Frauen- und Mädchenfußball „Das war die richtige Entscheidung“

Von Simon David
Die B-Juniorinnen der Sportvereinigung Bissingen waren in der vergangenen Saison im Bezirk Stuttgart sehr erfolgreich. Foto: /Spvgg Bissingen

Ein Jahr nach dem Wechsel der Fußball-Juniorinnen vom FSV 08 Bietigheim-Bissingen zur Sportvereinigung ziehen alle Verantwortlichen ein positives Fazit.

Ein Jahr ist es nun her, dass die komplette Abteilung der Fußball-Juniorinnen vom FSV 08 Bietigheim-Bissingen zur Sportvereinigung Bissingen wechselte (die BZ berichtete). „Der Umzug zur Sportvereinigung war durchweg positiv. Sowohl was die Trainingsbedingungen als auch die Absprachen zwischen den Abteilungen angeht, war es die richtige Entscheidung“, sagt Tobias Rongisch, der die B-Juniorinnen der Sportvereinigung trainiert.

B-Juniorinnen wechselten in den Bezirk Stuttgart

Die Bissinger wechselten sogar den Bezirk und spielten mit den Teams aus Stuttgart, weil sie dort mit einem Team aus elf Spielerinnen antreten konnten. Im Bezirk Enz/Murr gab es nur Neuner-Mannschaften. „Uns ging es darum, die Spielerinnen so gut wie möglich an den Frauen-Bereich heranzuführen. Bei den Juniorinnen gibt es ja keine A-Jugend“, so der Trainer. Der Sprung aus der Jugend zu den Aktiven ist somit ohnehin größer als im Herren- und Junioren-Bereich. Dann auch noch den Sprung von einem Neuner- zu einem Elfer-Team zu schaffen, wäre eine noch größere Hürde gewesen.

Die Juniorinnen spielten in der Vorrunde eine sehr gute Qualifikations-Runde, die sie als Zweiter hinter dem VfB Stuttgart II abschlossen. „Leider haben uns im Winter dann zwei Leistungsträgerinnen verlassen. In der Rückrunde waren immer wieder einzelne Spielerinnen aus schulischen Gründen oder weil sie den Führerschein machten, verhindert“, bedauert Rongisch. So sei nicht mehr alles „rund gelaufen“. Dennoch begegneten die Bissingerinnen den meisten Gegnern auf Augenhöhe. Von den neun Spielen der Rückrunde wurden drei gewonnen, zudem gab es ein Unentschieden. Am Ende bedeutete das Platz sieben. Auch in der kommenden Saison werden wir wieder eine Elfer-Mannschaft stellen. Die Staffel-Einteilung ist aber noch nicht veröffentlicht, sodass wir noch nicht genau wissen, welche Gegner auf uns zukommen. Ziel ist für mich jedoch trotzdem, oben mitzuspielen.“

Heißt für Tobias Rongisch: Platz eins bis vier. Seiner Mannschaft traut er das allemal zu. In der vergangenen Spielzeit waren die Spielerinnen sowohl im Training als auch in den Punktspielen stets sehr motiviert. Der Kern der Mannschaft bleibt zusammen. Jedoch werden mehrere Spielerinnen auch für die neu entstehenden Frauenmannschaft auflaufen. Die Sportvereinigung will zur Saison 2026/27 nämlich eine eigene Mannschaft melden. Als Übergang waren die Bissingerinnen in der abgelaufenen Spielzeit Teil einer Spielgemeinschaft mit dem FV Roßwag und dem TSV Großglattbach. Mit dieser wurde man Siebter der Bezirksliga Enz/Murr. Organisatorisch war das jedoch nicht immer einfach, immerhin gehört Roßwag zu Vaihingen an der Enz, Großglattbach gar zu Mühlacker.

Spielgemeinschaft der Frauen war nur ein Übergang

„Die große Distanz hat es schwierig gemacht“, so Michael Fazekas, der die neue Frauen-Mannschaft der Bissinger trainieren wird. Er ist schon lange in der Abteilung aktiv und kennt manche seiner Spielerinnen seit der D-Jugend. „Viele Spielerinnen kommen aus der B-Jugend, aber wir haben auch sonst großen Zulauf. Die bisherigen Juniorinnen müssen sich jetzt gegen 25- oder 30-jährige Fußballerinnen behaupten. Wir wollen uns im Frauenbereich etablieren und eine Perspektive für die Mädchen schaffen“, sagt er.

Dennoch formuliert er gleichzeitig als Ziel, Spaß am Spiel zu haben. „Wir wollen gewinnen, aber es geht auch darum, mit Niederlagen umzugehen.“ Das war auch einer der Gründe für den Wechsel vom Bruchwald an den Jahnsportplatz. „Bei der Sportvereinigung geht es auch darum, den Breitensport zu stärken.“

Neben dem sportlichen Erfolg gehe es auch um die Persönlichkeitsentwicklung und die sportliche Weiterentwicklung der Spielerinnen, so Fazekas. Dabei gibt es, wie die Abteilungsleiterin der Juniorinnen, Sigrid Kühnle, betont, einzelne Spielerinnen, die erst in der D- oder sogar C-Jugend mit dem Fußball beginnen. Die Regel sei das aber nicht. Kühnle sieht in der Zugehörigkeit der weiblichen Jugend zur Sportvereinigung eine Win-win-Situation für beide Seiten.

Kühnle: „Zusammenarbeit auf Augenhöhe“

„Die Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen funktioniert sehr gut und auf Augenhöhe. Und die Sportvereinigung hat nun alles abgedeckt im Fußball. Männlich und weiblich von den ganz Kleinen bis zu den Aktiven“, so die Abteilungsleiterin. Ganz ohne Ehrgeiz und Zielsetzungen gehe es im Sport nicht. Die Freude und die Weiterentwicklung der Spielerinnen stehe aber klar im Vordergrund. „Wir haben bei den Frauen nicht den Anspruch, dass sie gleich höher spielen müssen“, betont sie. Der Spaß am Fußball und der Zusammenhalt untereinander ist den Verantwortlichen sehr wichtig.

Wie groß das Engagement auch unter den Nachwuchsspielerinnen ist, zeigt sich daran, dass mehrere C-Juniorinnen beim Training der jüngeren Jahrgänge unterstützend helfen und Turniere nahezu in Eigenverantwortung mit organisieren. „Diese Unterstützung brauchen wir auch, denn gerade in der D- und E-Jugend haben wir viele Teams“, betont Kühnle. Nicht alle jungen Spielerinnen bleiben dem Fußball erhalten, doch die Bissinger machen sich keine Sorgen um die Zukunft. „Wir freuen uns aber immer sehr über neue, zusätzliche Spielerinnen in allen Altersklassen. Und auch Trainerinnen und Trainer sowie Betreuerinnen sind immer herzlich willkommen“, so die Abteilungsleiterin.

 
 
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