Frauenhandball, EHF-Pokal Remis mit lachendem und weinendem Auge

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Kim Naidzinavicius und Karolina Kudlacz-Gloc packen gegen Michaela Elsberg Moller zu, am Ende reichte es für die SG BBM Bietigheim aber nicht ganz zum erhofften Heimsieg.⇥ Foto: Marco Wolf

Die SG BBM Bietigheim knöpft dem bislang verlustpunktfreien Herning-Ikast Handbold mit 26:26 einen Punkt ab, verpasst jedoch die Gelegenheit zu gewinnen.

Nach einem Sieg und einer Niederlage hat die SG BBM Bietigheim ihre Bilanz in der EHF-Cup-Gruppenphase mit einen 26:26-Unentschieden gegen den dänischen Pokalsieger Herning-Ikast Handbold vervollständigt. Es war der erste Punktverlust der Däninnen in dieser Runde des internationalen Wettbewerbs. Doch hundertprozentig glücklich darf man auf Bietigheimer Seite damit nicht sein, denn auch ein Sieg wäre möglich gewesen – nach einem vergebenen Siebenmeter 20 Sekunden vor dem Ende allerdings auch noch eine Niederlage.

Es war ein unglaublicher Thriller in der Schlussphase in der nur zu gut einem Viertel besetzten Ludwigsburger MHP-Arena. Zu Beginn der Schlussminute hatte Emma Friis von linksaußen das 27:26 für die Gäste in der Hand, doch sie brachte den Ball nicht an Dinah Eckerle vorbei im Tor unter. Im Gegenzug nahm Trainer Martin Albertsen zuerst eine Auszeit und dann bekam die SG einen Siebenmeter zugesprochen. Maura Visser trat an, weil Kim Naidzinavicius beim vorherigen Strafwurf beim Stand von 19:17 an der eigens dafür eingewechselten Jessica Ryde gescheitert war. Auch Visser brachte den Ball nicht an der Schwedin vorbei.

20 Sekunden waren zu diesem Zeitpunkt noch auf der Uhr. Genug Zeit noch für Herning, um möglicherweise den entscheidenden Treffer zu erzielen. Doch mit der letzten Aktion des Spiels scheiterte die überragende neunmalige Torschützin Helene Fauske an Bietigheims Block und Eckerle. So hinterließen letztlich die Torhüterinnen mit diesen letzten Aktionen den bleibendsten Eindruck der Partie.

Zu diesem Thriller am Ende hätte es jedoch eigentlich gar nicht kommen müssen. Nach immer wieder wechselnder Führung zu Beginn der Partie konnte sich die SG BBM in den letzten zehn Minuten der ersten Hälfte langsam aber sicher absetzen. Karolina Kudlacz-Gloc machte aus einem 8:9-Rückstand eine 10:9-Führung. Dazwischen lagen Fehlversuche von Naidzinavicius und Fauske. Herning kam noch einmal zum Ausgleich, doch die SG-Kapitänin und Angela Malestein trafen zum 12:10. Als Tonje Loeseth knapp drei Minuten vor dem Seitenwechsel für zwei Minuten raus musste, sorgten Laura van der Heijden und erneut Malestein für eine relativ komfortable 14:11-Pausenführung.

Naidzinavicius baut Führung aus

Die zweite Hälfte startete mit einer erneuten Zeitstrafe für Loeseth und einem daraus resultierenden Siebenmeter, den Naidzinavicius zum 15:11 nutzte. Die Vier-Tore-Führung hielt letztlich bis zum 19:15 durch Maren Aardahl. Acht Minuten waren da im zweiten Durchgang absolviert. Dann musste die SG allerdings drei Gegentore hinnehmen, ohne eine Antwort parat zu haben. Selbst die sonst meist sehr sichere Siebenmeterschützin Naidzinavicius brachte den Ball von der Linie nicht zum möglichen 20:17 im Netz unter. SG-Coach Albertsen sah sich zu einer Auszeit gezwungen, die mit dem 20:18 durch den einzigen Treffer von Fie Woller sogar zu fruchten schien. Vier Zeigerumdrehungen später stand es allerdings 20:21.

Loeseth kassiert dritte Strafe

Bietigheim bekam die Partie dann jedoch wieder in den Griff. Neun Minuten vor dem Ende führten die Gastgeberinnen wieder mit 24:22. Aber auch diese Führung wurde wieder aus der Hand gegeben. Als Kapitänin Naidzinavicius gut fünf Minuten vor dem Ende für zwei Minuten raus musste, drohte das 25:26. Doch keine 30 Sekunden später kassierte auch Loeseth eine weitere Strafe. Ihr dritte, was die endgültige Disqualifikation bedeutete. Amelie Berger erzielte bei Fünf gegen Fünf ihren einzigen Treffer zum 26:25. Nach einem Fehlversuch von Fauske nahm Hernings Trainer Mathias Madsen eine Auszeit und fand anscheinend die richtigen Worte, denn seine beste Werferin traf dann doch noch zum neunten Mal. Der Rest war dann der eingangs beschriebene Thriller, der nach einer Bietigheimer Vier-Tore-Führung aber eben nicht unbedingt nötig gewesen wäre.

Trotz der verpassten Siegchance war SG-Coach Albertsen insgesamt zufrieden. „Die Leistung meines Teams heute hat gestimmt. In einigen Situationen waren wir leider zum Ende hin zu nervös“, bilanzierte der Däne und ergänzte: „Die Zuschauer haben ein tolles Spiel gesehen.“

 
 
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