Kaum ein anderes Verkehrsmittel steht so sehr zwischen Kritik und unverzichtbarer Notwendigkeit wie der Lastkraftwagen. Vielerorts wird das Fahrzeug als Lärmfaktor und Stauverursacher wahrgenommen, bis hin zu den „Long Linern“ mit 25 Metern Länge und 40 Tonnen Gewicht. Andererseits sind die schweren Brummis das Rückgrat moderner Logistik für die pünktliche Versorgung von Handel, Industrie und Handwerk. Ohne sie würde gar nichts funktionieren.
Freiberg Die vielen bunten Seiten der Brummis
Eine Ausstellung im Museum im Schlössle widmet sich der Blütezeit von Werbetrucks. Der Sammler Egon Heck hat rund 600 dieser Modelle im Maßstab 1:87 zusammengetragen.
Die Ausstellung „Was wäre die Welt ohne Laster…“ im Freiberger Museum im Schlössle zeigt nun eine andere, die bunte Seite der PS-starken Transportfahrzeuge. In den Jahrzehnten zwischen den 1960er- und 1990er-Jahren erlebten sogenannte Werbetrucks ihre Blütezeit. Bunt lackiert, aufwendig gestaltet und mit großflächigen Logos versehen, rollten sie als mobile Reklametafeln über Landstraßen und durch Innenstädte.
Der Freiberger Sammler Egon Heck hat rund 600 dieser Modelle im Maßstab 1:87 – der klassischen H0-Größe – zusammengetragen. Alles angefangen hat es mit einem Modell von Stuttgarter Hofbräu, nach und nach kam immer mehr dazu. „Vieles stammt von meinem Getränkehändler“, so der Sammler. Heck wurde auch auf Flohmärkten fündig, wo er doppelte Exemplare tauschen konnte, im Internet und in Sammelkatalogen. In einem Hobbyraum brachte er die Sammlung unter, wobei es viele der Modelle in ihrer ursprünglichen Bauart gar nicht mehr gibt. „Es hat sich alles verlaufen“, so Heck. Ganz anders bei Marion Stotz, ehrenamtliche Mitarbeiterin im Museum, die das Ausstellungspotential der Sammlung erkannte.
Markenträger mit prägnanten Farben
Die ausgestellten Lastwagen sind Werbeikonen, Markenträger mit prägnanten Farben und unverwechselbarem Design, die sich ins kollektive Gedächtnis eingeprägt haben, und Zeitzeugen einer Epoche sind, in der Werbung noch auffällig, verspielt und mutig war. Vor allem zahlreiche Brauereien setzten auf historische oder moderne Bierwagen, die nicht nur Waren transportierten, sondern zugleich auch als sympathische Botschafter ihrer Produkte dienten. Diese Modelle nehmen dann auch einen breiten Raum ein, denn nahezu jede bekannte Marke brachte eigene Trucks auf den Markt.
Aber nicht nur, was der Ausstellung viel Abwechslung beschert. Zu sehen sind die Modelle der Formel 1, der bis heute bekannte Weihnachtstruck von Coca-Cola, die Trucks von Cola-Mix, der exklusive Britney-Spears-Truck von Pepsi, Kumpf und Capri-Sonne. Auffällig die Brummis mit Aufdrucken von Süßigkeiten wie Haribo mit dem Goldbären-Truck, Milkas Lila Pause und Sarotti. Etwas Besonderes ist auch der Treue-Truck der Biersorte Altenmünster und die Leihgaben von Tommy Knotz, darunter ein großes Modell eines Renault AE, ein Michelin-Reifen-Männle und ein Lkw-Lenkrad aus dem Jahre 1956. Ergänzend dazu gibt es für die Besucher Tafeln, die über die Formel 1 Trucks und Luigi Colani informieren, einem der bedeutendsten Industrie-Designer, der futuristische Fahrzeuge geschaffen hat.
Symbole für Aufbruch, Marken und technische Entwicklung
So erzählt jedes einzelne Stück seine eigene Geschichte – von wirtschaftlichem Aufbruch, Markenidentität und technischer Entwicklung, „wie es im Straßenbild kaum noch zu sehen ist“, sagte Museumsleiterin Irene Ott bei der Eröffnung, zu der zahlreiche Gäste kamen. Sie wies auch auf die Verpackungen der Modelle hin, die Teil des jeweiligen Exponats seien. Sie dient nicht nur dem Schutz, sondern informiert vor allem über die Herkunft.
Bürgermeister Jan Hambach, dessen Eltern im Transportgeschäft tätig sind, sagte, die Lastkraftwagen seien ein wichtiger Teil der Logistikkette, selbst wenn die Schiene ausgebaut sei. Wobei man von der Belastung des Schwerverkehrs, etwa in der Mühlstraße, ein Lied dazu singen könnte. Trotzdem wertete er die Brummis nicht nur als Verkehrsteilnehmer im Alltag, sondern auch als kulturelles Objekt und Sammlerstück mit historischem Wert. Und wenn man im Keller oder auf der Bühne noch ein Exponat habe, würde sich Sammler Egon Heck sicherlich darüber freuen.
