Felsengartenkellerei Besigheim Motivation durch mehr Traubengeld

Von Gabriele Szczegulski
Martin Fischer, Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer der Felsengartenkellerei will die Hessigheimer Echse auch national noch bekannter machen. Foto: /Martin Kalb

Die Felsengartenkellerei Besigheim/Hessigheim erhöht die Ausschüttung an die Mitglieder um zehn Cent auf 70 Cent.  

Es ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber während andere Genossenschaften das Traubengeld verringern oder gar monatsweise nicht auszahlen, erhöht die Fesengartenkeller Besigheim/Hessigheim ab 2026 die Ausschüttung an die Mitglieder um zehn Cent auf durchschnittlich 70 Cent pro Kilogramm abgelieferter Trauben. Das verkündete Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer Martin Fischer in der Generalversammlung in der Alten Kelter in Besigheim am vergangenen Dienstagabend.

Spagat zwischen Liquidität und angemessener Bezahlung

Es sei ein Spagat, so Fischer im Gespräch mit der BZ, in diesen schwierigen Zeiten liquide zu bleiben, aber auch die Winzer angemessen zu bezahlen, sodass sie ein „auskömmliches Einkommen“ hätten. „Kein Weinbaubetrieb ist derzeit nicht unter Druck“, so Fischer. Auch bei der Felsengartenkellerei sei der Gesamtumsatz gesungen, 2025 um neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig habe sich die Rebfläche von 700 Hektar vor fünf Jahren auf aktuelle 545 Hektar verkleinert, derzeit aber stagniere der Rückgang.

„Wir brauchen die Fläche, um genügend Wein produzieren zu können.“ Man dürfe keine Fläche mehr verlieren. Von 1300 Mitglieder, so Fischer, würden etwa die Hälfte Flächen bewirtschaften. „Das ist viel, aber es sind auch viele kleine Flächen, die einzelne Mitglieder bewirtschaften. Damit die Wengerter motiviert sind, eine Perspektive haben und weitermachen, ihren Wengert zu bewirtschaften, so Fischer, „müssen wir ein einigermaßen angemessenes Traubengeld sichern, aber das bezahlen, was wir können“. Diese Auszahlung, die feststeht, bevor die Lese 2026 beendet ist, soll aber kontrolliert vonstatten gehen. Darum hat die Felsengartenkellerei einen Unternehmensberater für das Controlling engagiert, der auch unterm Jahr Abschlüsse und die Höhe des Traubengelds prüft.

Die Rebfläche halten, ist Fischers Motto, und dies sei nötig, um künftig weiter wirtschaftliche Mengen an Wein verkaufen zu können. Hier soll die Strategie sich ändern: Die Kellerei hat mit Jörg Hepfer einen Vertriebsleiter eingestellt, der das Getränkegeschäft durch seine Tätigkeit bei Paulaner Bräu kennt. „Regional sind die Weine der Felsengartenkellerei gut bekannt, aber national müssen wir die Marke mit der Echse stärken“, so Fischer.

Nationale Ausweitung des Vertriebs im gehobenen Handel

Hepfer soll die Felsengartenkellerei-Weine national mehr vertreiben, aber nicht in Discountern sondern im gehobenen Lebensmittelhandel. „Nur für neun Prozent aller Weine bezahlen die Konsumenten mehr als sechs Euro und in dieses Segment wollen wir. Wir wollen die Marke so aufstellen, dass wir ordentlich wirtschaften können und das geht nur bei einem Preis von mindestens sechs oder 6,50 Euro pro Liter.“

Intern habe man Kosten reduziert und die Dienstleistungsangebote wie das Abfüllen verstärkt. Zudem investiere man in die Entwicklung von alkoholfreien Weinen, einem Perlwein, Weinschorle in Dosen. um auch jüngere Kunden anzuziehen. Beim Verkauf von deklarierten Steillagen-Weinen – ein „Problemkind“ – müsse Entwicklungsarbeit geleistet werden. „Wir müssen die Absätze in allen Bereichen hochkriegen“, so Fischer. Es gehe auch langsam wieder mit der Menge verkaufter Flaschen bergauf, da hätten sich die Qualitätsprogramme bei Wein und Sekt gelohnt. „Unser Pfund ist das Symbol des Wiedererkennens und Merkmal der Alleinstellung, die Echse.“

Die Genossenschaft wage „die Flucht nach vorne“ und setze sich mit der Investition in Premiumweine und -sekte und der Ausdehnung des Vertriebs von Mitbewerbern ab, sagt Fischer. Die Premiumsekte und -perlweine wie der Crémant oder die 49-Grad-Reihe seien Beispiele. Die prämierten Sekte zeichnen sich durch die Flaschengärung, die Ganztraubenpressung und eine lange Lagerung aus, so Fischer. „Wir wollen, dass unser Premiumprogramm wächst und für mehr Absatz sorgt“, so Fischer.

Gleichzeitig sollen aber neue Produkte oder Einkommensquellen hinzukommen, wie die geplante Besigheimer Weinlaube am Niedernberg, die zwar in Privatinitiative gebaut werden soll, die Felsengartenkellerei laut Fischer aber „Ankerpartner“ werde, die Weine liefert und den Ausschank organisiert. Auch die Gastronomie vor der Kellerei am Fuße der Felsengärten soll weiter ausgebaut werden. „zur Steigerung des Direktverkaufs“.

100 Mitarbeiter hat die Genossenschaft. Der Tarifstreit zwischen Arbeitgeberverband und Gewerkschaft NGG im Dezember 2025 wurde mit einem Streik von 20 Mitarbeitern in der Felsengartenkellerei ausgetragen. Es handelte sich um einen in der regionalen Weinbranche einmaligen Warnstreik bei einer Kellerei. Da es keine Tarifeinigung über 200 Euro mehr Lohn gab, entschied die Genossenschaft, ihren Mitarbeitern freiwillig mehr zu bezahlen. „Im ganzen Weinbaugebiet Württemberg und Baden zahlen wir die höchsten Gehälter“, sagt Fischer.

 
 
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