Forstplan Löchgau Das „Löchgauer Meer“ soll renaturiert werden

Von Jonathan Lung
Im Wald nahe Freudental gab es früher einen See: das Löchgauer Meer. Foto: /Martin Kalb

Für das kommende Jahr plant der Revierförster eine große Renaturierung.

„Kennen Sie das Löchgauer Meer?“, wurden die Löchgauer Gemeinderäte in ihrer letzten Sitzung gefragt. Nach dem Blick in ratlose Gesichter erklärte Revierförster Tim Köstler, dass es in der Gemeinde vor Hunderten von Jahren einen großen See gab, der im 17. Jahrhundert zur Landgewinnung trockengelegt wurde. Auf damaligen Karten ist das Gewässer noch eingezeichnet. Heute zeugen Entwässerungsgräben von der damaligen Trockenlegung. Mit fünf Metern Breite und drei Metern Tiefe sind sie deutlich größer als man sie heute anlegt – „da könnte man einen Lkw drin verstecken“, so der Revierleiter.

Renaturierung wird zu 100 Prozent gefördert

Köstler will das ehemalige Gewässer nun wieder renaturieren. Dabei darf sich Löchgau auf eine Komplettfinanzierung des Landes freuen: Die Forstwirtschaftliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) würde 100 Prozent der Maßnahme fördern. Die entsprechenden Arbeiten sollen nächstes Jahr beginnen. Noch im Januar ist ein erster Vorort-Termin mit Experten.

Bäume sind geschädigt durch Trockenstress

Das neue Projekt für den Löchgauer Wald stellte der Förster im Rahmen des jährlichen Forstberichts vor. Und dieser zeigt einen Wald unter Klimastress: „Von Jahr zu Jahr kommt es zu anderen Negativrekorden“, so Köstler. Auf einen milden Herbst und Winter mit durchschnittlicher Wasserversorgung folgte eine warme, sonnige und extrem trockene Phase in den Monaten März und April, konstatiert der Bericht: Das Frühjahr 2025 war eines der trockensten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Auch Mai und insbesondere Juni waren mit vielen Hitzewellen außergewöhnlich warm.

Der Juli hingegen war mit häufigen Schauern überdurchschnittlich niederschlagsreich. Für den Waldboden als Wasserspeicher war die extreme Dürrephase im Frühjahr sehr nachteilig. Teilweise konnte das Defizit im Wasserspeicher durch die Niederschläge im Juli kompensiert werden, nichtsdestotrotz waren und sind im Vergleich zum Vorjahr Dürrezustände im Oberboden vorhanden, so die Analyse. Die Bäume hätten sich über Jahre an eine gewisse Feuchtigkeit gewöhnt und haben nun „nicht mehr die Kraft dem sinkenden Wasserpegel nachzuwachsen“, so Köstler. Auch Borkenkäfer und Pilzkrankheiten werden durch den Klimawandel befördert. Durch Trockenstress vorgeschädigte Bäume sind generell anfälliger für Insekten- oder Pilzbefall. Auch das Eschentriebsterben bleibt ein Thema. Die Bäume fallen mit grüner Krone um, so der Revierförster.

Der Holzmarkt schließlich ist gut. Es zeichnen sich stabile und gute Vermarktungsmöglichkeiten ab. Im kommenden Jahr rechnet Köstler mit 143.500 Euro Einnahmen durch den Löchgauer Wald, überwiegend durch Verkaufserlöse, denen 127.600 Euro Ausgaben gegenüberstehen, diese hauptsächlich für Holzfällung und Waldpflege. Jonathan Lung

 
 
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