Schulthemen haben Freibergs Bürgermeister Jan Hambach im vergangenen Jahr beschäftigt – und sie werden es auch dieses Jahr tun. Das berichtet der Bürgermeister im BZ-Jahresgespräch.
Freiberg In der Stadt soll sich etwas bewegen
Im BZ-Jahresgespräch äußert sich Bürgermeister Jan Hambach zu den Bauvorhaben und den Finanzen. Das Defizit konnte reduziert werden.
Da ist zunächst einmal der Bau der neuen Grundschule: Am Standort Kasteneck werden die bestehende Grundschule und die Flattichschule zusammengeführt, es entsteht eine fünfzügige Einrichtung mit Sporthalle, wofür die Stadt einiges ausgibt. 38 Millionen Euro betragen die Kosten. Ende 2024 waren die Bauarbeiten mit dem Abriss des Altbaus begonnen worden.
Über das Thema Grundschule war in Freiberg in den vergangenen Jahren kontrovers diskutiert worden, es gab zwei Bürgerentscheide dazu. Jetzt hofft Hambach, der seit rund eineinhalb Jahren Bürgermeister ist, dass das Ganze eine gute Richtung genommen hat. Die Arbeiten liefen zufriedenstellend, man sei aktuell im Kostenrahmen, und auch der Zeitplan könne voraussichtlich eingehalten werden, sagt er. Er sei zuversichtlich, dass die neue Schule im Herbst dieses Jahres eingeweiht werden könne. Dass sich der Gemeinderat und sein Vorgänger, Dirk Schaible, für einen Generalübernehmer entschieden haben, sei die richtige Entscheidung gewesen. Parallel dazu sei im Gemeinderat auch bereits das Ganztagskonzept für die Schule beschlossen worden.
Neue Freilufthalle
Ebenfalls mit Schule, aber nicht nur, hat die im Oktober eingeweihte Freilufthalle, die „FaNergie-Arena“, zu tun. Sie wird von der Oscar-Paret-Schule (OPS) genutzt, ist aber auch für Vereine und Freizeitsportler gedacht. „Ich glaube, dass es für viele Kinder und Jugendliche wichtig ist, dass man einfach mal so kicken gehen kann“, sagt der Bürgermeister, um hinzufügen, er würde sich nur wünschen, „dass man ein bisschen besser damit umgeht“. Denn: Ständig liege dort Müll herum, was gerade bei einer neuen Anlage sehr schade sei.
Der Ausbau der Nahwärme, eine Lagerhalle für den Bauhof, eine Lärmaktionsplanung, die Wahl eines Jugendbeirats und eines Gesamtelternbeirats waren weitere Dinge, welche im vergangenen Jahr in Freiberg auf der Agenda standen. Und die Stadt hat jetzt ein Spielplatzkonzept, bei dem man sich laut Hambach auf einige Plätze konzentrieren will. Diese sollen gut gemacht werden, diejenigen, die nicht mehr attraktiv seien, sollten Grünfläche oder vielleicht auch Bauplatz werden.
Alle Bereiche betroffen
Wie viele andere Kommunen auch musste sich Freiberg 2025 sehr intensiv mit seiner Haushaltssituation beschäftigen. „Eigentlich seit dem Sommer, weil da klar war, dass wir ein sehr hohes Defizit zu erwarten haben“, sagt Hambach. Es gab einige Sparrunden, schließlich wurde im Gemeinderat ein Sparpaket beschlossen. Davon seien alle Bereiche betroffen, von der Kinderbetreuung über eine Erhöhung der Gewerbesteuer bis hin zu einer Reduzierung von Verwaltungsleistungen. „Wir haben es geschafft, von ursprünglich mal elf Millionen Euro Defizit auf gute vier bis fünf Millionen Euro runterzukommen“, beschreibt Hambach das Ergebnis. Damit könne zumindest ein Teil der Abschreibungen erwirtschaftet werden, was wichtig für die Genehmigungsfähigkeit des Etats sei.
