Fan-Aktion unter dem Motto „Mit dem Herzen dabei“ Steelers-Anhänger kehren zurück – als Pappkameraden

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Die ersten Fans aus Pappe haben am Sonntagabend beim Heimspiel gegen Frankfurt auf der Tribüne der EgeTrans-Arena Platz genommen. Sie brachten ihrer Mannschaft Glück: Die Steelers feierten mit dem 7:2 ihren bisher höchsten Saisonsieg. Foto: Avanti/Ralf Poller

Der DEL2-Klub bekämpft mit einer Fan-Aktion die Tristesse in der Arena. Im Schnitt buchen 914 Personen eine Heimspiel-Übertragung im Internet.

Mit einer kreativen Fan-Aktion bringen die Bietigheim Steelers wieder etwas mehr Farbe in die EgeTrans-Arena: Bei den DEL2-Geisterspielen bevölkern neuerdings zwar nicht die Anhänger persönlich die Ränge, weil dies nach wie vor untersagt ist. Dafür machen sich aber auf der Tribüne stellvertretend personalisierte Pappkameraden breit. Im Heimspiel gegen die Löwen Frankfurt waren am Sonntagabend bereits die ersten acht Aufsteller zu sehen, viele weitere sollen nach und nach folgen. „Das sorgt für eine Belebung und nimmt der leeren Halle zumindest ein wenig die Tristesse“, sagt Steelers-Geschäftsführer Volker Schoch, der die Idee dazu hatte.

Mannschaft signiert Aufsteller

Allerdings müssen auch die Fans aus Pappe quasi Eintritt zahlen: 39 Euro sind pro Platz fällig. Als Dankeschön für die Unterstützung bekommen sie ihre Figur zurück, sobald der coronabedingte Zuschauerbann aufgehoben ist – und zwar unterschrieben von der kompletten Mannschaft. „Der Erlös bewegt sich in der Größenordnung, die ein Stadionbesuch in die Kasse bringen würde – mit Eintrittskarte, Roter Wurst und Bier. Damit tragen die Fans dazu bei, dass es hier weitergeht“, sagt Schoch. Genauso wichtig wie die wirtschaftliche Komponente ist ihm aber die psychologische: „Die Spieler freuen sich sehr über die Verbundenheit, die die Fans zeigen. Das gibt ihnen eine zusätzliche Motivation.“ Dafür wollen sich die Profis nun revanchieren. Mitte der Woche werden sich einige von ihnen auf der Tribüne inmitten der Pappfiguren fotografieren lassen. Die Bilder will der DEL2-Spitzenreiter dann über die sozialen Medien verbreiten.

Bis Montagabend haben sich bereits 178 Anhänger an der Aktion, die unter dem Motto „Mit dem Herzen dabei!“ läuft, beteiligt, indem sie den fälligen Beitrag überwiesen, ihre Bilder für den Druck eingereicht und den Wunsch-Standort in der Halle mitgeteilt haben. 500 Aufsteller haben sich die Initiatoren zum Ziel gesetzt. Auch wenn bei den Heimspielen mal wieder ein gewisses Zuschauerkontingent erlaubt sein sollte – in der Vorbereitung waren zum Beispiel noch 500 Fans zugelassen –, will der Verein die 75 Zentimeter hohen und 50 Zentimeter breiten Pappkameraden weiter verwenden – nicht nur als Kulisse, sondern auch als Abstandshalter zu den Besuchern aus Fleisch und Blut.

Buchungen unter dem Schnitt

Bereits zum Rundenstart haben die Fanklubs einige Banner in der Arena angebracht. In der Bietigheimer Kurve, wo normal die treuesten und lautesten Schlachtenbummler stehen, prangt seitdem ein Transparent mit der Aufschrift „Ihr seid nicht allein. Der siebte Mann schaut von daheim.“

Doch wie viele schauen wirklich von daheim? Schoch zufolge haben im Schnitt bisher 914 Personen auf der Streaming-Plattform Sprade TV die fünf Heimduelle gebucht und im Internet verfolgt. „Da haben wir definitiv noch Luft nach oben“, sagt der Manager und verweist auf den DEL2-Schnitt, der um 300 bis 400 Zuschauer höher liege. Der Steelers-Bestwert war die Heimpremiere gegen Kaufbeuren am 8. November mit 1143 Buchungen; auf die geringste Resonanz stieß das Dienstagsspiel gegen Dresden vor zwei Wochen mit 683 Buchungen. Gegen Frankfurt waren es am Sonntag deren 778, wobei der Knaller des fünften Spieltags auch auf Magenta Sport, einem Pay-TV-Angebot der Deutschen Telekom, live zu sehen war.

Von den 9,90 Euro, die ein Fan für eine Übertragung bei Sprade TV berappen muss, erhalten die Vereine knapp über 60 Prozent, so Schoch. Der Rest gehe an den in Wangen im Allgäu ansässigen Anbieter, den Finanzdienstleister, der die Zahlung abwickelt, sowie an den Staat in Form der Mehrwertsteuer. „Mein Traum wären 1000 Buchungen pro Spiel. Das ist bei einem Ligaschnitt von etwa 1300 eigentlich auch realistisch. Ich habe keine Erklärung dafür, warum wir bisher so hinterherhinken“, stellt Schoch fest.

Info

Borussia Mönchengladbach hat's im Fußball vorgemacht

Unter den Sportvereinen war der Fußball-Bundesligist Borussia Mönchengladbach in Deutschland der Vorreiter im Bemühen, auch während der Geisterspiele zumindest optisch eine Stadion-Atmosphäre zu schaffen. Nach dem ersten Lockdown hatte der Europa-League-Teilnehmer von Ende März an Tausende Papp­aufsteller von Fans im Borussia-Park aufgestellt. Das Bundesliga-Westderby am 23. Mai gegen Leverkusen verfolgten so zum Beispiel 12 000 „Zuschauer“. Selbst Prominente wie Sänger Mickie Krause und der Komiker Matze Knop hatten sich damals einen Platz gesichert. 19,90 Euro kostete der Spaß für jeden Fohlen-Anhänger, der dabei sein wollte. 2,50 Euro davon gingen an das Fanprojekt Mönchengladbach, je weitere zwei Euro an die Aktion „Borussen helfen Borussen“ sowie an die Borussia-Stiftung. Der Rest des Kaufpreises seien Herstellungs- und Bearbeitungskosten, wie der Klub in seinem Stadionmagazin mitteilte.

In der Erwartung, dass in der neuen Saison wieder Zuschauer in die Arena dürfen, ließ die Borussia die lebensgroßen Figuren im Sommer allerdings abmontieren und verteilte sie an die Fans. Seit dem zweiten Lockdown im November tragen die Gladbacher ihre Heimspiele nun vor komplett leeren Rängen aus. ⇥ae

 
 
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