Frauenfußball Sigi, die Mädchenfußball-Ikone

Von Walter Christ
Sigrid Kühnle (Mitte, schwarz) im Kreis ihrer Schützlinge. Hier fühlt sie sich wohl. Sie ist eine regelrechte Legende im Bezirk, mit ihrem Einsatz hat sie den Mädchenfußball in der Region vorangetrieben. Auch mit 65 Jahren macht sie damit unermüdlich weiter. Foto: bz

Der DFB-Ehrenpreis geht in diesem Jahr an die Bissinger Nullachterin Sigrid Kühnle für ihr beeindruckendes Engagement.

Der Deutsche Fußball-Bund DFB hat mehr als 7,4 Millionen Mitglieder – und eines davon, Sigrid Kühnle vom FSV 08 Bietigheim-Bissingen, wird am 12. Januar kommenden Jahres im Vereinsheim des VfB Tamm im Blickpunkt stehen und für sein herausragendes ehrenamtliches Engagement mit dem DFB-Ehrenamtspreis 2023 ausgezeichnet werden.

Das weibliche Aushängeschild der Nullachter ist im ganzen Bezirk Enz-Murr und darüber hinaus bekannt, geachtet und als bodenständige, nimmermüde Powerfrau bewundert. Natürlich auch beim 800-Mitglieder-Oberliga-Klub am Bissinger Bruchwald, bei dem sie seit mehr als 40 Jahren, wenn man es so salopp titulieren darf, das klassische „Mädchen für alles“ war, und auch mit 65 Jahren nach wie vor ist.

Es würde sämtliche Dimensionen sprengen, wollte man auch nur annähernd auflisten, was die Frau mit dem Markenzeichen Clogs alles nicht nur für ihren Verein, sondern auch für den Fußballsport und nicht zuletzt für die Gesellschaft schlechthin geleistet hat. Dazu nur ein Beispiel: Die gebürtige Bietigheimerin hat im Schulterschluss mit anderen Nullachtern für Flüchtlinge wahrscheinlich mehr getan als so mancher Politiker.

Viele Funktionen beim FSV

„Sigi“ war am Bruchwald unter anderem als Geschäftsführerin, tatkräftige Wirtschaftsausschussvorsitzende Motor und „Macherin“ von unzähligen Sportwerbewochen, Holzklobenfesten und beispielsweise Bissinger Weindorffesten sowie Klubhaus-Renovierungen aktiv. Und ist vieles davon immer noch.

Die Schafferin mit stets offenen Ohren für jedermann kümmert sich damals wie heute um Jugendteams ebenso wie um die Schriftführung im Nullacht-Förderverein oder etwa als gelernte Arzthelferin um so manche von Blessuren geplagte oder gar vom Ersticken bedrohte Balltreter.

Bei all den unzähligen Diensten ist es freilich seit über zwei Jahrzehnten hinweg primär der Mädchen- und Frauenfußball, um den sie sich als Leitfigur verdient gemacht hat und auch weiterhin macht. Sie gehörte zusammen mit Dr. Sabine Dettling und anderen maßgeblich zu den Pionieren, die 2006 das zarte Pflänzlein Juniorinnen-Fußball setzten und inzwischen zu einem doch recht stattlich gewachsenen Baum am Bruchwald pflegten und hegten.

Die Rede ist dabei nicht nur davon, dass sie als Ressortleiterin Juniorinnen Verantwortung trägt, resolut und geradlinig für ihre Mädchen kämpft und rackert. Sie ließ für hunderte Kinder die Partnerschaftsbegegnungen mit dem französischen FC in Sucy-en-Brie zum Erlebnis werden, veranstaltete viele Turniere zusammen mit ihrem einst auch als Bezirksjugendauswahl-Trainer stark engagierten Mann Werner Kühnle und förderte die Kooperation mit mit Nachbarklubs, Schulen und Kitas.

Bemerkenswert ist insbesondere auch ihre konsequente Philosophie bezüglich des fürsorglichen Umgangs mit ihren Schützlingen und der prinzipiellen Zielsetzungen. Das heißt, bei ihr als Trainerin hat Spaß am Fußball Vorrang vor egomanen Gelüsten nach temporärer Hochklassigkeit beziehungsweise nach Siegen um jeden Preis und daraus resultierenden Verlierern, die nicht mithalten können oder erst gar nicht in den Klub aufgenommen werden.

Und so erfreuen sich die inzwischen rund hundert 08-Girls eben nicht nur witziger Trainingskomponenten, der Abkühlung im nahen Saubach, in der Eishalle oder jeder Menge facettenreicher Ausflüge, Feiern und anderer Events, sondern auch des Erlernens fairen Sozialverhaltens.

 
 
- Anzeige -