Bei den Steuern habe man in Freiberg das Glück, „dass wir sehr diversifiziert sind“ sagt der Bürgermeister. Es gebe sehr unterschiedliche Branchen, „in denen es aktuell noch ordentlich läuft“. Der Stadt komme jetzt zugute, dass die örtliche Wirtschaft nicht zu stark automobilabhängig sei. Mit 8,5 Millionen Euro Gewerbesteuer habe man für 2025 geplant, am Ende waren es mehr als zehn Millionen. Für 2026 wird mit 9,3 Millionen Euro gerechnet, inklusive einer Anhebung des Gewerbesteuerhebesatzes von 355 auf 370 Punkte.
Laut Hambach wurde beim Sparen nach der Devise verfahren, dass keine Einrichtungen, die für die Gemeinschaft notwendig seien, ganz wegfallen, ob es sich dabei nun um das Stadtbad oder die Bibliothek handle. Er halte das für „extrem wichtig“.
Freiberg muss im neuen Haushalt aufgrund der großen Investitionen, die anstehen, allerdings neue Schulden aufnehmen. Auf 19 Millionen Euro beziffert der Bürgermeister die Investitionen (nach 26 Millionen 2025). Davon werden 13,5 Millionen Euro über Kredite finanziert. Ab 2028, 2029 könne man anfangen, den Schuldenstand wieder zu reduzieren, so Hambach zu den weiteren Aussichten.
Energiezentrale wird gebaut
In diesem Jahr werde die Haushaltkonsolidierung weitergehen, viel von dem, was beschlossen wurde, muss nun umgesetzt werden. Man werde auch noch mal das Personal in der Verwaltung unter die Lupe nehmen, dort gebe es noch Einsparpotenziale, sagt der Bürgermeister.
Zu den Bauprojekten des Jahres 2026 zählt unter anderem eine neue Energiezentrale am Wasen, um das Nahwärmenetz letztendlich von den Blockheizkraftwerken wegzubekommen. Die innovative Anlage soll ihre Wärme aus der Kläranlage ziehen, erläutert Hambach. Schon seit einigen Monaten sei eine Freiflächen-Photovoltaik-Anlage an der Autobahn in Planung. Hambach: „Das wollen wir vorantreiben.“
Auch werde darüber diskutiert werden, an welchen Stellen Bewohnerparken eingeführt werden soll; mit dem Ziel, einen Weg zu finden, der für alle akzeptabel sei, nennt der Bürgermeister ein weiteres Thema. Verkehrskonzepte seien beauftragt worden, und der Bauhof brauche neue Sozialräume für die technischen Dienste. Für das Sportvereinszentrum, das die Stadt gerne gemeinsam mit dem TuS Freiberg umsetzen möchte, soll ein neuer Anlauf genommen werden. Das sei vor allem deswegen notwendig, weil die Lugaufhalle marode sei und man dafür in den nächsten Jahren einen Ersatz brauche, so Hambach.
Schließlich läuft das Großprojekt Erneuerung des Stadtzentrums weiter, das sich über einen Zeitraum von zehn Jahren erstreckt. Im ersten Quartal 2026 soll dazu ein Investorenauswahl-Wettbewerb starten. Er hoffe auf gute Bewerbungen, um dann den ersten Bauabschnitt umzusetzen, sagt Hambach. Dieser umfasst den Bereich von der Kreissparkasse bis hoch zum Hallenbad. Hierher soll der Busbahnhof verlegt werden, ansonsten sollen Ärzte, ein Supermarkt, Gastronomie und Einzelhandel angesiedelt werden. Auch Wohnungen sind vorgesehen. Ein Investor wird benötigt, weil die Stadt das selbst finanziell nicht stemmen könne.
Schule schon wieder zu klein
Nicht zuletzt steht die Stadt durch die Bildungsreform des Landes vor dem Problem, dass die neue Oscar-Paret-Schule schon wieder zu klein ist. Diese sei sparsam gebaut worden, mit wenig Platzreserven, erklärt Hambach. Durch neue Schulfächer und die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium reiche nun der Platz nicht mehr, und es müssen zusätzliche Klassenzimmer geschaffen werden.
Für 2026 wünscht sich Hambach insgesamt, dass die Stadt bei ihren Projekten weiter stark in der Umsetzung bleibe und die Bürger sehen, dass es vorangehe und sich etwas bewege.
