Forderung nach Tarifvertrag im Eichwald bei Sachsenheim Streik bei Dräxlmaier

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„Tarif jetzt“ lautet die Forderung der Beschäftigten bei Dräxlmaier im Eichwald.⇥ Foto: Oliver Bürkle

Die Beschäftigten fordern eine Tarifbindung, das Unternehmen will eine individuelle Lösung.

Die Worte von IG Metall und Betriebsrat wiegen schwer: Dräxlmaier „verweigert Verhandlungen zur Tarifbindung“, heißt es in der gemeinsamen Mitteilung am Donnerstag. „Die Geschäftsleitung bei Dräxlmaier in Sachsenheim hält Belegschaft und Gewerkschaft hin und versucht die Belegschaft zu spalten.“ Vorangegangen waren zwei Streikaktionen der Früh- und Nachtschicht. Rund 60 der 300 Mitarbeiter der Dräxlmaier Automotivprodukte GmbH (DAP) beteiligten sich daran. Im Batteriewerk in Sachsenheim werden unter anderem für den Porsche Taycan die Batterien montiert.

Die IG Metall und der Betriebsrat fordern die Tarifbindung nach den Tarifverträgen der Metall- und Elektroindustrie. Dafür wurde bereits im Januar eine Kommission gewählt, die mit der Geschäftsleitung Verhandlungen führen soll. Bislang weigere sich die Geschäftsleitung, Verhandlungen zur Tarifbindung zu führen. „Stattdessen versucht die Geschäftsleitung uns als Belegschaft zu spalten und ignoriert den Willen einer deutlichen Mehrheit der Beschäftigten bei uns“, meint Mustafa Yesilyaprak, Betriebsratsvorsitzender am Standort.

Gehalts- und Bonuspaket stimmt nicht zufrieden

Markus Linnow, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Ludwigsburg konkretisiert auf BZ-Nachfrage: Dräxlmaier versuche aktuell, mit anderen Boni Stimmung gegen Betriebsrat und Gewerkschaft zu machen. „Sie haben gesagt: ‚Wir stellen Wasserspender auf, es gibt zwei Euro mehr pro Schicht oder 500 Euro Corona-Bonus.‘“ Das seien aber nicht die zentralen Forderungen. Kernthemen seien Schichtzuschläge und Arbeitszeiten, ebenso Altersteilzeit und -sicherung.

Vonseiten des Unternehmens werden in einer Mitteilung deutlich versöhnlichere Töne angestimmt. „Die Geschäftsleitung des Familienunternehmens DAP ist an einem breiten Konsens interessiert und hat daher die Mitarbeitervertretung zu weiteren Gesprächen eingeladen, mit dem Ziel einer gemeinsamen Lösungsfindung.“ Und weiter: „Das Unternehmen hat den Mitarbeitervertretern bereits ein umfangreiches Gehalts- und Bonuspaket für die Beschäftigten angeboten, das im regionalen Marktvergleich attraktiv ist.“ Auf dieser Basis sei man „verhandlungsbereit“, und wolle „zeitnah eine Einigung“ erzielen. „Oberste Priorität ist, die Zukunft des Standorts nachhaltig zu sichern. Ein anhaltender Arbeitskampf wäre für alle Beteiligten von Nachteil und würde Arbeitsplätze gefährden“, sagt Standortleiter Gunther Wössner.

60-jährige Firmengeschichte

Der Frage nach einer tariflichen Lösung weicht das Unternehmen auf BZ-Nachfrage aus: „Wir haben in gewohnter Art und Weise eine individuelle, für die Belange in Sachsenheim abgestimmte Lösung intern auf Ebene der Betriebsparteien vorgeschlagen“, heißt es. Das habe Tradition in der mehr als 60-jährigen Firmengeschichte und biete „Perspektiven sowie Sicherheit“.

Während laut Unternehmen die Gespräche „seit dem frühen Sommer (…) intensiviert“ worden seien, pocht die IG Metall darauf, sich noch vor den Sommerferien zu Verhandlungen bereitzuerklären – „und zwar mit dem ernsthaftem Willen einer Tarifbindung“ so Linnow. „Ansonsten droht sich die Situation nach der Sommerpause unnötig zuzuspitzen“, heißt es weiter. Linnow ergänzt gegenüber der BZ aber: „Wir hoffen immer noch auf Verhandlungen, brauchen keine Zuspitzung.“ Wenn es nicht vorangehe, könne es nach der Sommerpause ungemütlich werden.

Bis dahin sind keine weiteren Streiks geplant. Andere Aktionen schließt Linnow aber nicht aus. „Wer mit Innovationen wie dem 800-Volt-Batteriesystem die Transformation der Automobilindustrie im Premiumsegment maßgeblich mitgestaltet, hat auch branchenübliche Löhne nach Tarifvertrag verdient,“ findet er.

 
 
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