Erweiterung der Obsthalle in Kirchheim Es fehlen klare Vorgaben

Von
Die Obsthalle Kirchheim soll erweitert werden, aber die Ämter sind sich uneinig darüber, wie das formal gehen soll.⇥ Foto: Helmut Pangerl

Der regionale Grünzug und ein Schutzgebiet machen die Erweiterung der Obsthalle schwierig. Regierungspräsidium und Landratsamt empfehlen unterschiedliche Vorgehensweisen.

Die Obsthalle will und muss sich erweitern“, bekräftigte Bürgermeister Uwe Seibold zuletzt im Gemeinderat die Notwendigkeit, oberhalb von Kirchheim zu wachsen. Der Trend liege in der Regionalität, und die Genossenschaft biete seit den 1960er-Jahren genau das, was nun überall gefragt sei. Nämlich Produkte wie Obst und Gemüse nicht um die halbe Welt zu transportieren, sondern vor Ort für die Menschen zu produzieren.

Seit fünf Jahren gebe es die Erweiterungspläne dort oben, wo es 30 Jahre nach der Ansiedelung noch keine regionalen Grünzüge oder Schutzgebiete gab. Heute gibt es sie und sie machen den künftigen Betrieb schwierig. Ursprünglich wollte man über ein Sondergebiet im Flächennutzungsplan eine Erweiterung ermöglichen, dann über ein Zielabweichungsverfahren beim Regierungspräsidium – bis der Verband Region Stuttgart ein einfaches Baugesuch im Außenbereich empfahl, das in diesem Jahr auch im Gemeinderat befürwortet wurde.

Landratsamt ist für einen Bebauungsplan

Nun melden sich die Fachbehörden im Landratsamt und präferieren in Gesprächen einen Bebauungsplan, wie er seit Jahren in der Schublade liegt. Das, so fürchtet Seibold, könnte nochmals zwei bis drei Jahre dauern und den Betrieb ausbremsen oder gar stilllegen. „Wir drehen uns das fünfte Jahr im Kreis“, ärgert sich der Kirchheimer Bürgermeister.

Die geplante Erweiterung beinhaltet den Neubau einer Markthalle mit 32 Meter Länge sowie ein neues Kühllager und ein Büro. Davor soll es eine Rampe, eine Terrasse und einen Vorplatz geben, wo auch künftig regionale Gastronomie für die Besucher möglich sein soll, auch eine zeitgemäße Probiertheke soll dort geschaffen werden. Die alte Markthalle soll künftig als Lagerhalle genutzt werden, zudem ist mit 40 Stellplätzen mahr Parkraum auf dem Gelände geplant, das über die neue Zufahrt am künftigen B 27-Kreisverkehr erreichbar sein wird (die BZ berichtete).

„Im Moment läuft das Baugesuch noch“, erklärt Frank Braun, Vorstand der Obsthallen-Genossenschaft und stellvertretender Vorsitzender der WG Stromberg Zabergäu. „Wir sind ein gewachsenes Unternehmen, das seit 60 Jahren seinen Standort dort hat“, so Braun auf Anfrage der BZ. 15 Mal sei man schon bei der „gläsernen Produktion“ dabei gewesen.

Umsatz des Hofladens hat sich vervierfacht

Er sieht eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz im Betrieb der Obsthalle mit ihrem Dutzend Mitgliedern. Die Zahlen bestätigen das: Seit 2005 habe sich der Umsatz allein im Hofladen vervierfacht, zuletzt betrug er 1,25 Millionen Euro. Dem entsprechend stiegen auch die Kundenzahlen im Hofladen, der dringend vergrößert werden müsse, um arbeiten zu können. „Wir platzen aus allen Nähten“, beschreibt Braun die aktuelle Situation.

Nachdem die Genossenschaft der Obsthalle das dortige Grundgebäude der Württembergischen Obstverwertungsgenossenschaft in den 1960er-Jahren zunächst gemietet und dann übernommen hatte, habe es einige Anbauten gegeben. Nach 1991 kamen der Hofladen, das Lager und das Kühllager hinzu, was als Erweiterung eines privilegierten landwirtschaftlichen Betriebs möglich war. Nun sei man offiziell ein Gewerbebetrieb, obwohl sich an der Grundstruktur wenig geändert habe.

„Beide Wege sind denkbar“, sagt Seibold zur verfahrenen Situation, entweder mit einem Bauantrag oder zusätzlich einem Bebauungsplan den Behörden gerecht zu werden. Doch sollte endlich klar gesagt werden, welchen Weg man gehen müsse. Auch der Vorschlag „Dann zieht doch um“, sei schon aus der Region gekommen, was nicht nur bei ihm für Kopfschütteln gesorgt habe. Dass man immer nur gegen Wände laufe und nur höre, was nicht geht, habe er so nicht erwartet. Beim jetzigen Andrang der Kunden sei der aktuelle Zustand jedenfalls keine Lösung.

 
 
- Anzeige -