Frauen- und Mädchenfußball Hoffen auf Schub durch die Frauen-EM

Von Simon David
Beim Tag des Mädchenfußballs in Oßweil 2024 nahmen viele interessierte Nachwuchstalente teil. Von der Fußball-Europameisterschaft der Frauen erhofft man sich im Bezirk weiteren Zulauf im Mädchenfußball. Foto: Fußballbezirk Enz/Murr

Im Bezirk Enz/Murr sind deutlich weniger Frauen- und Mädchenmannschaften gemeldet als noch vor 15 Jahren. Im Frauenbereich wurden bezirksweit für die neue Saison nur 20 Teams gemeldet.

Aktuell findet in der Schweiz die Fußball-Europameisterschaft der Frauen statt. Die deutsche Nationalmannschaft hat sich dabei bereits vorzeitig für das Viertelfinale qualifiziert. In früheren Jahren lösten Erfolge der deutschen Elf einen Hype aus, in dessen Folge viele junge Mädchen mit dem Fußball begannen.

Auch aktuell hofft man in Bezirk und Region auf einen neuen Zulauf – denn die Zahl der aktiven Spielerinnen und der gemeldeten Teams ist beileibe nicht mehr so groß wie früher.

Auf Bezirksebene gibt es im Vergleich zur letzten Saison einen leichten Rückgang an Mannschaften. Waren 2024/25 noch 22 Teams gemeldet, werden es 2025/26 nur noch 20 sein.  Der TSV Ottmarsheim und der TSV Münchingen II gehen in der Landesliga an den Start. Der Rest geht in der Regionenliga 2 und der Bezirksliga auf Punktejagd. „Früher war die Zahl der Frauenmannschaften deutlich höher. Da gab es sogar eine Kreisliga A unter der Bezirksliga. In den letzten 15 Jahren hat die Zahl der Mannschaften deutlich abgenommen“, berichtet Bezirksvorsitzender Ingo Ernst.

Zahl der Meldungen zuletzt stabil

In den letzten fünf Jahren sei die Zahl der gemeldeten Frauenteams im Bezirk jedoch relativ konstant. Nach der letzten Saison meldeten unter anderem die Biegelkicker Erdmannhausen ihre erste Mannschaft ab.

In Sachen Mädchenfußball sieht Ernst etwas positiver in die Zukunft: „In der letzten Saison waren 61 Teams gemeldet. Für die neue Saison ist die Meldefrist noch nicht abgelaufen. Die große Zahl an Nachwuchsteams macht aber Hoffnung für den Frauenbereich“, betont Ernst. Ein Mittel, junge Mädchen für den Fußball zu begeistern und an den Sport heran zu führen, ist der „Tag des Mädchenfußballs“, der ein- bis zweimal pro Saison von verschiedenen Vereinen in Zusammenarbeit mit der Bezirksjugendleitung und zum Teil auch in Kooperation mit Schulen durchgeführt wird. Beim Fußballbezirk Enz/Murr hofft man auf einen Schub durch die EM. „Ob dieser Effekt kommt, hängt sicherlich auch mit dem Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft zusammen“, sagt Ernst.

Auf Vereinsebene ist die Situation ganz unterschiedlich, sei es, was die Frauenteams angeht, aber auch den Mädchenfußball. Beim TSV Ottmarsheim hat man sogar zwei Frauenteams. Die erste mannschaft schaffte als Neuling frühzeitig den Klassenerhalt in der Landesliga, worauf man beim TSV zurecht stolz ist. Die zweite Mannschaft spielt in der Bezirksliga. Insgesamt etwas mehr als 40 Spielerinnen sind für den Verein aktiv. Allerdings fehlt dem TSV der Unterbau einer eigenen Jugend.

Ottmarsheim fehlt der Unterbau

Bisherige Versuche, eine Nachwuchsabteilung ins Leben zu rufen, kamen über Trainingsangebote nicht hinaus. „Wir haben mehrmals Angebote gemacht, zu denen auch jeweils eine größere Zahl an Mädchen kamen. Allerdings im Alter zwischen acht und 13“, berichtet Ingo Sommer. Für die Bildung mehrerer kompletter Mannschaften von der B- bis zur F-Jugend reichte es bislang nicht. Die Ottmarsheimer hoffen gerade im Nachwuchsbereich auf das Zustandekommen einer Zusammenarbeit mit anderen Vereinen aus der Region wie der Spvgg Besigheim. Ob und wie schnell dies gelingen kann, muss sich zeigen.

Beim FSV 08 Bietigheim-Bissingen, der mit seiner Frauenmannschaft zuletzt in der Regionenliga spielte, war dagegen bereits mit mehreren Nachwuchsteams gut aufgestellt. Von der B- bis zur E-Jugend gab es jeweils eine Mannschaft, in der F-Jugend mehrere. Künftig werden diese Teams für die Sportvereinigung Bissingen antreten. „Es kommen immer wieder neue Spielerinnen zum Schnuppern“, freut sich Sigrid Kühnle, die bislang die Juniorinnen der Nullachter leitete und künftig bei der Sportvereinigung aktiv sein wird. Um die 100 Mädchen trainieren seit Jahren in Bissingen.

Jugend spielt in Bezirk Stuttgart

Neuland wird die B-Jugend – ab der Saison 2025/26 wird man im Bezirk Stuttgart am Spielbetrieb teilnehmen, da hier mit Teams mit elf statt neun Akteuren gespielt wird. „Unser Ziel ist es, die Spielerinnen weiterzuentwickeln und an den Frauenbereich heranzuführen“, sagt Kühnle. Dies sei im Frauenbereich schwieriger als bei den Männern, da es im Mädchenfußball keine A-Jugend gebe. Hier wechseln die Spielerinnen direkt nach der B-Jugend in den Frauenbereich.

Beim VfB Tamm ging man in der vergangenen Saison erstmals mit einem Frauenteam an den Start. In der Bezirksliga wurden die Tammerinnen zwar abgeschlagen Letzte, doch sieht Trainer Andreas Volpp deutliche Fortschritte: „In der Vorrunde haben wir zum Teil 14:0 oder 16:0 verloren. In der Rückrunde haben wir gegen dieselben Gegner nur noch 1:3 oder 2:3 verloren. Unser Ziel ist es, uns zu steigern und in dieser Saison einen Mittelfeldplatz zu belegen“, sagt Volpp. Das B-Juniorinnenteam des VfB, das in der vergangenen Saison in der Kreisstaffel gemeldet war, wurde dagegen aufgelöst. Zu wenige Spielerinnen stehen noch zur Verfügung. Allerdings werden fünf der bisherigen Jugendspielerinnen künftig zum Frauenteam gehören. „Es geht darum, die Mädels stark zu machen. Im Frauenbereich sind wir zuversichtlich“, so Andreas Volpp. Die Hoffnung darauf, dass es künftig doch erneut Nachwuchsteams geben wird, hat man in Tamm keineswegs aufgegeben.

 
 
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