Feuerwehr Kirchheim Neues Haus für die Feuerwehr?

Von Gabriele Szczegulski
Das Feuerwehrhaus in Kirchheim an der Hohensteiner Straße ist bei Starkregen oder Hochwasser stark gefährdet. Foto: /Martin Kalb

Das alte Gebäude platzt aus allen Nähten. Als erstes muss jedoch ein neues Fahrzezug gekauft werden.

Die Kirchheimer Feuerwehr braucht ein neues, moderneres Feuerwehrhaus – das jedenfalls ist das Fazit, das Sebastian Fischer, Sachverständiger für Brandschutz sowie Lehrbeauftragter der Hochschule für Technik in Stuttgart, in seinem von der Gemeinde Kirchheim beauftragten Feuerwehrbedarfsplan zieht. Er stellte dem Gemeinderat in seiner Sitzung am Donnerstagabend den Feuerwehrbedarfsplan in einem anderthalbstündigen Vortrag vor. Fast alle Feuerwehrmänner und -frauen waren zur Sitzung gekommen. Die Kirchheimer Feuerwehrleute hörten für ihre ehrenamtliche Arbeit, ihren Einsatz und ihre Bereitschaft nur Lob vom Fachmann.

Feuerwehrhaus genügt den Vorgaben nicht mehr

Dieser hatte aber an dem Feuerwehrhaus und an der Fahrzeugausstattung einiges zu bemängeln. Das mehr als 20 Jahre alte HLF 16 müsse dringend ersetzt werden, zudem seien Gerätewagen und Rollcontainer notwendig. Fischer berechnete, dass die Gemeinde rund 625 000 Euro in den nächsten zehn Jahren in Fahrzeuge investieren müsse. Dafür seien Zuschüsse in Höhe von 164 000 Euro vorgesehen. Es verbleiben für die Gemeinde rund 461 000 Euro, das sind 46 000 Euro Kosten pro Jahr bis 2032.

Hierfür trafen die Räte am Ende eine einstimmige Entscheidung: Die Verwaltung soll schon jetzt Förderanträge für ein neues Feuerwehrfahrzeug HLF 10 mit Schlauchhaspel am Heck stellen. Kommandant Christian Scherb wurde beauftragt, nach geeigneten Fahrzeugen Ausschau zu halten. Es dauere zirka drei Jahre, bis ein Feuerwehrfahrzeug nach Bestellung ausgeliefert werde, sagte Kirchheims Bürgermeister Uwe Seibold.

Die Entscheidung über das Feuerwehrhaus wird wohl länger dauern. Die Gemeinderäte waren sich jedoch in ihrer Einschätzung einig, dass „hier etwas passieren muss“, so CDU-Gemeinderat Tobias Vogt und brachte damit die Wertschätzung des Rates für die Freiwillige Feuerwehr auf den Punkt.

2002 wurde das Feuerwehrhaus in der Hohensteiner Straße saniert. Es stehe zwar, so Fischer, strategisch günstig, aber ist bei Hochwasser- und Starkregenereignissen stark gefährdet, überflutet zu werden. „Das Risiko, dass es einen Ausfall des Feuerwehrhauses bei Extremereignissen gibt, ist hoch“, sagte Fischer.

Zudem gebe es nicht genügend Lagermöglichkeit, der Anhänger muss quer hinter den Einsatzfahrzeugen platziert werden. Weitere Lagerflächen sind in Containern auf der anderen Seite des Mühlbachs zwar vorhanden, die Entfernung sei aber suboptimal. Die Einsatzlogistik sei stark eingeschränkt, es gebe keinen Stellplatz für ein Logistikfahrzeug sowie nur ein notdürftiges Lager in der Fahrzeughalle, so Fischer.

Der Umkleidebereich für die Feuerwehrmänner und -frauen sei „viel zu klein, es gibt auch keine Trennung nach Geschlechtern“, so Fischer. Es sei auch keine sogenannte Schwarz-Weiß-Trennung möglich: Um Kontaminationen zu beseitigen, die nicht bereits an der Einsatzstelle vom Körper entfernt werden konnten, müssen entsprechende Hygienevorrichtungen im Feuerwehrhaus vorhanden sein. Dies ist im Kirchheimer Feuerwehrhaus nicht gegeben, aber mittlerweile Vorschrift.

Sanierung, Zersplitterung oder Neubau?

Fischer hat die Gegebenheiten mit der Vorgabe DIN 14092 „Feuerwehrhäuser“ verglichen und kam eindeutig zu dem Ergebnis, dass das Kirchheimer Feuerwehrhaus nicht mehr akzeptabel ist. Er schlug dem Gemeinderat drei Lösungsvorschläge vor: Die Variante A sieht vor, das bestehende Feuerwehrhaus in der Hohensteiner Straße zu sanieren und so gut es geht zu erweitern.

Die zweite Variante ist ein Neubau an anderer Stelle. Fischer schlug den Bereich im Industriegebiet in der Nähe des Lidl-Marktes vor. Variante C sieht eine Sanierung des Bestandsgebäudes vor und einen Neubau als Logistikstandort an anderer Stelle.

Fischer selbst sieht alle Vorzüge bei Variante B, also einem Neubau im Industriegebiet, um von Grund auf ein Feuerwehrhaus mit Lagerflächen, genügend Umkleiden, getrennt nach Geschlechtern, und Hygieneeinrichtungen nach den Bedürfnissen der Wehr und den Anforderungen, die die Feuerwehrverordnung vorsieht, zu bauen. Zudem sei es dann während des Neubaus möglich, dass die Feuerwehr so lange das alte Gebäude für Einsätze nutzen könne, während man bei den anderen Varianten eine vorübergehende Ausweichmöglichkeit suchen müsse. Variante C sei eine Zersplitterung der Flächen und logistisch wenig sinnvoll sowie zeitaufwendig bei einem Einsatz.

In Variante A, der Sanierung und Erweiterung des bestehenden Gebäudes, sieht Fischer keine wirklich langfristige Lösung.

Fischer schlägt, als weitere Vorgehensweise der Gemeinde, vor, die Bestandsaufnahme des bestehenden Feuerwehrhauses zu vertiefen sowie den zusätzlichen Bedarf durch einen Fachplaner ermitteln zu lassen. Dieser würde dann eine Machbarkeitsstudie mit Flächen- und Kostenberechnung vorlegen.

Die Kirchheimer Räte waren sich einig, dass sich der neu gewählte Gemeinderat nach der Kommunalwahl im Frühjahr 2024 schnell mit dem Feuerwehrhaus auseinandersetzen müsse.

Hubert Deisinger von der Wählergemeinschaft Kirchheim brachte noch den Bauhof ins Spiel, dessen Gebäude auch einer Sanierung bedürfe. Es sei denkbar, so Deisinger, eine Komplettlösung für Bauhof und Feuerwehrhaus zu finden.

 
 
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