Seit 1989 zeigt der Modelleisenbahnclub Freiberg einmal jährlich seine Eisenbahnanlagen. In diesem Jahr fand die Ausstellung zum 20. Mal im Prisma statt. Über 2000 Besucher haben die liebevoll gestalteten Miniaturwelten bestaunt.
Freiberg Große Begeisterung für kleine Modellwelten
Am Wochenende stellte der Modelleisenbahnclub Freiberg seine Eisenbahnanlagen zum 20. Mal im Prisma aus. Rund 2000 Menschen kamen, um die Dioramen zu bestaunen.
Auch in diesem Jahr war das Interesse an den Miniaturwelten und Eisenbahnanlagen in verschiedenen Maßstäben wieder riesengroß. Bereits am Samstag haben sich zeitweise lange Schlangen am Eingang zum Prisma gebildet. Alles, wirklich alles, was das Modelleisenbahner-Herz von groß und klein höher schlagen lässt, war in Freiberg zu bestaunen. Angefangen von der Brio-Eisenbahn über die Spur N, H0 bis zur LGB-Gartenbahn.
Schnee, Tannen und Eiszapfen
Auf einer Anlage war eine mit viel Liebe zum Detail gestaltete Winterlandschaft zu sehen. Schneebedeckte Tannen, sogar winzige Eiszapfen an Felsen, an jedes Detail haben die Modellbauer hier gedacht. Vor einer Hütte hackte eine kleine Figur Holz für den Ofen – wen wundert’s bei solchen eisigen Temperaturen, die in diesem Diorama vorherrschten.
Das Herzstück der Jahresausstellung war wie jedes Jahr die große H0-Anlage. Herr über einen Teil dieser Anlage ist Martin Saalfrank. Seit 1996 ist er Mitglied beim Freiberger Modelleisenbahnclub. Einmal wöchentlich treffen sich die Vereinsmitglieder im alten Feuerwehrhaus im Stadtteil Geisingen. Dort wird dann fleißig an Landschaften und Streckenverläufen gebastelt, erzählte Saalfrank. Er hat sich auf Farben und die Modellierung von Landschaften und Gebäuden spezialisiert. „Es soll und darf nicht wie Plastik aussehen“, sagt er und zeigt auf eine Ritterburg. „Die Mauern müssen wie echtes Mauerwerk ausschauen“, so der Experte.
Über seinen Vater kam Saalfrank zu diesem Hobby. Der hatte früher eine Märklin-Eisenbahn. Seither ist er diesem Hobby treu geblieben. Für ihn der ideale Ausgleich zu seinem Beruf als Apotheker. Vor ihm fährt eine kleine Lokomotive, genauer eine Sächsische IV K, auf einer nachgebildeten Schmalspurbahn auf der H0-Anlage. Dieser Teil sei inspiriert durch die frühere Bottwartalbahn, erklärt Saalfrank.
Josua (10) aus Freiberg war begeistert von der großen Anlage im Prisma. Josua ist selbst bekennender Modelleisenbahner. Sechs Lokomotiven und eine Menge Güterwaggons und Personenzüge steuert er zuhause über die Gleise der Anlage seines Großvaters. „Ich kann das eigentlich ganz gut“, gibt sich der Nachwuchs-Lokführer selbstbewusst.
Verein hat 50 Mitglieder
Eckhard Rühle ist der Vorstand des 50 Mitglieder zählenden Freiberger Modelleisenbahnclubs. Etwa 60 Meter lang ist die äußere Gleisstrecke der großen Modelleisenbahnanlage. Insgesamt dürften rund 200 Meter Gleise auf dieser Anlage verbaut sein, schätzt Rühle. Die ganze Anlage besteht aus 34 zusammengestellten und verschraubten Modulen. Ein Standard-Modul ist 60 Zentimeter breit und zwei Meter lang, die Eck-Module sind 1,40 Meter auf 1,40 Meter.
Zehn bis 15 Leute arbeiten drei Tage am Aufbau der Anlage, berichtete Rühle. Erst werden die Module miteinander verschraubt, dann die ganze Elektrik miteinander verbunden. 1989 habe man das erste Modul gebaut und bei der ersten Ausstellung, damals noch in der Kelter, gezeigt. Die Modelleisenbahner erweitern die Anlage seither kontinuierlich. Seit 2004 findet die Modellbahnausstellung im Prisma statt. Wie Eckhard Rühle zum Hobby Modelleisenbahn kam? Er war etwa fünf Jahre alt, als er eine H0-Märklin Eisenbahn von seinem Vater geschenkt bekam. Das Interesse war geweckt und lässt ihn seither nicht mehr los.
Auch eine Autorennbahn war auf der Jahresausstellung zu sehen. Diese Faller-Autorennbahn aus den 1960er-Jahren betreute Vereinsvorstand Rühle. Munter drehten dort ein paar Modellautos ihre Runden. Vor der Autorennbahn steht Philipp (6) aus Freiberg. Der kleine Eisenbahnfan fragte seine Mutter seit Monaten: „Wann kommen endlich die Züge?“ Schon seit etwa vier Jahren besucht die Freibergerin mit ihrem Sohn die Modellbahntage, der Besuch sei Pflicht.
Nachwuchsprobleme hat der Verein derzeit nicht, sagt Rühle. Drei Jugendliche treffen sich mit ihren Betreuern einmal wöchentlich und bauen an Modulen. Dominic (15) hat sich auf die Digitaltechnik der modernen Modelleisenbahnen spezialisiert. Zusammen mit Jonas (13) präsentierte er bei der Ausstellung ein Bahnbetriebswerk mit einer Drehscheibe zu den Lokschuppen.
