Freiberg Zwei Stunden beste Partystimmung

Von Lisa Lorenz
Die Stimmung könnte besser nicht sein: Von der ersten Minute an ist die Tanzfläche des Palazzos voll. Bunte Lichter, Nebel und Laser machen die Disco perfekt. Foto: /Martin Kalb

Zum dritten Mal öffnet der Danceclub Palazzo seine Türen für Behinderte der Theo-Lorch-Werkstätten. Die Anfrage war diesmal so hoch wie noch nie.

Ein Remix von Shakiras „Waka Waka“ läuft im Palazzo. Die Tanzfläche ist voll, die Stimmung geradezu mitreißend. Ganze 390 Menschen mit Behinderung haben an diesem Donnerstag die Reise zum Danceclub in Freiberg auf sich genommen. Die Nachfrage sei sogar noch größer gewesen, aber räumlich gebe es nur eine gewisse Kapazität, gerade durch Rollstuhlfahrer, berichtet der DJ und Organisator Manfred Mauermann.

Dieses Mal – das Event findet schon zum dritten Mal in Folge statt – kommen die Feierlustigen aus den Theo-Lorch-Werkstätten Bietigheim-Bissingen, Bönnigheim und Ludwigsburg. Außerdem ist noch eine Wohngruppe aus dem Remstal dabei. 2024 gestartet, läuft das Projekt mittlerweile so gut, dass dieses Jahr noch ein zweiter Termin geplant ist.

Mitarbeiter helfen ehrenamtlich

Die Anreise gestaltet sich durch vorgegebene Zeitfenster, bestimmte Routen und benötigte Spezialfahrzeuge nicht ganz einfach und vor allem teuer: Über 3000 Euro kostet die Organisation. Letztes Jahr wurde die Disco als Jahresevent der Theo-Lorch-Werkstätten abgehalten und konnte so finanziert werden – das gehe aber nicht jedes Jahr, und so wurde für das diesjährige Tanzevent eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Bietigheim-Bissinger Oberbürgermeister Jürgen Kessing, der Schirmherr ist, hat ebenfalls mitgeholfen, und so konnte die Aktion dieses Jahr finanziert werden. Vor der Eröffnung der Tanzfläche übergab er den symbolischen Scheck mit einer Spendensumme von 3480 Euro.

Die Mitarbeiter des Clubs machen ehrenamtlich mit. So auch Marvin Kusch, der sich um die Technik kümmert. „Im Vergleich zum normalen Betrieb machen wir heute weniger Nebel und flackerndes Licht. Auch unsere Lasershow ist etwas kürzer.“ Für die Mitarbeiter sei das Event ein Highlight, erzählt er, es sei toll, den Menschen diesen schönen Moment bereiten zu können. „Man merkt, dass sie es vom ersten Moment an genießen.“ Er sei letztes Jahr schon dabei gewesen, erzählt einer der Besucher, und es habe ihm so gefallen, dass er nun wieder hier ist. Später wolle er auch noch tanzen, aber „erst mal ein Bier trinken“. Die Getränke sind heute alle alkoholfrei, wie Clubchef Ekkehard Menninger erklärt – und sie sind alle gratis.

Musikalisch kommt jeder auf seine Kosten: „Die Geschmäcker sind vielseitig, und wir machen für alle Musik“, sagt Menninger. Deshalb werde ein Mix aus allen Genres gespielt. Am Ende der zweistündigen Disco hätten sich manche Besucher verausgabt, andere seien noch topfit, erzählt Menninger. Toll sei, dass die Besucher reinkämen und direkt Party machen würden, die Stimmung sei sofort auf 100 Prozent. „Das dauert im normalen Betrieb immer ein bisschen“, sagt er.

„Die Menschen strahlen viel mehr Freude und Dankbarkeit darüber aus, dass sie hier sein dürfen“, findet Angelika Blumenstock. Als Frau des Clubchefs sei sie immer da, wenn es brennt, und halte ihrem Mann den Rücken frei: Sei es Reinigen, Aufräumen, den Weg zur Toilette zeigen, Fragen beantworten – oder auch Staus im Eingangsbereich auflösen. Für diesen Tag habe sie sich extra freigenommen. Dieses Jahr freue sie sich besonders über den großen Andrang, sie hätten nun den oberen Bereich im Club, den sie bei dieser Veranstaltung bisher weniger gebraucht hatten, geöffnet. Von der dortigen Sitzlounge könne man zuschauen, gerade, wenn man weniger Menschenkontakt wolle.

Ruheraum für Pausen

Es gebe auch einen Ruheraum mit Betreuung, sagt Blumenstock. „Viele sind schnell erschöpft, aber ich glaube, sie würden trotzdem am liebsten den ganzen Tag dableiben.“ Und als der DJ während seiner Show in den Raum ruft, ob alle gut drauf seien, ertönt ein bebendes, kollektives „Ja“.

 
 
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