Forstwirtschaft Erntezeit im Sachsenheimer Wald

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Die Arbeit eines Erntetages wirdgewogen. Links Revierförster Burkhard Böer.⇥ Foto: Martin Hein

In diesen Tagen ist auch im Sachsenheimer Wald Erntezeit. Samenernter sammeln derzeit begehrtes Saatgut von Stieleichen. Die Ernte ist nur in ausgewiesenen Waldbeständen zulässig.

Dem ahnungslosen Spaziergänger bietet sich ein zunächst eher verwunderliches Bild im Wald zwischen Großsachsenheim und Hohenhaslach. Auf den ersten Blick sieht es aus, als würden dort unter stattlichen Eichen etliche Leute, wie früher üblich, Eicheln als Schweinefutter sammeln. Aber – weit gefehlt. Mitten im Wald sind professionelle Samenernter am Werk.

Ein siebenköpfiges Ernteteam der in Nagold ansässigen Firma Plusbaum sammelt kniend und gebückt bereits den ganzen Tag Eicheln der Stieleiche. Sinn und Zweck einer solchen Saatguternte ist die Erhaltung des Erbgutes der einheimischen Baumarten. Nach Auskunft von Plusbaum-Geschäftsführer und Inhaber Karl-Heinz Moser, ist sein Unternehmen eine der wenigen Saatgutfirmen in Deutschland, die sich auf Forstpflanzen spezialisiert haben. Die Nachfrage nach Eichensamen sei derzeit sehr groß, dies hänge auch damit zusammen, dass Eichen mit dem Klimawandel hierzulande besser zurechtkommen.

Seine Erntehelfer waren in den letzten Wochen in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Bayern und zuletzt bei Freiburg aktiv. Die Firma agiert weltweit, unter anderem auch in Russland und den Vereinigten Staaten. Ein erfahrener Erntehelfer könne, berichtet Moser, pro Tag bis zu 90 Kilogramm Eichensamen ernten. Genau betrachtet, gehören die Samen der Eiche zu den Nussfrüchten und sind zudem bei Wildschweinen als Leibspeise und Kraftfutter äußerst begehrt. Die Eicheln sind recht empfindlich, werden nach der Ernte gekühlt und sind, so Moser, spätestens in fünf Tagen zum Keimen im Boden ausgesät.

Etwa 70 Prozent keimen

Nicht aus jeder Frucht wird später eine stattliche Eiche. Erfahrungsgemäß keimen etwa 70 Prozent der aufgelesenen Eicheln. So ganz zufrieden ist Karl-Heinz Moser an diesem Tag mit der Menge an geerntetem Saatgut nicht. Für eine richtig gute Ernte fehle Frost und etwas Wind. Viele Eicheln hängen noch an den Stieleichen. Deshalb wird er in den nächsten Tagen mit seiner Mannschaft nochmals anrücken.

Die Samenernte ist eine hoch offizielle Angelegenheit. Dies belegt die Anwesenheit von Revierförster Burkhard Böer. Da auch große Teile des Sachsenheimer Stadtwaldes zu seinem Revier gehören, fällt die Samenernte in seinen Zuständigkeitsbereich. Das Gebiet, in dem geerntet werden darf, ist genau definiert.

Ernte muss genehmigt werden.

Die Saatguternte muss entsprechend genehmigt werden. 2020 ist eine große Besonderheit, weil es ein Vollmastjahr an Trauben- und Stieleichen gebe. Eichen-Vollmastjahre gibt es nach Auskunft von Burkhard Böer nur etwa alle sieben Jahre, dann tragen die Eichen besonders viele Eicheln, dazwischen keine bis wenige.

Revierförster Böer weist darauf hin, dass die Zulassung von Waldbeständen, die zur Beerntung vorgesehen werden sollen, ein sehr aufwendiger Vorgang sei. Aus gutem Grund wolle man vermeiden, dass sich völlig ungeeignetes und nicht angepasstes Saatgut oder Pflanzgut verbreitet. Zunächst rätselhafte Absterbe-Erscheinungen an einem rund 100 Jahre alten Eichenbestand im Großsachsenheimer Roden (zwischen Schützenhaus und Bahnlinie) konnten letztendlich darauf zurückgeführt werden, dass dort seinerzeit für den hiesigen Wald ungeeignete Eichen angepflanzt wurden.

457 Kilo im Sack

Die geernteten Stieleichen-Samen werden an der Sammelstelle im Sachsenheimer Wald fein säuberlich gewogen. Respektable 456 Kilogramm wurden geerntet. Anschließend wird noch in einem Ernteprotokoll die geerntete Menge festgehalten und eine sogenannte Rückstellprobe entnommen und von Burkhard Böer verplombt. Diese Rückstellprobe, die Eicheln aus jedem Sammelsack enthält, wird später eingefroren und eingelagert.

Anhand dieser Rückstellprobe ist auch Jahre später noch nachvollziehbar, aus welchem Wald die Eicheln stammen. So könnten beispielsweise bei einer späteren Aussaat gezielt Eichen aus dem Sachsenheimer Wald wieder hier gesetzt werden. Karl-Heinz Moser war mit seinen Samenernter-Team nach Auskunft von Burkhard Böer in den vergangenen Jahren schon etliche Male hier zur Saatguternte.

Info Ein Kilogramm Saatgut enthält je nach Größe rund 150 bis 250 Eicheln der Stieleiche. Die Grundlage robuster Jungpflanzen ist genetisch hochwertiges Saatgut. Damit die Qualität der späteren Bäume stimmt, ist die Auswahl von herkunftsgeprüften Samen wichtig. Die Ernte ist nur in ausgewiesenen Erntebeständen zulässig.

 
 
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