Forstrevier Besigheim Ruhestand für sturmerprobten Förster

Von Susanne Yvette Walter
Revierleiter Bernd Renner und seine Nachfolgerin Judith Lauber. Foto: /Martin Kalb

Forstrevierleiter Bernd Renner verabschiedet sich nach 38 Jahren in den Ruhestand. Judith Lauber ist seine Nachfolgerin im Forstrevier Besigheim. 

Bernd Renner leitete 38 Jahre das Forstrevier Besigheim. Es umschließt die neun Kommunalwälder von Besigheim, Löchgau, Sersheim, Walheim, Mundelsheim, Gemmrigheim, Ingersheim, Hessigheim und Freudental mit rund 1150 Hektar Kommunalwald und 100 Hektar Kleinprivatwald. Jetzt verabschiedet sich der 63-jährige Förster in den Ruhestand und überlässt seiner Nachfolgerin, der 26 Jahre alten Judith Lauber aus Schorndorf, Wald und Flur zu Beginn des neuen Jahres.

Im Mittelpunkt der Waldpflege in der langen Revierzeit von Bernd Renner steht die Eiche: „Wir sind ein eichenreiches Forstamt und bewirtschaften sehr viele Eichen. Spannend ist es, die Eiche von einer Generation in die nächste zu führen und mit Naturverjüngung zu arbeiten. Wir versuchen, im Wald wenig zu pflanzen und viele Baumarten zu verjüngen“, erklärt der Förster, der vor vier Jahrzehnten sein Staatsexamen zum Forstingenieur gemacht und danach im Forstrevier Besigheim begonnen hat.

„Wiebke“ und „Lothar“

In seiner Amtszeit hat Renner nicht nur starke Stürme wie „Wiebke“ im Februar 1990 und Jahrhundertsturm Lothar am zweiten Weihnachtsfeiertag 1999 über sein Forstrevier fegen sehen mit allen Konsequenzen. Er ist bis heute am Puls bei jeder Entwicklung im Wald. Dazu gehören klimatische Veränderungen wie zunehmende Trockenheit und sinkende Grundwasserspiegel. „In der Region wird sich die Esche verabschieden. Bergahorn und Buche haben ebenfalls keine Zukunft, die Fichte nicht, die Lärche auch nicht. Deshalb steigen wir auf heimische Alternativbaumarten um, wie Feldahorn, Elsbeere und der Speierling, die vorher kaum eine Rolle gespielt haben. Wir bringen neue Nadelbaumarten wie die Douglasie ein, weil alle unsere heimischen Nadelbaumarten keine Zukunft haben. Douglasie pflanzen wir auf gute Böden. Wo es richtig trocken wird, versuchen wir sogar Zedern anzupflanzen“, erklärt Brenner und ergänzt: „Auch bei der Bestandspflege und Mischwuchsregulierung setzen wir auf trockenheitsresistente Baumarten.“

Das Revier Besigheim ist kein Extremfall, was Trockenheitsschäden im Wald angeht: „Wir sind hier mit guten, wasserhaltefähigen Böden verwöhnt. Die größte Herausforderung in meiner Amtszeit waren Stürme. Beim Jahrhundertsturm Lothar hatten wir in ein paar Stunden 40 000 Festmeter Fichte und Co. auf dem Boden liegen. Das ist die Menge, die wir sonst in neun Jahren einschlagen. Ich hatte keine Orientierung mehr. Mein Wald war weg. Es wurden Blicke frei, die ich nie zuvor so gesehen hatte. In Ottmarsheim waren die größten Schäden“, erinnert er sich genau. Danach galt es über eineinhalb Jahre das Holz aufzuarbeiten, zu vermarkten und aufzuforsten. Renner: „Sturm Wiebke war 1990 ein Schock, im Nachhinein aber harmlos. Mit Lothar kam der Vollernter in den Wald und ein Handy haben wir seitdem auch.“ In seiner Amtszeit hatte Renner zehn verschiedene Chefs gehabt, mit 23 Bürgermeistern zusammen gearbeitet und 200 000 Festmeter Holz gemacht.

Verantwortung im Revier

Judith Lauber, seine Nachfolgerin, hat eine ähnliche Ausbildung durchlaufen wie er und ist nun als Bachelor of Science im Wald aktiv. Sie schlägt eine Laufbahn im gehobenen Forstdienst ein. Als ehemalige Forstamtsmitarbeiterin im Innendienst übernimmt Judith Lauber nun zum ersten Mal eine leitende Position in einem Revier. „Dieses Revier ist kleinteilig, super gepflegt und gut aufgestellt. Das muss man auf diesem Niveau erst einmal halten. Damit bin ich gut beschäftigt. Die 20 Hektar Neuaufforstungen, die Naturverjüngungsflächen muss man ja alle betreuen, pflegen und ausmähen. Da folgen jetzt viele Schritte, wo man weiter am Ball bleiben muss. Außerdem werde ich auch Holz bereit stellen für Versteigerungen, damit die lokale Bevölkerung Brennholz bekommt“, kündigt sie an.

Zunächst ist Judith Lauber mit dem Kennenlernen des Reviers beschäftigt und will dann ihren Blick für weiterführende Ideen öffnen.  

 
 
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