Angefangen, Fußball zu spielen, haben wir beide in Bambini. Mit 15 Jahren haben wir uns dann kennengelernt. Ich habe in Ingersheim gespielt, dann haben sich zwei Vereine zusammengeschlossen, daher ist Max dann dazugekommen.“ Das erzählt Yannik Thamm, der mittlerweile gemeinsam mit Max Windeisen die Firma Depulse leitet. Hier werden Schienbeinschoner für Fußballer hergestellt – regional in Freiberg, keiner der Produktionsschritte findet mehr als drei Kilometer von ihrem Büro entfernt statt – selbst der Schaumstoff kommt aus Murr.
Freiberg „Den Mutigen gehört die Welt“
Max Windeisen und Yannik Thamm teilen eine langjährige Fußballleidenschaft. Jetzt vertreiben sie gemeinsam eigens entwickelte Schienbeinschoner.
Erst seit dem vergangenen Januar ist Yannik Thamm mit im Team, dabei gibt es Depulse schon länger: Bereits seit zweieinhalb Jahren verfolgt Max Windeisen seine Idee, Schienbeinschoner herzustellen, die all das sind: flexibel, leicht, nicht störend, funktional, regional und nachhaltig. Als beide noch aktiv gespielt haben, gab es solche Alternativen nicht. Bisher habe er dafür mit verschiedenen Dienstleistern zusammengearbeitet, war damit aber nicht zufrieden: „Bei der Arbeit mit Externen hat das Herzblut gefehlt.“ Es war einfach nicht „das Eigene“, und schnell war klar: Ein Partner muss her.
Gründungsprozess verlief reibungslos
Lang hat die Suche nicht gedauert. „Yannik hat mich gefragt, was ein potenzieller Partner denn so mitbringen müsse, und ich meinte: Eigentlich wärst du perfekt. Damit war der Bewerbungsprozess auch schon zu Ende“, erzählt Windeisen schmunzelnd. Dass die gemeinsame Arbeit funktioniert, wussten beide schon, denn Thamm hatte schon oft ausgeholfen, wenn Depulse mit einem Stand bei Fußballturnieren war, um ihr Produkt zu vertreiben.
Die Rollen sind klar verteilt, auch wenn natürlich alles gemeinsam besprochen wird. Bei allem rund ums Marketing habe Thamm das letzte Wort, er habe da den besseren Blick für. Mit beruflicher Vergangenheit in einem Start-Up kenne er das Grundgerüst und die Organisation, die nötig sind, wenn auf einmal viele Anfragen kommen. Windeisen hingegen kenne sich durch die Firma der Familie gut mit Textilien aus. „Wir ergänzen uns wunderbar“, so das Fazit.
Das Vertrauen war auch direkt da: „Erst wollten wir bei der Firmengründung gar keinen Vertrag machen, sondern nur einen Handschlag“, erinnert sich Yannik Thamm. Da war der Steuerberater aber dagegen, also wurde innerhalb von zwei Wochen ein Vertrag aufgesetzt. Der Gründungsprozess und die ersten gemeinsamen Wochen in der Firma liefen reibungslos: „Wir sind beide schon länger in der Arbeitswelt und nicht mehr grün hinter den Ohren. Wir wissen, dass man Zeit und Geld investieren muss, und sich auch ein Stück weit verpflichtet“, so Max Windeisen. Es helfe natürlich, auf die langjährige Erfahrung der WWS zurückgreifen zu können, dem Unternehmen der Familie Windeisen, das sich auf Formteile aus Polyurethan (PU) spezialisiert hat – der Stoff, aus dem auch die Schoner sind.
Vorreiter im Schaumstoff-Verfahren
Damit sind sie übrigens Vorreiter gewesen: Zum Start von Depulse habe es nur eine amerikanische Firma gegeben, die ebenfalls Schoner aus Schaumstoff hergestellt habe. Mittlerweile seien es etwa zehn, aber das Verfahren, das die Freiberger Variante so langlebig mache, gebe es nur dort. Da jeder Schoner einzeln geschäumt werde, sei Abnutzung kein Problem, sogar in die Waschmaschine dürfen sie. Der Erfolg gibt ihnen recht: Der größte Konkurrent habe den Sohn von Cristiano Ronaldo als Werbegesicht, dagegen komme man natürlich nur schwer an. Aber: „Wir hatten schon Kunden, die beide Schoner anhatten und sich dann für unsere entschieden haben“, erzählt Windeisen stolz.
