Kriege, Krisen, Katastrophen – Schlagworte, die den öffentlichen Diskurs prägen und für viele Menschen eine wachsende Belastung darstellen. Für die 1970 in Bietigheim-Bissingen geborene freischaffende Künstlerin Dagmar Härle aus Freiberg markieren diese negativen Nachrichten zugleich den Beginn einer neuen Phase ihres künstlerischen Schaffens. Eine Phase, die sich zwar deutlich von ihren früheren Arbeiten abhebt, zugleich jedoch inhaltlich eng mit ihnen verbunden bleibt.
Freiberg Dagmar Härle tritt in eine neue Schaffensphase ein
Die Künstlerin Dagmar Härle aus Freiberg verbindet künstlerische Weiterentwicklung und eine Botschaft für Frieden.
Bekannt wurde Härle vor allem durch ihre sogenannten Herzserien, deren erste Werke bereits vor rund zwei Jahrzehnten entstanden und in vielen Ausstellungen zu sehen waren. Diese plastischen Arbeiten waren weit mehr als reine Kunstobjekte – sie begleiteten einen intensiven persönlichen Verarbeitungsprozess. Unter dem Leitgedanken „Eine Frau malt sich frei“ entwickelte sich ihre Kunst zu einem Ausdruck innerer Befreiung. Die Werke halfen ihr, emotionale Blockaden zu überwinden und sichtbar zu machen, was lange im Verborgenen geblieben war. Kunst wurde für sie so auch zum Mittel der Selbstreflexion. In ihren jüngeren Arbeiten zeigt sich eine deutlich veränderte, aber kraftvolle Bildsprache. Abstrakte Kompositionen wie in der „Goldserie“ rücken in den Vordergrund, ebenso experimentelle Spray- und Spachteltechniken. Diese künstlerische Weiterentwicklung wurde unter anderem durch eine Weiterbildung bei Kunstprofessor Frederick D. Bunsen angestoßen. Die Spray-Art von Dagmar Härle hat sich inzwischen zu einem zentralen Element ihres Schaffens entwickelt – dynamisch, vielschichtig und offen für gesellschaftlich relevante Themen.
Ihre neuesten Werke erweitern diese Entwicklung nun um eine weitere Dimension: die Auseinandersetzung mit den Spuren und Auswirkungen von Krieg und globalen Krisen. Noch sind es wenige Exponate, doch ihre Aussagen sind prägnant.
Das Herz und die Krisen
So zeigt etwa ein Werk ein Schild mit der Aufschrift „Energiekrise – Krieg“ beide Begriffe durchgestrichen und mit einem klaren „Nein Danke“ kommentiert. Gleichzeitig greift Härle ihr zentrales Motiv erneut auf: das Herz. In Kombination mit dem Wort „Peace“ wird es zum Symbol für Hoffnung und Versöhnung. Ein dargestellter Reißverschluss verweist dabei auf die Notwendigkeit von Offenheit: „Ein Herz muss offen sein für den Frieden in der Welt“, beschreibt die Künstlerin diesen Gedanken.
Auch Werke wie „Die Welt braucht dich“ transportieren eine bewusst einfache, aber eindringliche Botschaft: Der Mensch ist aufgefordert, positiv nach außen zu wirken. Auch wenn jeder Einzelne nur ein kleines Licht sei, könne gemeinschaftlich dennoch viel bewegt werden. „In jedem steckt Potenzial“, ist Dagmar Härle überzeugt.
Ihre Kunst wird damit zunehmend zu einem persönlichen Appell und zugleich auf das große Ganze gerichtet – befeuert von den täglichen Nachrichten.
