Frauenteam des Bietigheimer HTC gibt Online-Stellenanzeige auf Trainersuche einmal anders

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Jürgen Fili gibt den Hockey-Spielerinnen des Bietigheimer HTC Anweisungen. Bis ein neuer Trainer gefunden ist, hilft der 54-Jährige bei der Bundesliga-Mannschaft noch als Interimscoach aus. ⇥ Foto: Oliver Zimmermann via www.imago-images.de

Die Bundesliga-Spielerinnen des Bietigheimer HTC veröffentlichen in den sozialen Medien eine Stellenanzeige, um einen Nachfolger für Jürgen Fili zu finden.

Trainersuche einmal anders: Die Hockey-Spielerinnen des Bietigheimer HTC sind bei der Suche nach einem neuen Übungsleiter in die Offensive gegangen. In der vergangenen Woche veröffentlichten sie auf der vereinseigenen Facebook- und Instagram-Seite eine Stellenanzeige, um einen Nachfolger für Interimscoach Jürgen Fili zu finden. Deren Gestaltung hatte die Bundesliga-Mannschaft selbst übernommen, den Inhalt, sprich das Anforderungsprofil, erarbeiteten Team und Klubführung gemeinsam. Der Wunschkandidat soll demnach mutig, ehrgeizig, erfahren, kompetent und engagiert sein sowie Spielerinnen fördern und andere Trainer unterstützen. „Wir suchen einen motivierten Trainer, der sich auf uns einlässt, der Lust auf uns hat – und der vor allem Spaß an der Sache hat“, konkretisierte Verteidigerin Dina Fili bei einem Interview mit Regio TV.

Der unkonventionelle Aufruf hat dem BHTC bereits erste Reaktionen beschert. „Es haben sich schon Interessenten gemeldet. Wir sind mit einigen Kandidaten im Gespräch“, berichtet Teammanagerin Manuela Meissner. Spruchreif sei aber noch nichts. Idealerweise soll der neue Coach die Mannschaft bereits auf den erhofften Neustart der Feldrunde im Frühjahr vorbereiten. Die Zeit drängt also. Der bisherige Übungsleiter Jürgen Fili, dessen Töchter Jana (22) und Dina (19) dem Aufgebot angehören, hat sich bereit erklärt, interimsweise weiterzumachen, bis ein Nachfolger gefunden ist.

Im Oktober 2018 hatte der 54-Jährige, zunächst aushilfsweise, den Trainerjob übernommen, nachdem sich Can Yurtseven in den Männerbereich verabschiedet hatte. Fili führte die Mannschaft in der Halle auf Anhieb aus der 1. Regionalliga in die Eliteklasse und im Feld zum Klassenerhalt in der Zweiten Liga. Zum Ende der Hallensaison 2020/21 – die letztlich Corona zum Opfer fiel –, wollte der selbstständige Berater den fordernden Posten als Bundesliga-Coach endgültig auf- und weitergeben. Geplant war, dass Manuell Max, ein aktiver Spieler aus der Männermannschaft, ab April das Zepter übernimmt. Doch dieser habe Meissner zufolge seine Bewerbung bereits im November wieder zurückgezogen, sodass die Trainersuche von neuem beginnen musste.

Virtuelles Krafttraining

Coronabedingt herrscht im Hockey aktuell freilich ohnehin noch Stillstand. Der Spielbetrieb ruht, ein Mannschaftstraining ist im Amateursport verboten und in der derzeitigen Situation nur Profivereinen wie den Handballern der SG BBM oder den Eishockey-Cracks der Bietigheim Steelers gestattet. „Wir hoffen alle, dass wir als Bundesliga-Mannschaft bald wieder trainieren dürfen – auch wenn wir keine Profis sind“, sagt Teammanagerin Manuela Meissner, deren Tochter Greta die BHTC-Frauen als Kapitänin anführt. Einstweilen bleibt den Spielerinnen – und ihren männlichen Pendants, die im Feld in der Oberliga antreten – nichts anderes übrig, als sich individuell fit zu halten.

Der vom Verein angestellte Athletik-Trainer Martin Exner hat für beide Teams separate Laufpläne entwickelt. „Da ist genau geregelt, wie viele Kilometer die Sportler wann und in welcher Zeit zu bewältigen haben. Aber ob jemand schummelt, kann natürlich keiner kontrollieren“, sagt Meissner mit einem Schmunzeln. Das ist bei den zweimal wöchentlich stattfindenden virtuellen Krafteinheiten anders, denn da sind alle Spielerinnen mit Hilfe des Online-Konferenzsystems „Zoom“ zusammengeschaltet und können bei den Übungen beobachtet und angeleitet werden.

Ein Substanzverlust ist in den letzten Monaten auch durch den Weggang von fünf Akteurinnen eingetreten: Studienbedingt haben zum Semesterbeginn im Oktober Abwehr-Ass Sina Schönamsgruber, deren Innenverteidiger-Kollegin Lena Klösel (beide zum Liga-Rivalen TC Blau-Weiß Berlin), Yasina Hipp (TuS Lichterfelde), Nina Traxler (Riga) und Jessica Gschweng (Esslingen) den BHTC verlassen. Kompensiert wurden die Abgänge durch interne Verschiebungen: Melanie Schäfer, gebürtige Rummel, und Julia Preiß rückten aus der zweiten Mannschaft auf. Und die beiden 17-jährigen Johanna Kraft und Inken Kräber, die eigentlich noch ein Jahr in der weiblichen Jugend A spielen könnten, wurden aus dem eigenen Nachwuchs hochgezogen.

 
 
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