Freiberg Die Weichen für das neue Stadtzentrum sind gestellt

Von Uwe Mollenkopf
Bürgermeister Jan Hambach an seinem Arbeitsplatz im Freiberger Rathaus. Foto: /Oliver Bürkle

 Im BZ-Jahresgespräch wirft Jan Hambach, der im Juni 2024 sein Amt als Bürgermeister angetreten hat, einen Blick auf die laufenden Vorhaben.

Für den Freiberger Bürgermeister Jan Hambach stand das vergangene Jahr noch im Zeichen der Einarbeitung und des Kennenlernens der Akteure und Gegebenheiten in Freiberg. Der 30-Jährige war im März 2024 mit einem Traumergebnis von 79 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang zum Nachfolger von Dirk Schaible gewählt worden. Mitte Juni trat er sein Amt an.

„Ich konnte mich gut in die verschiedenen Themen einarbeiten“, sagt Hambach im BZ-Gespräch. Noch sei es aber zu früh zu sagen, er kenne bereits alles, dazu brauche man wohl ein ganzes Jahr. Hilfreich sei gewesen, dass er bereits während des Wahlkampfs viele Bürger getroffen und viele Themen mitbekommen habe. Daher habe die Einarbeitung nicht erst im Juni begonnen. Auch im Rathaus sei er vom Ersten Beigeordneten Stefan Kegreiß und dem gesamten Team gut unterstützt worden, um sich einen Überblick über die anstehenden Themen zu verschaffen. Man habe einen Fahrplan erarbeitet und diesen bei einer Gemeinderatsklausur auch mit den Ratsmitgliedern besprochen und Prioritäten gesetzt.

Ein zentrales Thema ist für den Bürgermeister die bereits unter seinem Vorgänger angestoßene Weiterentwicklung des Stadtzentrums. Nach der Oscar-Paret-Schule und der Sporthalle soll es jetzt weitergehen. Die Siegerideen eines städtebaulichen Wettbewerbs, der dazu ausgeschrieben wurde, sollen in die Umsetzung gehen. Noch im Dezember passierte das Vorhaben den Gemeinderat.

Alte Schule wird abgerissen

Ab 2027/28 soll der erste Bauabschnitt losgehen, und zwar am Marktplatz 1, wo sich jetzt die Kreissparkasse und Optik Flegel befinden, beschreibt der Bürgermeister die Pläne. Hier soll Raum für Einzelhandel, Ärzte und Wohnen geschaffen werden. Der Busbahnhof soll dazu vorverlegt werden. Die alte Oscar-Paret-Schule, die jetzt noch interimsweise für Grundschüler, einen Teil der Verwaltung und ab März für die Flüchtlingsunterkunft genutzt wird, soll dann abgerissen werden. Das sei die einzige Möglichkeit, „um hier im Zentrum wirklich weiterzukommen“, sagt Hambach. Vom Rathaus soll der vordere Teil erhalten und saniert werden, ein kleiner Anbau hinten kommt weg.

Würde man in Sachen „Neue Mitte“ noch länger warten, „dann sehen wir das Problem, dass im Zentrum immer mehr Leerstand entsteht“, beschreibt Hambach die Situation. Unter anderem hat bereits das Musikgeschäft „Pro Music“ altersbedingt geschlossen, es gebe noch weitere Geschäfte, von denen man wisse, dass sie nicht noch zehn Jahre da blieben. Daher sei es wichtig, jetzt neue Ladenflächen zu schaffen und das Zentrum weiterzuentwickeln, sagt Hambach. Das in den 70er-Jahren entstandene Stadtzentrum sei eine sehr gute Idee gewesen, das Freiberg viel gebracht habe, aber nun sei es einfach in die Jahre gekommen.

Kosten von 190 Millionen Euro

Die Kosten für das Vorhaben sind beträchtlich. Laut Hambach belaufen sie sich grob geschätzt auf 190 Millionen Euro. Davon sollen aber nur 54 Millionen Euro von der Stadt investiert werden – unter anderem für den Busbahnhof, den öffentlichen Platz und die Sanierung des Rathauses –, ansonsten setzt man auf private Investitionen. Weil die Stadt auch noch mit Fördermitteln rechnet und laufende Einnahmen durch Vermietung im Erbbaurecht erzielen will, werden nach Hambachs Rechnung am Ende wahrscheinlich nur zwischen 14 und 20 Millionen Euro aus öffentlichen Mitteln bestritten werden müssen. „Und das halten wir für finanzierbar, weil es auch ein sehr langer Zeitraum ist“, so der Bürgermeister. Aber letztendlich genau beziffern könne man die Höhe der Kosten immer erst dann, wenn ein Bauabschnitt konkret anstehe.

