Evangelischer Kirchenbezirk Besigheim Pfarrämter sollen entlastet werden

Von Dietmar Bastian
In Besigheim fand die Herbstsynode des evangelischen Kirchenbezirks statt. Foto: Werner Kuhnle

Die Herbstsynode des evangelischen Kirchenbezirks Besigheim kämpft sich durch ein riesiges Aufgabenpaket, doch die Stimmung bleibt zuversichtlich.

Am Freitagabend fand die Herbstsynode des evangelischen Kirchenbezirks Besigheim, dem 16 Kirchengemeinden mit rund 39 000 Gemeindemitgliedern angehören, statt. Nach einem mutmachenden Gottesdienst in der Stadtkirche mit Dekan Eberhard Feucht gingen die Synodalen in vielstündige Beratungen. Es sollten vor allem die zahlreichen anstehenden Reformprozesse thematisiert, Haushaltsfragen besprochen und auch einige Beschlüsse gefasst werden. Die Synodalen (das sind die gewählten Vertreter der Kirchengemeinderäte, dabei die Pfarrer des Bezirks) hatten sich auf einen langen Abend eingestellt.

Neue Strukturen geplant

Sandra Tran, beim Oberkirchenrat zuständig für eine neue Regionalverwaltung, informierte über das geplante Paket, das den Kirchengemeinden vor Ort bei der Bewältigung ihrer ständig wachsenden Verwaltungsaufgaben helfen soll. Das Projekt „2024plus“ will die Kirchenverwaltung reformieren, zukunftsfähig machen und zur Entlastung der Pfarrämter beitragen.

Es sollen in den kommenden Jahren 19 Regionalverwaltungen für Württemberg eingerichtet werden, als Dienstleistungsstellen für die Pfarrämter, als Schnittstelle zwischen den Kirchengemeinden und der Zentralverwaltung beim Oberkirchenrat in Stuttgart. Dazu brauche es einen Ausbau der Digitalisierung, eine bessere Vernetzung der Pfarrämter vor Ort und eine Fort- oder Weiterbildung der örtlichen Sekretariatskräfte und der Kirchenpfleger.

Diskutiert wird in Stuttgart auch die Schaffung eines neuen Berufsbildes, dem der landeskirchlich angestellten Gemeindeassistentin beziehungsweise des Gemeindeassistenten. Wichtig ist, dass es sich um Module handelt, die eine Kirchengemeinde annehmen kann, aber nicht muss.

Den Zeitstrahl zur Einführung der neuen Verwaltungsstrukturen „2024plus“ hält Dekan Feucht für sehr ambitioniert, gleichzeitig aber systemisch für dringend erforderlich. Ein Synodaler warnte indes in der Sitzung, die Prozesse könnten die eigenständigen Gemeinden deformieren, statt reformieren. Die Standorte dieser Regionalverwaltungen sind noch ebenso unklar, wie die Frage ihrer Finanzierung.

Starke Zunahme von Aufgaben

Während einerseits Stellen abgebaut würden, wüchsen die Aufgabenbereiche der Diakonie ständig, sagte Georg Voigtländer von der Diakonischen Bezirksstelle Bietigheim-Bissingen. Es gebe immer mehr hilfsbedürftige Menschen in der Sozialberatung, in Tafelläden, in Familien, im Zusammenhang mit der Energiekrise, in der Schwangerenkonflikt-, der Sucht- und Schuldnerberatung.

Aufgrund steigender Kirchenaustritte, zurückgehender Einnahmen und weniger Interessenten für den Pfarrberuf muss für das Zieljahr 2030 wieder ein neuer „Pfarrplan“ aufgestellt werden. Feucht sprach von einer angespannten Situation, erörterte Möglichkeiten von Verbünden und neuen Strukturen, um dem Rückgang der Zahlen in Höhe von etwa 28 Prozent zu begegnen. Wie bei den letzten Pfarrplänen sei auch eine erneute Einsparung von Pfarrstellen zu befürchten. Dazu sollen an Runden Tischen einvernehmliche und gute Lösungen gesucht werden. Ein Beschlussantrag wurde mit großer Mehrheit angenommen.

Schutz vor sexualisierter Gewalt

Am 25. November 2021 hat die Landessynode ein Gewaltschutzgesetz beschlossen, das mit dem 1. Januar 2022 in Kraft getreten ist und die Bereiche Intervention und Prävention umfasst. Eine Arbeitsgruppe im Kirchenbezirk hat daraufhin ein Schutzkonzept zur Prävention sexualisierter Gewalt erarbeitet, mit dem Ziel, noch nachhaltiger und sensibler mit diesem drängenden Problem umzugehen. Jugendpfarrer Dominik Löw stellte es auf der Herbstsynode vor.

 
 
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