tag der deutschen Einheit’ zum Feiern gewählt“, betont der Erligheimer Bürgermeister, der bei seiner Rede zum Partnerschaftsjubiläum am Samstag durchaus nachdenkliche Töne anstimmen will: „Ich habe mir viele Gedanken darüber gemacht, wenn man die politische Landschaft sieht.“ Als Festredner konnte er den früheren Bundestagsabgeordneten Eberhard Gienger gewinnen, der als früherer Leistungssportler enge Verbindungen in die ehemalige DDR hatte und die politische Situation in der Bundesrepublik gut einschätzen kann, wie Schäuffele gegenüber der BZ sagt.
Dialekt sorgt für Verständigungsschwierigkeiten
Bei allen Freundschaften und den vielen Begegnungen, die es seit 1990 zwischen Erligheim und Markersdorf gab, habe es gelegentlich sprachliche Verständnisschwierigkeiten gegeben, „besonders wenn wir in breiten Schwäbisch schwätzen“, erkennt Schäuffele mit einem Lächeln. Nicht nur er verspricht am Samstag darauf zu achten, auch der Herbert Mayer, Vorsitzender des Liederkranzes Erligheim, ist auf Verständnis aus. Beim Festakt wird der Männerchor das „Erligheimer Lied“ gemeinsam mit dem Publikum singen. Der Text wurde vor Jahrzehnten von Michael Groß zwar in einem „gemäßigten Schwäbisch“ verfasst, trotzdem hat Mayer sich eine Übertragung ins Hochdeutsche besorgt, damit auch die Gäste aus Sachsen die liebevolle Ode an das schwäbische Heimatdorf verstehen werden.
Wie Schäuffele sagt, habe er als Erligheimer Bürgermeister die Partnerschaft 2006 „übernommen“. Mit seinem früheren Kollegen Thomas Knack und dessen Nachfolger Silvio Renger verstehe er sich gut. „Wir beherbergen uns gegenseitig auch immer privat, das fördert einen intensiven freundschaftlichen Austausch“, so Schäuffele. Die beiden Protagonisten der seit 1990 bestehende Gemeindefreundschaft und ab 2000 -partnerschaft waren der Erligheimer Bürgermeister Albert Leibold und seine Markersdorfer Amtskollegen Gerhard Neumann und Thomas Knack. Leibold und Knack werden beim Festakt am Samstagabend in einem rund 20-minütigen Interview, an die vergangen Jahrzehnte erinnern.
Mit einem Brief am 20. Juni 1990 hatte der damalige Ludwigsburger Landrat Dr. Ulrich Hartmann die Rolle des Vermittlers einer ungewöhnlichen „Brautschau“ übernommen. Sein Fahrer Manfred Neumann war ein gebürtiger Markersdorfer und der Brief des Landrats ging an vier Kreisgemeinden, die er um eine Kontaktaufnahme bat – zu einer ähnlich landwirtschaftlich strukturierten Kommune: Markersdorf, Kreis Görlitz, damals 1200 Einwohner.
„Der dortige Bürgermeister Gerhard Neumann interessiert sich für Orientierungen, Ratschläge zu EG-Hilfe, Landwirtschaft, Gewerbegebiete und Aufbau einer Gemeindeverwaltung?“, hieß es in dem Schreiben. Der Erligheimer Gemeinderat war bereit zu diesem Abenteuer und so reiste Bürgermeister Leibold am 1. November 1990 in die bisher hinter dem „eisernen Vorhang“ liegende Oberlausitz. Schnell entwickelte sich ein reger Austausch auf kommunaler Ebene ebenso wie durch persönliche Beziehungen.
Aus der anfänglichen Hilfestellung von West nach Ost war in rund einem Jahrzehnt eine Freundschaft zwischen den Erligheimer und Markersdorfer Bürgern gewachsen. Im Oktober 2000 machte sich eine 44-köpfigen Delegation aus Erligheim auf nach Sachsen. Nach einem herzlichen Empfang am Markersdorfer Rathaus durch Bürgermeister Gerhard Neumann wurde die Erligheimer Gemeindefahne gehisst.
Einen glanzvollen Schlusspunkt setzten die Bürgermeister Gerhard Neumann und Albert Leibold: Beide unterzeichneten die Partnerschaftsurkunde. Ein Jahr später, am 14. Juli 2001, wurde in einer „Verschwisterungsfeier“ in Erligheim die Partnerschaftsurkunde gegengezeichnet. Eine 70-köpfige Gruppe aus Markersdorf war nach Erligheim gereist.
Früherer Landrat Haas mit Blick in die Zukunft
Es gebe zwar keinen Grenzzaun mehr zwischen Ost- und Westdeutschen, aber – so stellte Landrat Dr. Rainer Haas vor 25 Jahren bei der Partnerschaftsfeier in Erligheim fest – in den Köpfen und Herzen der Menschen sei noch manches Hindernis wegzuräumen. „Hier im schwäbischen Erligheim und im sächsischen Markersdorf ist man damit offensichtlich ein gutes Stück weiter vorangekommen, als in manchen anderen Teilen unseres Landes.“
