Feuerwehr Warten auf die Lehrgänge

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Lehrgänge wie beispielsweise „Truppmann Teil 1“, führen die Feuerwehren auf Kreisebene durch. Weiterbildungen und Spezialausbildungen finden in der Landesfeuerwehrschule Bruchsal statt, oft nach langen Wartezeiten.⇥ Foto: Freiwillige Feuerwehr Sachsenheim

Die Feuerwehren beklagen zu lange Wartezeiten bei den Lehrgängen an der Landesfeuerwehrschule in Bruchsal.

Eine gute Ausbildung ist für eine schlagkräftige Feuerwehr das A und O. Sogenannte Truppausbildungen werden auf Kreisebene durchgeführt. Weiterbildungen und Spezialausbildungen finden in der Landesfeuerwehrschule (LFS) in Bruchsal statt, jedoch inzwischen mit beachtlichen Wartezeiten – zum Ärger der Feuerwehrangehörigen.

 Die Grundausbildung und Grundlagen-Fachausbildung absolvieren die Feuerwehrangehörigen in der Regel bei ihren jeweiligen Feuerwehren oder der überörtlichen Kreisausbildung. Sämtlich weiterführenden Fach- und Grundausbildungen finden  an der der LFS statt, und diese stößt, was die Kapazität angeht, seit Jahren deutlich an ihre Grenzen. Dies führt mittlerweile zu einem durchaus großen Frust innerhalb der Feuerwehren, auch im Landkreis Ludwigsburg.

Feuerwehrschule wird erweitert

Nach Auskunft von Kreisbrandmeister Andy Dorroch sind die Wartezeiten für Lehrgänge an der Landesfeuerwehrschule momentan zu lange. Die Kapazitäten seien derzeit nicht ausreichend. Aber, so Dorroch, Abhilfe ist in Sicht. Die Ausbildungskapazität der Landesfeuerwehrschule in Bruchsal soll um 25 Prozent erhöht werden. Das kündigte Innenminister Thomas Strobel bereits im Januar 2019 in Stuttgart an.

Kurzfristig ändert diese angekündigte Aufstockung an der Ausbildungsmisere der Feuerwehren im Land jedoch nichts. Um dem Mangel an Lehrgangsplätzen zu begegnen, sollen die Landkreise selbst mehr in die Ausbildung einsteigen. Beispielsweise wird nach Auskunft von Dorroch die Ausbildung von Gerätewarten als Pilotprojekt im Landkreis Ludwigsburg abgehalten. Die Oberausbilder stellt die Landesfeuerwehrschule, die Ausbilder der Landkreis.

Die Qualität dieser Ausbildung bewertet der Kreisbrandmeister als „super“. Er verweist auch auf die Ausbildung der Atemschutzgeräteträger, die früher ausschließlich in Bruchsal möglich war. Inzwischen wird diese Ausbildung in den Ausbildungszentren in Vaihingen und Ludwigsburg abgehalten.

Lehrgänge auf Kreisebene

Einen großen Vorteil einer dezentralen Ausbildung sieht Dorroch darin, dass solche Lehrgänge auf Kreisebene berufsbegleitend stattfinden könnten, während Lehrgänge an der LFS in Vollzeit abgehalten werden. Gleichwohl räumt Dorroch ein, dass eine Wartezeit von über einem Jahr für einen Zugführer-Lehrgang an der LFS zu lange sei.

Vom Prozedere her funktioniert die Anmeldung für Lehrgänge an der LFS folgendermaßen: Die örtliche Freiwillige Feuerwehr meldet an den Kreis den Bedarf für einen Lehrgang. Der Landkreis gibt die Bedarfsmeldung an die LFS weiter. Die LFS vergibt Kontingente von Lehrgängen an die Landkreise, die wiederum die Lehrgänge an die Feuerwehren vor Ort vergeben. Beispielsweise hat der Landkreis den Bedarf an 50 Lehrgängen für Zugführer an die LFS gemeldet und 18 bis 20 Plätze bekommen. Bei den Gruppenführern waren es 75 Anmeldungen, bei denen 24 Plätze genehmigt wurden. Dorroch  weist ausdrücklich darauf hin, dass der Ausbildungsstand der Feuerwehren auf Kreisebene sehr gut sei, und gibt zugleich zu bedenken, dass die Ausbildung der Feuerwehrleute in den letzten Jahren beispielsweise hinsichtlich der Didaktik, deutlich professionalisiert wurde.

