Frauenabend mit Doris Zachmann in Bönnigheim „Gönn‘ dir von Zeit zu Zeit dich selbst“

Von Heike Rommel
Doro Zachmann verbreitete mit ihren mit Musik untermalten Geschichten in Bönnigheim viel Optimismus. ⇥ Foto: Werner Kuhnle

Humor im dunklen Herbst hat Schriftstellerin Doro Zachmann beim poetischen Frauenabend in der Cyriakuskirche verbreitet.

Sie konnten die Autorin Doro Zachmann in der ganzen Coronazeit nicht zum Frauenfühstück begrüßen und mussten einen Organisationsmarathon durchlaufen, bis das poetische Frühstück am Buß- und Bettag zum Frauenabend wurde: So kam Zachmanns Poesie-Potpourrie mit dem Titel „Jahreszeiten der Seele“ in die Bönnigheimer Cyriakuskirche.

„Endlich hat es geklappt“, freute sich die Vorsitzende des evangelischen Kirchengemeinderats, Monika Binder, über die gebürtige Aalenerin aus Pfinztal bei Karsruhe, die von Heike Tabler am Klavier und Stephanie Unz am Saxophon schwungvoll durch ihren Vortrag begleitet wurde. Mit kleinen Comedys, Dialogen, Texten, Wortspielereien und Fotografien erhellte die Referentin das Gemüt ihrer Zuhörerinnen in der dunklen Jahreszeit. Ihren Büchertisch durfte sie nicht aufbauen, weil sich davor zu viele Leute getummelt hätten.

Geschichte über den Sohn

„Ähnlich wie die Natur ändert sich auch das Leben“, erzählte Doro Zachmann, mittlerweile dreifache Oma, wie sie zum Schreiben kam. Eigentlich hätte sie als Sozialpädagogin arbeiten wollen, sich aber dann ganz bewusst dazu entschlossen, wegen der Kinder zu Hause zu bleiben. Die Türen zur Schreiberei habe ihr der heute 29-jährige Sohn Jonas geöffnet, der das Down-Syndrom hat. Zachmanns Geschichte „Bin Knüller“ über ihren Sohn hat viele Leser bewegt. Sein einfaches Verständnis von Leben und Tod zitierte die Schriftstellerin auch in der Cyriakuskirche.

Doro Zachmann begann mit einem Märchen von einem Vater, der vier Söhne auf die Reise schickte. Jeden zu einer anderen Jahreszeit. Die Lehre aus den Einzelberichten sollte das Gemüt der Zuhörerinnen stärken: „Wenn ihr im schweren Lebenswinter aufgebt, werdet ihr nicht die Leichtigkeit des Frühlings erfahren.“

„Gönn‘ dir von Zeit zu Zeit dich selbst“, warf Zachmann beispielsweise ein Bild von einer Hängematte als Symbol für die leichte Sommerseele auf die Leinwand und parodierte drei Personen, bei denen sich der Sommer auf lustige Weise mit dem Herbst unterhält.

Mit Musik untermalte Herbstbilder führten in die „Zeit des Festhaltenwollens und Loslassenmüssens“. Hier gab Doro Zachmann als Poetin Tipps, wie ihre Zuhörerinnen auch im Herbst ihre Sorgen einfach mal einen Tag vergessen und in eine Kiste legen können. Die „wütende Wehklage wegen wahsinnigem Warten“ im Winter zeichnete sie mit der Geschichte einer Frau nach, die große Schuld auf sich geladen hat und von einem Mann bei einem romatischen Wiedertreffen eine zweite Chance bekommt.

Schritte in den Schnee machte Zachmann bei einem poetischen Hundespeziergang, wie sie zu ihr passen. Mit einer Wollmütze auf dem Kopf nahm sie auf der winterlichen „Seelenbank“ Platz und schauspielerte mit einer gehörigen Portion Mimik und Gestik eine humorvolle Parodie, bei der sie ihr Talent für verschiedene Dialekte einsetzte.

Neuanfang im Frühling

Gänseblümchen symbolisierten die Frühlingszeit des „Neuanfangs und Duchstartens“, wie es Doro Zachmann getan hat, als sie vor neun Jahren mit vier Freundinnen ein Ladencafé namens „Sellawie“ gründete. Daraus entstand das Gedicht „Glaub‘ an deinen Traum“, in welchem die Dichterin Mut macht: „Schwinge dich zum Mond empor. Selbst wenn du ihn verpasst, landest du bei den Sternen.“ Die Botschaft, welche Doro Zachmann den Bönnigheimer Frühstücksfrauen mit auf den gerade so dunklen Heimweg von der Cyriakuskirche gab: „Gehe gut mit die selber um.“

 
 
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