Als sich am frühen Samstagabend die Dunkelheit über die Altstadt legte, war in Besigheim der Marktplatz voll: Die Weinprinzessin, begleitet von Schultes, Nachtwächter und Büttel, der Bürgermeister und die Gemeinderäte waren gekommen, und viele Bürger, von denen sich schon einige an Glühweintassen wärmten.
Eröffnung Besigheim in Weihnachtsstimmung
Das Weihnachtswunderland ist eröffnet worden. Auch Weihnachtsmarkt und Kunsthandwerkermarkt haben die Besigheimer Altstadt gefüllt.
Ein großer Bereich des Marktplatzes lag zunächst im Dunkeln – bis um 17 Uhr die Lichter angingen. Plötzlich erstrahlten in dem abgezäunten Bereich Rentiere, Schneemänner, Pinguine, Tannen – bis hin zu kleinen Mäusen und Fliegenpilzen, das alles in einer verschneiten Winterlandschaft. Ein Weg trennte zwei Szenen voneinander. Die eine zeigte einen Wald, die andere die arktische Weite. Unzählige kleinen Lichter sorgte für eine warme Farbenpracht.
Weinprinzessin Klaudia beschrieb die strahlende Szenerie des Weihnachtswunderlandes als „Ort, an dem wir zusammenkommen, innehalten, und uns auf das Fest vorbereiten“, als ein „Ort des Lächelns“.
„Wenn ein Projekt schon für so viel Aufmerksamkeit sorgt, haben wir uns gedacht, wir machen es ganz groß“, lachte Bürgermeister Dr. Florian Bargmann kurz bevor das Licht anging – wohl auch in Erinnerung an die jüngste Kritik an seinem Projekt (die BZ berichtete).
Die bunt leuchtende Welt vor dem Besigheimer Rathaus steht normalerweise in Asperg und ziert seit neun Jahren zu Weihnachten den Garten von Oswin Nitschke. Dem Bürgermeister war die spektakuläre Illumination schon vor zwei Jahren aufgefallen, als er mit seiner Familie an dessen Haus vorbei kam. Von dem Lichterzauber beeindruckt, sollte Nitschke, so die Idee, sie zum zehnjährigen Jubiläum seiner Installation vor das Besigheimer Rathaus bringen.
250 Stunden für den Aufbau
„Alles, was man hier sieht, ist von uns zuhause mitgebracht“, erklärte Nitschke, der sein Haus auch zu Halloween aufwendig schmückt und damit bereits regionale Berühmtheit erlangte. Er arbeitet eigentlich in der Qualitätssicherung bei Audi und nahm sich vier Wochen Urlaub für den Aufbau des Weihnachtsspektakels – insgesamt 200 bis 250 Stunden reine Arbeitszeit investierte er allein für den Aufbau. Der Abbau kommt noch hinzu. 1500 bis 1800 Watt pro Stunde verbrauche die Anlage, erklärte er. Das seien Kosten von wenigen Euro pro Tag. „Ein super Highlight zum Zehnjährigen“, freute er sich über. Je nachdem wie es angenommen wird, kann er sich auch vorstellen, seine Lichter erneut zur Verfügung zu stellen.
Von einem Fernsehteam des SWR begleitet, machte sich die Gruppe um Bürgermeister Bargmann und Künstler Nitschke dann auf den Weg über den Weihnachtsmarkt, die Kirchstraße hinunter: vorbei an Essens- und Glühweinständen, an denen sich an diesem Nikolausabend lange Schlangen bildeten. Man ging unter den Seifenblasenmaschinen hindurch, die an Schneefall erinnerten, während Besucher dort auf Getränke und Essen wartete. „Kling Glöckchen“ auf dem Saxofon gespielt, erklang gegenüber der Kelter. Direkt daneben startete der Weihnachtswunderland-Express, den die Gruppe dann bestieg.
Vor der Kelter erwartete die Besucher ein reiches Essensangebot. Und in der Kelter selbst, lockte der Kunsthandwerkermarkt mit seinem vielseitigen Angebot: An einem Stand wurde Wachsmalkunst angeboten, an einer heißen Platte kann man sogar selbst zum Künstler werden und mit Wachsfarben Muster malen, die dann mit einer Postkarte abgezogen werden. Brände wurden verkostet, selbst gemachte Schokolade angeboten.
Fossilien von der Alb
Erstmals auf dem Kunsthandwerkermarkt vertreten ist ein Fossilien-Sammler von der Schwäbischen Alb: prächtige Ammoniten und Korallen liegen bei ihm aus, hunderte Millionen Jahre alt. Gegenüber kann man, neben Umhängetaschen und Geldbeuteln, auch Gürtelhalterungen für Bierflaschen aus weichem Leder finden.
Glitzernde Untersetzer aus Strass-Steinen springen ins Auge, fein gearbeitetes Holz reizt zum Berühren. Die Treppe hinauf gibt es Kinderspielzeug, über einhundert Jahre alt, von 1922: handgetöpferte kleine Schüsseln für den Kaufladen, Holzeisenbahn und Zubehör fürs Puppenhaus.
So war die Besigheimer Altstadt am Nikolausabend wieder einmal voll: es war ein vorweihnachtliches Fest der Lichter, Musik, des Genusses und potenzieller Geschenke.