Wartezeiten eher der Normalfall

Lange Wartezeiten sind nach Ansicht des Bietigheim-Bissinger Feuerwehrkommandanten Frank Wallesch, eher der Normalfall. Grundsätzlich sei die Landesfeuerwehrschule eine gute Einrichtung, aber die Kapazität reiche definitiv nicht aus. Beispielsweise sei der Bedarf an Lehrgängen für Gruppenführer und Zugführer enorm und übersteige deutlich das Angebot. Teils jahrelange Wartezeiten für dringend benötigte Lehrgänge sind nach Auskunft von Wallesch seit vielen Jahren beinahe schon die Regel.

Bei Speziallehrgängen in denen beispielsweise Fachwissen im vorbeugenden Brandschutz und in der Brandschutzerziehung für Feuerwehrkommandanten vermittelt wird, sind jahrelange Wartezeiten ebenfalls keine Seltenheit. Wallesch selbst wartet schon seit über vier Jahren auf diesen Lehrgang. Zuletzt hatte er jetzt endlich für den vergangenen Dezember eine Zusage, aber wegen Corona wurde der Lehrgang dann abgesagt. Die Corona-Pandemie hat die Situation zudem noch weiter verschärft.

Frank Wallesch berichtet, dass er in einem konkreten Fall inzwischen seit drei Jahren vergeblich versuche, einen Feuerwehrangehörigen für einen Gruppenführerlehrgang anzumelden. Dies kann bei an sich hoch motivierten und ausbildungswilligen Feuerwehrangehörigen schon zu einer Portion Frust führen, so Wallesch. Knackpunkt für ihn ist schlichtweg, dass zu wenig Ausbildungspersonal vorhanden ist. Der Bedarf, der sich an Lehrgängen angestaut hat, ist schon verrückt, so Wallesch, die Bugwelle, die man da vor sich herschiebe, sei enorm, man laufe Gefahr, dass die Qualität der Ausbildung leidet.

Warten auf Führungslehrgang

Ein ähnliches Bild zeichnet der Bönnigheimer Feuerwehrkommandant Mike Etzel. Wartezeiten für Lehrgänge an der Landesfeuerwehrschule von zwei bis drei Jahren seien keine Seltenheit. Vor allem auf Führungskräftelehrgänge müsse man lange warten. Mike Etzel ist seit 2018 Kommandant der Bönnigheimer Feuerwehr. Den Feuerwehrkommandeurs-Lehrgang konnte er erst letztes Jahr absolvieren. In den Jahren 2018/2019 mussten ausbildungswillige Feuerwehrleute mindestens ein Jahr auf einen Lehrgang zum Zugführer warten.

Als Vorteil sieht Etzel die Ausbildung der Zugführer auf Kreisebene, zumal diese Ausbildung abends stattfinden könne. Insgesamt sieht Etzel die Bönnigheimer Feuerwehr, was den Ausbildungsstand angeht, gut aufgestellt. Wobei coronabedingt momentan kein normaler Übungsbetrieb möglich sei, aber in absehbarer Zeit sollen Übungen coronakonform in Kleinstgruppen wieder stattfinden.

Info Die Landesfeuerwehrschule (LFS) in Bruchsal bietet nach eigenen Angaben insgesamt rund 50 Lehrgänge für Feuerwehrleute an. 41 Ausbilder schulen dort jährlich über 6500 Feuerwehrangehörige.

 
 
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