Was die städtischen Finanzen angeht, gibt es aus der Vergangenheit noch ein paar Rücklagen. „Das hilft uns natürlich“, sagt Jan Hambach. „Man muss auch sagen, dass schon viel investiert wurde.“ Freiberg habe sicher einen kleineren Investitionsstau als andere Städte, weil beispielsweise die Oscar-Paret-Schule schon neu gebaut wurde, mit einem Riesen-Investitionsvolumen von über 90 Millionen Euro. Aber gleichzeitig habe die Stadt Schulden von rund 40 Millionen Euro und in der mittelfristigen Finanzplanung werde deren Anwachsen auf bis zu 70 Millionen Euro prognostiziert. „Also, das ist schon ordentlich“, sagt Hambach.

Als Reaktion sei bei den laufenden Ausgaben schon deutlich reduziert worden, daran werde man auch weiter festhalten müssen. Die Stadt erhöhe die Friedhofsgebühren, bei den Kitagebühren werde man immer regulär mitmachen. Für den aktuellen Haushalt sei auch die Devise ausgegeben worden, dass kein Personal aufgestockt werde, so Hambach, weil gerade die Personalkosten immer ein riesiger Batzen seien.

Keine Chance fürs Afrika-Haus

Die Finanzen waren auch ein entscheidender Punkt, dass es nicht gelungen ist, den Fortbestand des Afrika-Hauses in Freiberg zu sichern. Nach groben Schätzungen hätte die Stadt zwischen 700.000 Euro und einer Million Euro hineinstecken müssen, um das Haus zu sanieren, instandzusetzen und wieder als Ausstellungsort zur Verfügung zu stellen, erklärt Hambach. Es habe dort einen Wasserschaden gegeben, der viel kaputt machte, auch die Kunstgegenstände im Gebäude seien beschädigt worden sind. „Mir war es einfach wichtig, da noch mal Klarheit herbeizuführen“, so der Bürgermeister. Der letzte Gemeinderat habe bereits definiert, dass die Ausstellung künftig in den Ausstellungsraum im neuen Rathaus oder im neu sanierten Rathaus gezeigt werden solle. „Wir können es uns nicht leisten, das dort zu halten. Und trotzdem sind wir verpflichtet, die Kunstsammlung zu erhalten“, beschreibt Hambach die Situation. Die Sammlung sei jetzt bereits ausgelagert worden und werde restauriert.

Für das Grundstück wird in Abstimmung mit einer Bürgerinitiative ein städtebaulicher Entwurf erarbeitet, es werde versucht, etwas Kunst wie vielleicht die Statuen im Garten zu erhalten und auch möglichst viel von dem Grün vor Ort. Ansonsten soll das Haus, das nicht als Denkmal zählt, abgerissen werden. Das Grundstück soll an einen Investor verkauft werden, um dort Wohnungen zu bauen. Das soll im Laufe dieses Jahres geschehen.

Weitere anstehende Themen sind für Hambach die Ausweisung neuer Baugebiete für den Wohnungsbau und für Gewerbe. In Freiberg habe sich in den letzten 20 Jahren in der Entwicklung im Außenbereich diesbezüglich gar nichts getan. Die südliche Wagnerstraße sei dafür schon längere Zeit im Gespräch, so der Bürgermeister.

Ein weiteres Projekt ist die Digitalisierung der Verwaltung, die intensiviert werden soll. Hambach rechnet nach seinen Erfahrungen in Calw, wo er vor seinem Amtsantritt in Freiberg die Stabstelle Strategie und Projekte leitete, mit einer Umsetzung im Zeitraum von drei bis vier Jahren.

Neubau der Grundschule

Die Schulpolitik wird den Bürgermeister ebenfalls beschäftigen. Man müsse eine Lösung für die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium finden, und im Grundschulbereich würden die Kasteneck- und die Flattichschule an einem Standort zusammengelegt. In diesem Januar beginnt der Neubau. Für den Kita-Bereich will der Bürgermeister neue Strukturen schaffen, am Wasen soll eine Energiezentrale gebaut werden, um die bestehenden vier Wärmenetze zu verbinden. Ein allgemeines Verkehrskonzept soll aufgestellt werden, in dem alle Verkehrsarten gemeinsam betrachtet werden. Freiberg sei eine Stadt, in der viel passiere, und er freue sich darauf, dies mitgestalten zu können, so Hambachs Blick auf die kommenden Aufgaben.

 
 
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