Erneuerbare Energie Zwei Windräder für Erligheim?

Von Corinna Müller
Im Waldstück hinter der Kirschenanlage könnten zwei Windräder entstehen. Noch steht das Projekt jedoch ganz am Anfang. Foto: /Martin Kalb

In einer Einwohnerversammlung informierte die Kommune über das Projekt im Gemeindewald, das sich allerdings noch in einem frühen Stadium befindet. 

Großes Interesse bekundeten die Erligheimer Bürger bei der Einwohnerversammlung zum Thema Windkraft am Donnerstagabend in der August-Holder-Halle. Im Bereich des Gemeindewaldes bei der Kirschenanlage laufen Planungen für zwei Windkraftanlagen.

Bürgermeister Rainer Schäuffele begrüßte dazu Thomas Kiwitt, den leitenden Technischen Direktor vom Verband Region Stuttgart, der die gesetzlichen Vorgaben zum Bau von Windkraftanlagen erläuterte: Der Bund verlangt von Baden-Württemberg, 1,8 Prozent der Gesamtfläche für Windenergie bereitzustellen. Das Land gibt dies weiter und fordert die zwölf Regionalverbände auf, diesen Prozentsatz jeweils aufzubringen. Wird das nicht erreicht, verliert die Region ihre Planungskompetenz und die Windkraftanlagen können überall dort genehmigt werden, wo keine „echten“ Verbote bestehen.

Wind gerade noch ausreichend

Als erste Voraussetzung für Windräder gilt die Windleistungsdichte. Erligheim liegt im Bereich der Kirschenanlage (Vorranggebiet LB-19) in einem Gebiet mit einer Windkraft im unteren „Gerade-noch-Bereich“.

Thomas Knödler, Projektkoordinator des Investors WEBW Neue Energie GmbH, informierte, dass in Erligheim drei Windräder hätten erstellt werden können, man sich mit dem Gemeinderat aber auf zwei geeinigt habe, um diese weiter vom Ort entfernt bauen zu können. Das Waldstück hinter der Kirschenanlage rücke nun ins Visier. Dort sei ursprünglich ein gemeinschaftliches Projekt mit Bönnigheim vorgesehen gewesen, was sich allerdings zerschlagen habe.

Bei der geplanten Anlage handelt es sich um Windräder, mit jeweils einer Nennleistung von sechs bis sieben Megawatt und einem Rotordurchmesser sowie der Nabenhöhe von 175 Metern. „Verstecken lässt sich das nicht“, stellte Knödler klar. Die Kosten pro Anlage belaufen sich auf acht bis zehn Millionen Euro, die möglicherweise durch lokale Unternehmen, Genossenschaftsanteile mit unmittelbarer Bürgerbeteiligung oder Teilfinanzierungen aufgebracht werden sollen. Vorteilhaft für Erligheim seien mitunter die Gewerbesteuereinnahmen, die Strompreissicherung, eine finanzielle Beteiligung der Kommune und eine Stromleitung direkt ins Industriegebiet.

Untersuchungen stehen aus

Bodenuntersuchungen, artenschutzrechtliche Gutachten, Verträglichkeitsprüfungen bezüglich der Biotope und dem angrenzenden Vogelschutzgebiet sowie gutachterliche Stellungnahmen zu Windmessungen, Lärmbelästigung, Verschattung und anderem, stehen noch aus.

„Wir sind ganz am Anfang eines langen Weges“, prophezeite Knödler, der versprach, dass die Kosten für die Untersuchungen komplett von WEBW getragen werden. „Und trotzdem kann es sein, dass es nicht funktioniert“, weiß er. Insbesondere, wenn die EEG-Vergütung bis Jahresende wegfalle, der zusätzliche Schwachwindfaktor nicht mehr bestehe, oder es zu neuen politischen Ausrichtungen käme.

Doch nicht alle Anwesenden waren überzeugt. Manch einer fürchtete die Lärmbelastung, die trotz eingehaltener Grenzwerte vorhanden sei. Ein Obstbauer sorgte sich um die gesundheitlichen Schäden durch den Mikroplastikabrieb in der Luft und hielt den Abstand zum Ort für zu gering. Er schlug vor, die Anlagen weiter in Richtung Bönnigheimer Gemarkung zu verlegen.

„Warum Wald als Ausgleichsflächen aufforsten, wenn man schon einen hat,“ bemängelte ein Anwohner und wollte die Anlage komplett aus dem Wald haben.

Vielfältige Kritik

Ein Bürger sagte, die Schatten der Rotoren, die etwa 2,5 Kilometer weit reichten, würden ganz Erligheim täglich für 1,5 Stunden beschatten. Die Gefahr für die Segelflieger aus Löchgau und die Drachenflieger wurde genauso zum Ausdruck gebracht, wie der Vorwurf, dass nicht genügend über Alternativen, wie PV-Anlagen in den brach liegenden Weinbergen, nachgedacht worden sei. Ein weiterer Anwohner äußerte gegenüber der BZ Bedenken bezüglich der finanziellen Vorleistung: „Was geschieht mit dem Projekt, wenn die Firma insolvent wird?“

Bürgermeister Schäuffele blieb trotz des emotionsgeladenen Themas besonnen und versicherte, die Bürger „auf jeden Fall engmaschig zu informieren“.

 
 
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