Auf Fußballturnieren mit dem eigenen Stand zu sein oder Kunden in Freiberg zur Anprobe zu begrüßen, fühle sich für die beiden Fußballbegeisterten nicht wie Arbeit an – und das, obwohl sie sich nur abends, nachdem sie in ihren Vollzeitjobs Feierabend haben, um Depulse kümmern können. Das sehen die beiden aber positiv: So können sie ihre eigene Marke ohne Gelddruck und ganz organisch aufbauen. Bevor der Vollzeitjob gekündigt wird, werde man eher noch einen Mitarbeiter ins Team von Depulse holen. Bei Turnieren könne man sich auch gut aufteilen: Am einen Wochenende sei der eine vor Ort, am nächsten der andere. „Das macht uns aber auch Spaß, wir wollen dem nicht entfliehen.“
Sie seien beide auch „nachdenkliche Menschen“, wollen im schlimmsten Fall weich fallen. Das Risiko bestehe deshalb nur beim Produkt selbst: Wenn dieses nicht mehr verkauft würde, kämen die Gründer dank ihrer Vollzeitjobs nicht in finanzielle Not. „Ein Gehalt zahlen wir uns nicht aus. Wir mögen unsere anderen Jobs beide gerne, aber den Fußball eben auch. Warum also nicht beides machen?“, sagt Thamm. Möglich mache das nicht zuletzt ihr Umfeld, das sie dabei unterstütze, auch mal helfe und vor allem Verständnis zeige. „Meine Verlobte unterstützt mich da sehr, sie sagt, ich solle das machen, was mich glücklich macht“, so Thamm.
Schutz im Vordergrund statt Mode
Auf dem Instagram-Account gibt es humorvolle Videos und neuerdings auch Challenges, bei denen es für einen Fußballtrick etwas zu gewinnen gibt. Am liebsten sind die Freunde aber vor Ort bei Fußballspielen. Hier verkaufe man zwar nicht immer viel, bekäme aber Feedback zu den Produkten, sagt Windeisen. Und der direkte Draht zu den Kunden sei ihnen wichtig, fügt Yannik hinzu, gerade im Vergleich zum unpersönlicheren Social Media.
Nicht nur damit hebt sich die Firma von anderen ab, sondern auch mit ihrem Vorsatz, den Schutz bei Schienbeinschonern wieder in den Vordergrund zu stellen: Selbst die Fußballprofis würden teilweise lediglich mit „Schienbeinschönerchen“ spielen, oft aus Hartschale, bei denen man schon von Weitem sehen könne, wie sie verrutschen. Das störe und schränke ein.
„Wir wollen für Schutz stehen, da kann man nicht einfach mit der Mode gehen“, so Thamm, und gerade das könne man den Spielern, Jugendspielern und Eltern am besten direkt am Platz erklären. Mittlerweile gebe es einige Spieler, mit denen fest zusammengearbeitet wird: Der Spieler trägt und bewirbt die Schoner, erhält dafür im Gegenzug Vergünstigungen und wird auf der Website von Depulse repräsentiert – dass beide Seiten von einer Zusammenarbeit profitieren, sei ihnen wichtig.
Neuer Prototyp in Lila für die Spielerinnen
Für die nähere Zukunft liegt bereits der lila Prototyp auf dem Tisch, die neue Schonerfarbe ist vor allem für die Spielerinnen. Für die fernere Zukunft seien zum Beispiel Gripsocken als weiteres Produkt möglich, erst mal will sich Depulse aber auf die Schoner konzentrieren. Zubehör für andere Sportarten haben sie nicht geplant, denn ihre Expertise sei bei Fußball einfach am höchsten.
Dass Rückschläge kommen können und die Erfolgswelle einbrechen kann, sei ihnen bewusst, so Windeisen, aber sie seien von ihrer Idee überzeugt. „Der Fußballmarkt ist schwierig, das ist schon auch eine Ansage, genau da reinzugehen“, sagt Yannik Thamm. Aber irgendwann müsse man es einfach wagen, findet er: „Den Mutigen gehört die Welt.“
