Der Wald kann nur so gut wachsen wie gut er die Startchance im Frühjahr hat“, erklärte Burkhard Böer am vergangenen Donnerstag, „der Winter ist die Voraussetzung.“ Der Revierleiter stellte den Erligheimer Gemeinderäten seinen Forstbetriebsplan vor – und zeigte einen Wald in Schwierigkeiten.
Erligheimer Forstbericht Der Wald ist in Schwierigkeiten
Es gab wieder zu wenig Niederschläge im Jahr 2025 und wenn es regnete, dann zu spät für das Wachstum, sagte Revierleiter Burkhard Böer.
Die Startchance war weg
Die letzte Winterfeuchte war zwar normal und durchschnittlich. Dafür war aber die Periode von März bis Mai im letzten Jahr „so trocken wie noch nie“. Das Frühjahr 2025 war eines der trockensten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, so Böer. Mai und insbesondere Juni waren mit vielen Hitzewellen außergewöhnlich warm. Da war der Puffer der Winterfeuchte schnell verbraucht und damit die „Startchance weg“, so der Revierleiter.
Ende Juni begann dann der Regen – da Bäume aber nur mit großer Verzögerung reagieren, war er zu spät für den Wachstumsimpuls. Auch die Niederschläge im Juli konnten das nicht ganz kompensieren. Im Oberboden sind im Vergleich zum Vorjahr Dürrezustände vorhanden. Denn mit steigender Temperatur steigen auch die Verdunstungsraten an, außerdem fallen Niederschläge vermehrt als Starkregen und der fließt schnell ab, sodass er nicht für die Pflanzen verfügbar ist. Von den Niederschlägen gedeihe nur die Brombeere gut, so Böer, sie breitet sich aus und behindert die Bäume – die falsche profitiert. Zudem steht der Erligheimer Wald mehrheitlich auf einem Hochplateau aus Sandstein: Der Experte spricht hier von „inkontinenten Böden“, die das Wasser nicht halten, es ist schnell weg.
Ein Blick auf die Statistik zur Wasserbilanz zeigt: Die Mittellinie senkt sich ab, um 187 Milliliter pro Quadratmeter – relativ viel, so der Revierleiter. Das bedeutet, dass die durchschnittliche Wasserversorgung während der Vegetationsphase sinkt. „Das ist nicht der Tropfen der das Fass zum Überlaufen bringt, sondern das Loch, das das Fass zum Auslaufen bringt“, formulierte es Böer. Auch 2025 war diesbezüglich unterdurchschnittlich und reiht sich ein in die zunehmende Häufigkeit von Jahren mit zu geringer Wasserversorgung, so der Bericht.
Hitze und kein Ausgleich
„Hitze und kein Ausgleich“, so sein Resümee des letzten Jahres. Die Folge ist Trockenstress bei den Bäumen – und der macht sie anfälliger für Insekten- und Pilzbefall. Das Eschentriebsterben setzt sich fort und das Hauptproblem für die Eiche ist der Eichenbachkäfer. Bei diesem handelt es sich um einen Quarantäneschädling, bei dem, wie beim Borkenkäfer, der Baum sofort raus muss. Die Schädlinge wirken sich auf die Holzqualität aus: Ein Drittel des eingeschlagenen Holz war im vergangenen Jahr kaputt. „Wir können nichts anderes machen als zu gucken, dass es den Bäumen, die da sind, möglichst gut geht“, so der Revierleiter, die Vitalisierung der Bäume bilde einen Großteil seiner Arbeit.
Diese Entwicklung hat auch konkrete wirtschaftliche Konsequenzen, zeigt ein Blick auf den Aufwand, der zur Verkehrssicherung betrieben wird: Bäume die nicht mehr standfest sind, müssen umgehend entfernt werden. Das führt auch zu dem Minus von knapp 5000 Euro, den die Waldwirtschaft im Haushalt hinterlässt: Einnahmen von 29.000 Euro stehen Aufwendungen von 34.000 Euro gegenüber. Die würden so nicht anfallen, wenn es den Bäumen gut ginge, so der Revierleiter.
Der Holzverkauf im vergangenen Dezember war ausverkauft, für dieses Jahr rechnet man mit 320 Festmetern. Aktuell sind die Startvoraussetzung für den Wald trotz der Niederschläge auch schwierig. Auf den Tonböden ist es schon so feucht, dass sich die Bäume bei Sturm nicht mehr halten können. In Nachbargemeinden kam es schon zu Umstürzen aus diesem Grund.
