Erste Impfung im Haus am Enzpark „Endlich wieder meine acht Urenkel sehen“

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Am Donnerstag wurden Mitarbeiter sowie Bewohner des Seniorenzentrums Haus am Enzpark in Bissingen geimpft. Unter ihnen war auch die 94-jährige Irmgard Schreiber.⇥ Foto: Martin Kalb

Am Donnerstag wurden Mitarbeiter sowie Bewohner des Seniorenzentrums Haus am Enzpark in Bissingen zum ersten Mal mit dem Biontech-Impfstoff geimpft.

Die Mitarbeiterin führt ein kurzes Gespräch mit Irmgard Schreiber. „Hatten Sie schon mal Corona?“ Die 94-Jährige verneint. Währenddessen schiebt die Mitarbeiterin des Kreis-Impfteams Schreibers Ärmel hoch und reinigt den Oberarm mit einem Alkoholtupfer. Ein kleiner Pieks, Pflaster drauf und schon ist Schreibers erste Impfung mit dem Biontech-Impfstoff vorbei. Die 94-Jährige ist eine von 72 Bewohnern des Seniorenzentrums Haus am Enzpark in Bissingen, die sich am Donnerstag gegen das Coronavirus impfen ließen.

„Die Impfbereitschaft ist sehr groß“, sagt Simone Fink, Hausdirektorin des Heims der Evangelischen Heimstiftung. Nur vier Bewohner wollen sich nicht impfen lassen. Bei den Mitarbeitern sieht es anders aus. Zwischen 60 und 70 Prozent der rund 80 Mitarbeiter wollen das Angebot der Impfung wahrnehmen, so Fink. Das Angebot galt auch für Personen aus dem Betreuten Wohnen. Etwa 164 Personen konnten so am Donnerstag geimpft werden und erwarten am 18. März ihre zweite Impfung. Für Fink ist es in Ordnung, wenn sich Mitarbeiter und Bewohner nicht impfen lassen, das habe auch keinerlei Folgen, da die Mitarbeiter weiterhin jeden Tag getestet werden.

„Seit Dezember haben manche Bewohner täglich gefragt, wann sie geimpft werden“, sagt die Hausdirektorin. Ab 23. Dezember sei im Haus am Enzpark auch alles bereit für eine Impfung gewesen, dass es nun erst Ende Februar klappt, sei etwas enttäuschend. „Ich hätte es mir schon früher für unser Haus gewünscht“, sagt Simone Fink. Es sei eine Erleichterung und sie hofft, es ist ein Weg zu weiteren Öffnungen. Allerdings sei das Seniorenzentrum nur im Frühjahr für Besucher geschlossen gewesen. Nach dem ersten Lockdown waren wieder täglich Besucher erlaubt. „Wir sind auch jetzt nie ausgebucht“, sagt Fink zu den Besuchsterminen.

Möglich sei die Öffnung für Besuch gewesen, weil die Heimstiftung schon früh auf Schutzmaßnahmen umgestiegen sei. Temperaturmessungen wurden von Beginn an gemacht und sobald Schnelltests möglich waren, wurden auch diese umgesetzt. „Seit März bereits messen wir die Temperatur jedes Besuchers und jedes Mitarbeiters“, erklärt Fink und fügt hinzu, „durch solche Maßnahmen können wir offen bleiben und das ist wichtig für die Bewohner und Angehörigen.“ Seit Dezember hilft zudem das DRK Bietigheim mit der Durchführung der Schnelltests. „Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung.“ Auch die Impfteams seien eine große Hilfe.

Von 9 Uhr bis in den Nachmittag hinein waren drei Impfteams mit jeweils zwei bis drei Personen im Haus beschäftigt. „Es geht heute schneller, weil die Aufklärungsgespräche schon stattgefunden haben. Ende Januar kamen vier Impfteams mit Ärzten ins Haus am Enzpark und informierten Mitarbeiter, Bewohner sowie deren Angehörige und beantworteten deren Fragen.“

100-Jährige geimpft

Eleonora Meyer-Böhringer wurde am Donnerstag ebenfalls geimpft. „Endlich kann ich meine acht Urenkel wiedersehen“, sagt sie. Bislang konnte sie nur aus dem Flurfenster winken „und sie nicht auf dem Schoß sitzen lassen und hoppe, hoppe Reiter spielen“. Im November wurde Meyer-Böhringer 100 Jahre alt und „wir konnten nicht feiern, das tat allen sehr weh“, sagt sie über ihre zwei Kinder, sechs Enkel und acht Urenkel. „Ich hoffe, dass wir das nachholen können.“ Doch das, so Meyer-Böhringer, komme darauf an, wie viele sich impfen lassen. Sie hofft auf viele. „Man macht es ja für sich, dass man sich wieder mit anderen treffen kann.“ Angst habe sie weder vor einer Covid-19-Erkrankung noch vor eventuellen Nebenwirkungen der Impfung. Eine gewisse Gelassenheit habe man eben im Alter.

 
 
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