Alle Augen waren auf den Himmel gerichtet, als die Pilatus B4 aus den Wolken stürzt. Senkrecht hochgezogen hatte sie Christian Hartmann, immer weiter hinauf, bis sie nach hinten steil zurück zur Erde fiel. Flug kopfüber, Loopings – das Publikum kommt aus dem atemlosen Staunen nicht heraus, und der „frenetische Applaus“, der, so die Moderation, beim Ausstieg des Piloten „üblich“ sei, war Segelflieger Hartmann sicher.
Fliegerfest Pleidelsheim Die Flieger starten im Minutentakt
Der FSV lud zum Fliegerfest, um sich und seine Maschinen dem Publikum zu präsentieren – aber auch, um es teilhaben zu lassen, an der Faszination des Fliegens.
Es ist Fliegerfest der Flugsportvereinigung (FSV) in Pleidelsheim und am vergangenen Samstag und Sonntag starteten die Fluggefährte quasi im Minutentakt – ob die Segelflieger, die am Seil in die Luft geschleppt wurden und bei 1200 Metern ausklinkten, oder die Ultraleichtflugzeuge, in denen Besucher sich auf dem Co-Piloten-Sitz in die Lüfte wagen konnten.
Die Begeisterung zu fliegen, teilen
„Zeigen, was wir haben“, das sei ein Ziel des Fests, sagt Thomas Leibbrand von der Luftsportvereinigung Pleidelsheim (FSV) – und andere an der Begeisterung Fliegen teilhaben zu lassen. „Wir wollen uns als Verein so präsentieren, wie wir sind und auch die Flugzeuge zeigen, die wir selber im Vereinsportfolio haben“, erklärt er – also die Segelflieger und Ultraleichtflugzeuge.
Und auch ein Elektroflugzeug ist dabei, das bald unter den gespannten Blicken der Besucher abhebt. Es gehe darum, auch dieses Flugzeug bekannter zu machen und es auch mit den Vereinskollegen auszuprobieren.
Leibbrand, selbst Segelflieger seit dem Jugendalter, zeigt seine Schleicher ASH 26, ein einsitziges Segelflugzeug mit 18 Metern Spannweite – selbststartend, dank des ausklappbaren Propellers hinter dem Cockpit. Die Geräuschlosigkeit ist für ihn ein wichtiger Faktor des Segelfliegens – da sei es bei den Ultraleichtflugzeugen schon lauter, weiß er.
„Besser könnte das Wetter nicht sein“, freute sich der Flieger – leichter Wind und nicht so drückend heiß wie die letzten Jahre. Aus Erfahrung rechnet man mit insgesamt 2500 bis 3000 Besuchern. Das Highlight ist für ihn der Kunstflug von Christian Hartmann. „Es ist wie bei jedem Sport, am Anfang fliegt man sich erst mal warm“, erzählt dieser zwischen zwei seiner Flüge, die je eine knappe Viertelstunde dauern – die Manöver, die dem Publikum schon den Atem rauben, waren also erst der Anfang. „Da oben ist es schon böig, mit einigem an Wind – gutes Wetter zum Fliegen“, sagt er.
Wenn man dann in so einem Looping ist, dann spüre man das schon, beschreibt er die Kräfte, die während des Flugs wirkten – „auch wenn das von unten alles sehr langsam und harmonisch aussieht. Ich stand ja selber da als Kind und habe gestaunt – das versuche ich jetzt ein bisschen zu übertragen“, erklärt er seinen Flug. „Relativ alt“ war Hartmann, als er mit dem Fliegen anfing, über 30, also nicht einer von denen, die von Kindesbeinen an auf dem Flugplatz war.
Fliegen wird schnell zur Sucht
Grundsätzlich gebe es außer körperlicher Fitness aber keine Grenze für einen Start mit dem Fliegen, bestätigt auch Leibbrand, und Hartmann erzählt von seinem Vater, der mit 72 noch anfing. Viele im Verein haben auch kurz vor dem Ruhestand angefangen, „das gibt’s alles“, so Leibbrand. Es werde schnell zur Sucht, warnt Hartmann lachend, man solle aufpassen, wenn man das erste Mal mitfliege. Und die Begeisterung sieht man auch schon bei den jüngsten Festbesuchern, die auf der Wiese neben der Landebahn ihre Fluggeräte (noch) von Hand in die Luft befördern. „Ich glaube jeder hat ja so einen Kindheitstraum: Feuerwehrmann oder Polizist oder Astronaut – und eben auch mal fliegen wie ein Vogel“, sagt Hartmann zu der Faszination, die das Fliegen offenbar auf so viele ausübt.
