Feuerwehrhaus Kleinsachenheim: Sanierung oder Neubau? Entscheidung auf Juni vertagt

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Ob das Feuerwehrhaus in Kleinsachsenheim saniert wird oder ob und wo es einen Neubau geben soll, darüber will der Gemeinderat in der Junisitzung entscheiden,⇥ Foto: Helmut Pangerl

Gemeinderäte diskutieren am Dienstagabend intensiv über Zukunft der Feuerwehr-Gerätehauses in Kleinsachsenheim.

Die Emotionen bei Stadtkommandant Philipp Rousta kochten hoch. Bürgermeister Holger Albrich musste sich mit einem Kompromiss zufriedengeben, den er ursprünglich gar nicht wollte. Die Wehrangehörigen der Abteilung Kleinsachsenheim wissen immer noch nicht, wie die Zukunft ihres Gerätehauses aussieht. Dies waren die Ergebnisse einer lebhaften Diskussion in der jüngsten Gemeinderatssitzung über Sanierung oder Neubau des Gerätehauses im Sachsenheimer Teilort.

„Wir hatten in der Gemeinderatssitzung im Dezember 2020 einen Kosten- und Zeitenplan für die Sanierung des Feuerwehr-Gerätehauses in Kleinsachsenheim vorgestellt. Diese Daten wurden inzwischen weiter aktualisierter“, erläuterte Bürgermeister Albrich zu Beginn der Ratsdebatte. Der Gemeinderat wollte damals auch einen Neubau auf einer anderen Fläche untersuchen lassen. Ein entsprechender Abschlussbericht liege jetzt vor. Albrich: „Zudem wurde in der vergangenen Woche noch ein weiterer Vorschlag gemacht. Ein Neubau soll am bisherigen Standort realisiert werden.“

Der Fachbereichsleiter für Technik, Stadtplanung und Mobilitätskonzepte bei der Stadtverwaltung Sachsenheim, Thomas Feiert, ergänzte, dass rund 1,9 Millionen Euro in eine Sanierungsmaßnahme investiert werden müssten, für die ein Baugesuch mittlerweile erstellt wurde. Für einen Neubau allerdings liegt diese Berechnungstiefe, laut Feiert, noch nicht vor. Dafür werden die Kosten auf rund 3,6 Millionen Euro beziffert. Besteht die Möglichkeit das aktuelle Grundstück des bestehenden Gerätehauses zur Refinanzierung eines Neubaus heranzuziehen, könnten sich die Ausgaben auf 2,9 Millionen Euro reduzieren.

„Für einen Neubau kommen zwei Standorte auf der ‚grünen Wiese‘ nördlich des Aldi-Marktes und nördlich des Netto-Marktes in Frage. Wir müssten dort noch Baurecht schaffen und den gültigen Flächennutzungsplan, der die Bereiche als ‚landwirtschaftliche Fläche‘ ausweist, ändern“, betonte Feiert.

Lange Vorlaufzeit

Rund 1,5 Jahre könnte das Verfahren der Planänderung in Anspruch nehmen. Daher ist mit der Fertigstellung eines Neubaus erst im Frühjahr 2024 zu rechnen. Eine Sanierung könnte bereits im April 2022 gänzlich abgeschlossen sein. Zudem bereitet der Grunderwerb bei den beiden Neubau-Standorten Schwierigkeiten, denn die Eigentümer zentral liegender Flächen haben bisher keine Verkaufsbereitschaft signalisiert. Die verkehrliche Anbindung der beiden Neubau-Standorte sollte, nach Meinung der Stadtverwaltung, direkt an die Löchgauer Straße erfolgen. Der Straßenbaulastträger, das Regierungspräsidium Stuttgart, bevorzugt eine Anbindung über den bestehenden Kreisverkehr Löchgauer Straße/Heinzenberger Weg. Um dabei jedoch keinen Kreuzungsverkehr zu erzeugen, ist für die Zu- und Abfahrt der Einsatzfahrzeuge eine eigene Rettungsgasse notwendig.

Sowohl die Fachleute der Stadtverwaltung als auch die Vertreter der Feuerwehr plädierten in einer abschließenden Stellungnahme für eine Sanierung des Gerätehauses am bisherigen Standort in Kleinsachsenheim. „Es liegt aber jetzt noch ein weiterer Vorschlag vor, der einen Neubau am bisherigen Standort vorsieht mit der Möglichkeit das gesamte Areal städtebaulich neu zu ordnen. Wir sollten auch diesen Vorschlag noch prüfen und sollten deshalb mit unserer Entscheidung noch kurze Zeit warten“, schilderte Gemeinderat Günter Dick. Den Vorschlag mit dem Neubau des Gerätehauses am bisherigen Standort, einer Entwicklungsmöglichkeit für Wohnbau und Schule hat Gemeinderat und Architekt Gert-Wilhelm Bechtle unterbreitet. „Es geht hier um den Bedarf der Feuerwehr. Wir wollten schon vor einem halben Jahr darüber abstimmen. Wenn wir die Entscheidung jetzt noch einmal vertagen, wie wollen wir dies der Feuerwehr noch vermitteln. Wir machen uns lächerlich“, empörte sich Gemeinderat Ralf Nägele. Er kritisierte an der Entwurfsidee Bechtles, dass sie am Bedarf der Feuerwehr vorbei geplant sei und grundlegend überarbeitet werden müsse.

Dies war auch die Ansicht von Karl Willig, der darauf verwies, dass es mit einer Wohnbebauung in der Nähe des Feuerwehrgerätehauses wieder Konflikte gäbe. Bechtle dagegen warnte davor, dass die Stadt nicht wieder in eine Sanierungsfalle tappen dürfe. „Ein Sanierungsrisiko gibt es immer, aber wir dürfen auch keinen Städtebau auf dem Rücken der Feuerwehr betreiben. Die Feuerwehr hat sich klar für die Sanierung positioniert“, so Bürgermeister Albrich, der auf eine Entscheidung in der Sitzung drängte.

Andere Ratsmitglieder sprachen sich jedoch auch für eine Vertagung der endgültigen Entscheidung bis zur Ratssitzung im Juni aus. Dies erzürnte wiederum Stadtkommandant Rousta. „Ich frage mich gerade, warum wir es nicht schaffen, einen Knopf an die ganze Sache zu machen. Der Vorschlag von Gemeinderat Bechtle hat sicherlich seinen Charme, aber privater Wohnbau in direkter Nachbarschaft zur Feuerwehr wird nicht funktionieren. Dies ist fern jeglicher Realität“, so Rousta.

Kritik vom Stadtkommandanten

Er erinnerte daran, dass seit 15 Jahren der Arbeitsschutz im Kleinsachsenheimer Gerätehaus nicht beachtet werde. Der Stadtkommandant gab aber zu verstehen, dass er damit leben könne, wenn die endgültige Entscheidung noch bis zur Sitzung im Juni andauere. Diese Worte nahm Bürgermeister Albrich zum Anlass und stellte selbst den Antrag, den Beschluss über Neubau oder Sanierung des Feuerwehr-Gerätehauses erst in der Ratssitzung im Juni zu treffen. Bis dahin sollen alle Details, auch des Vorschlags von Bechtle, nochmals eingehend geprüft werden. Eine Ratsmehrheit nahm diesen Antrag an.

 
 
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