Flüchtlinge in Ingersheim Die Kapazitäten sind erschöpft

Von Jörg Palitzsch
In der Ingersheimer Unterkunft Gröninger Weg sind derzeit zwölf Asylbewerber aus der Ukraine untergebracht sowie 38 Flüchtlinge aus Drittländern. Foto: Werner Kuhnle

In Ingersheim sind 63 Ukrainer untergebracht. Bürgermeisterin ruft nach Ehrenamtlichen.

Mit einem eindringlichen Appell hat sich Bürgermeisterin Simone Lehnert in der jüngsten Sitzung an den Gemeinderat gewandt. Es sei angesichts der Flüchtlingszahlen unabdingbar, im Ort eine Ehrenamtsstruktur aufzubauen. Gespräche mit Pfarrer Ingo G. Walter von der evangelischen Kirche hätten bereits stattgefunden.

Hintergrund ist, dass der Arbeitskreis Asyl nach sieben Jahren seine Aktivitäten eingestellt hat. Im August 2016 sah es noch ganz anders aus. Es kamen in der Mehrzahl Familien aus Syrien, Irak, Afghanistan, Eritrea, Kamerun und Nigeria nach Ingersheim, so Karin Zimmer vom Arbeitskreis Asyl, die bei einem Abschiedsfest im Juli 2022 Bilanz zog. Rund 50 Personen wurden 2016 in der Enzstraße, der Blumenstraße, der Hindenburgstraße und der Pfarrgasse untergebracht. Damals waren Begrüßung und Begleitung gefragt. Anfang 2020 habe vor allem Corona Vieles an Aktionen und Ideen ausgebremst. Der Bedarf an Begleitung wurde weniger, Familien sind weggezogen oder wurden eigenständig. Nach zwei Jahre ohne Aktivitäten habe es nur noch drei aktive Personen in der Begleitung gegeben.

Kapazitäten erschöpft

Inzwischen, so Lehnert, seien die Kapazitäten erschöpft und die Integrationsmanagerin völlig überlastet. Die Bürgermeisterin beklagte sich auch darüber, dass Menschen nur noch „nach unten durchgereicht“ würden. In Ingersheim gibt es laut Lehnert derzeit insgesamt 109 Flüchtlinge. Davon sind 63 aus der Ukraine. 21 sind privat untergebracht, 19 in der Enzstraße, zwölf in der Unterkunft im Gröninger Weg und elf in der von der Gemeinde angemieteten Wohnung. Man wolle noch zwei weitere Wohnungen anmieten, „dann reicht es für dies Jahr“, so Lehnert. Man müsse keine Hallen belegen, dies sei die „letzte Option“.

Hinzu kommen noch 46 Flüchtlinge aus sogenannten Drittländern, wovon 38 im Gröninger Weg und acht in der Enzstraße untergebracht sind. Im Gröninger Weg gibt es viele alleinstehende Männer, was zu Problemen führe, so Simone Lehnert. Auch aus diesem Grund soll die Ehrenamtsstruktur wieder aufgebaut werden.

 
 
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