Frauenhandball: Bietigheimer Triumph im Derby SG-Orkan fegt über Neckarsulm hinweg

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So sehen Derbysieger aus: Nele Reimer, Julia Maidhof und Amelie Berger (von links) bejubeln den Bietigheimer 36:24-Heimtriumph über die Neckarsulmer Sport-Union. ⇥ Foto: Marco Wolf

Der Favorit aus Bietigheim zeigt der Sport-Union die Grenzen auf und triumphiert mit 36:24. Die 16-jährige Gianina Bianco erzielt das erste Bundesliga-Tor ihrer Karriere.

Der 20. Februar 2021 wird Gianina Bianco sicher ewig im Gedächtnis bleiben. Denn an diesem Tag feierte die 16-Jährige gegen die Neckarsulmer Sport-Union nicht nur ihr Bundesliga-Debüt im Trikot der SG BBM Bietigheim, sondern erzielte auch prompt ihr erstes Tor in der Eliteklasse: Zum 36:24-Derbyerfolg steuerte sie mit ihrem ersten Wurf das 35:21 bei. Ein Treffer, den ihre Teamkolleginnen mit lautem Jubel und fleißigem Abklatschen quittierten. „Alle haben sich für mich gefreut“, sagte Bianco und strahlte. „Es ist ein mega Gefühl und eine große Ehre, mit so vielen tollen und großen Handballerinnen zusammenzuspielen.“

Die aus dem Nachwuchs des TV Vaihingen stammende B-Jugendliche hatte unter der Woche mit den Profis trainiert und war in den Kader gerutscht, weil die dänische Rechtsaußen Trine Østergaard wegen eines Trauerfalls derzeit fehlt. In den Spielen zuvor hatten mit Magdalena Probst und Matilda Ehlert schon zwei andere SG-Talente Erstliga-Luft schnuppern dürfen. „Ich habe die Spielerinnen aus der Jugend ja nicht nur zum Rumstehen. Sie werden für das Training belohnt und haben ein Ziel vor Augen, wenn wir ihnen die Chance geben, bei uns mitzuarbeiten“, sagte Trainer Markus Gaugisch.

In der Endphase schickte er seine komplette junge Garde mit Bianco, Leonie Patorra, Nele Reimer, Amelie Berger und Julia Maidhof sowie Ersatztorhüterin Valentyna Salamakha auf die Platte – ein klares Indiz, dass von den Neckarsulmerinnen am Samstagabend in der Viadukthalle keinerlei Gefahr drohte.

Von einem „Derby auf Augenhöhe“, wie die Spielgemeinschaft im Vorfeld angekündigt hatte, war nur in der ersten Hälfte etwas zu sehen. Da hielt der Tabellenfünfte aus dem Kreis Heilbronn noch mit und lag bis zum 9:10 (20.) sogar viermal mit jeweils einem Treffer vorne. Auch beim Halbzeitstand von 16:13 sah es nach einem Ergebnis aus, mit dem die Sport-Union ihr Gesicht wahren könnte – erst recht, nachdem Jill Kooij kurz nach Wiederanpfiff auf 14:16 verkürzt hatte.

Doch dann fegte ein SG-Orkan unaufhaltsam über Neckarsulm hinweg. Bietigheim spielte mit viel Tempo und wie aus einem Guss, und anders als noch im ersten Durchgang klappte es jetzt auch mit der Chancenverwertung. Die Unterländerinnen, denen offensichtlich noch das hart umkämpfte Verfolgerduell am Mittwoch bei der HSG Blomberg-Lippe (29:30) in den Knochen steckte, schauten meist nur hinterher. Sie stellten die Gegenwehr weitgehend ein und liefen bei den vielen Tempogegenstößen der SG irgendwann auch gar nicht mehr zurück. Entsprechend sauer war Gästetrainerin Tatjana Logwin auf ihr Team – sie sprach gar von „Arbeitsverweigerung“.

Ihre zwei Auszeiten kurz nacheinander verpufften ebenso wie ein neuerlicher Torwartwechsel und die Umstellung auf eine 5:1-Deckung. „Für Neckarsulm ist es etwas anderes, im Dreitagesrhythmus zu spielen, wir sind es dagegen gewohnt und haben auch die tiefere Bank. Darum sind wir körperlich auch in der Lage, über so einen Gegner hinwegzurennen“, sagte Gaugisch, der seinen breiten Kader als Trumpf ausspielte und die Einsatzzeit mit Blick auf die Duelle am Freitag und Sonntag gegen Ketsch und Halle-Neustadt gut dosierte.

Torfrau und Kapitänin glänzen

Aus dem starken Kollektiv des Champions-League-Teilnehmers ragten zwei Akteurinnen heraus: Kapitänin Kim Naidzinavicius war einmal mehr glänzend aufgelegt und mit acht Treffern die Topwerferin des Abends. Und Torfrau Emily Sando, die seit der EM immer mal wieder in der Kritik stand, zeigte ihre bisher stärkste Leistung im Bietigheimer Dress und wartete bis zu ihrer Auswechslung mit 16 Paraden sowie einer Fangquote von 46 Prozent auf. Der einzige Schwachpunkt war die linke Angriffsseite der SG. Dort patzten Antje Lauenroth und Kim Braun ungewöhnlich oft im Abschluss, was aber angesichts der Dominanz ihrer Mannschaft nicht weiter ins Gewicht fiel.

Stimmen zum Spiel

Markus Gaugisch, Coach der SG BBM Bietigheim: Die Power war über 60 Minuten gut. Wir haben sehr viel Tempo gemacht und uns schon in der ersten Halbzeit viele Chancen herausgespielt. Das Neckarsulmer Torwart- Duo war da aber im Eins-gegen-eins oft noch der Sieger. In der zweiten Halbzeit hatten wir dann nur noch vier Fehlwürfe. Es ist gut, dass die Spielerinnen nicht verzweifeln, sondern konzentriert bleiben. Hinten heraus haben wir das Spiel souverän gestaltet. Wenn wir von außen eine ordentliche Quote gehabt hätten, wäre der Sieg noch deutlicher ausgefallen.

Tatjana Logwin, Trainerin der Neckarsulmer SU: Ich habe ein engeres Duell erwartet. Die erste Halbzeit war mit 13:16 noch auszuhalten. Die zweite Hälfte war dann Arbeitsverweigerung. Da hätten wir schon noch etwas mehr zeigen können. Wir sind nicht mehr zurückgelaufen, jeder Fehler wurde mit einem Tempogegenstoß bestraft. Sicherlich haben bei uns auch die Kräfte nachgelassen. Wir haben eben auch nicht wie Bietigheim die Möglichkeit, mit zwei Aufstellungen zu spielen. Meine Mannschaft muss lernen, in einer Woche auch mal zwei schwere Spiele durchzustehen.

 
 
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