Freudental Höhepunkt im Jahr 2025 war das Nachfahrentreffen

Von Gabriele Szczegulski
Freudentals Bürgermeister Alexander Fleigs eindrücklichste Erfahrung in 2025 war das Nachfahrentreffen. Das Gemälde „The Dark Angels of Freudental“, das der Nachfahre David Rubin gemalt hat, hängt in seinem Büro im Rathaus. Foto: /Oliver Bürkle

Bürgermeister Alexander Fleig ist froh, keinen Sanierungsstau zu haben und keine neuen Schulden machen zu müssen. 

Stolz zeigt Freudentals Bürgermeister Alexander Fleig auf das Gemälde, das in seinem Büro im Rathaus hängt. „The Dark Angels of Freudental“ heißt es und ist ein Werk von David Rubin, es ist eine Erinnerung an die Nazi-Zeit und die Juden in Freudental. Rubin ist ein Sohn von Margot Stein, die 15-jährig unter dramatischen Umständen aus Freudental flüchten musste, um den Nazis zu entkommen. Sie floh in die USA, emigrierte später nach Israel. Rubin und seine Familie waren im September Gäste beim zweiten Freudentaler Nachfahrentreffen.

40 Jahre PKC wurde gefeiert

Und dieses ist das erste, das Fleig nennt, als er seinen Jahresrückblick macht. „Für eine solch kleine Gemeinde wie Freudental war das der Höhepunkt des Jahres“, sagt er. Man habe sich als Kommune bewusst dafür entschieden, keine kommunalen Partnerschaften einzugehen, sondern dafür die Verbindung zu den Nachfahren der Freudentaler Juden zu intensivieren und zu pflegen. „Im 40. Jahr des Bestehens des Pädagogisch-Kulturellen Centrums Ehemalige Synagoge (PKC) war das Kommen von an die 20 Nachfahren und das Programm drumherum ein einmaliges Erlebnis“, so Fleig. Auch die Freudentaler Bevölkerung habe großes Interesse gezeigt und die Veranstaltungen in großer Zahl besucht.

Dann aber kommt Fleig zum Kerngeschäft und das sind – natürlich – die Finanzen der kleine Gemeinde, die, wie anderswo auch, nicht rosig aussehen. „Aber wir haben keinen Sanierungsstau, weil wir gut vorgeplant haben“, sagt der Bürgermeister. Und, auch das eine gute Nachricht, Freudental muss voraussichtlich keine neuen Schulden in 2026 aufnehmen.

Auch, weil Verwaltung und Gemeinderat entschieden haben, den Anbau an der Kita Taubenstraße nicht zu stemmen. Deshalb musste die Kommune auch eine Million Zuschuss vom Land wieder zurückgeben. „Aber es hätte uns noch mehr gekostet, das können wir uns derzeit nicht leisten. Es war eine schwere Entscheidung, aber eine richtige“, sagt Fleig.

Schwere Entscheidungen

In der Kinderbetreuung sei man dennoch gut aufgestellt. Das evangelische Gemeindehaus, das als Übergangslösung zur Kinderbetreuung gedacht war, wird zur Dauerlösung und auch der Naturkindergarten ist eine zusätzliche Lösung, damit es in Freudental genügend Betreuungsplätze gibt.

2025 musste die geplante Umgestaltung des Rathausplatzes zurückgestellt werden, aus finanziellen Gründen. Nun folgt die Umgestaltung zwar in 2026, aber deutlich abgespeckter als geplant. Die Aufenthaltsqualität sollte erhöht werden, jetzt wird es lediglich eine Bank geben und der Fokus liegt auf der verkehrlichen Gestaltung. Die Straße wird zur Einbahnstraße.

2025 wird sich die Verwaltung mit dem Baugesuch für den Anbau des Feuerwehrhauses beschäftigen und mit dem Stellen von Förderanträgen. 700.000 Euro wird dieser Anbau kosten, Fleig rechnet mit Zuschüssen in Höhe von 390.000 Euro. 500.000 Euro würden, so Fleig, aus dem Verkauf von drei Bauplätzen im Alleenfeld kommen, da aber auch 2026 ein neues Feuerwehrfahrzeug beschafft werden muss, rechnet Fleig mit einem Eigenanteil der Gemeinde von 70.000 Euro. Dies wird die wohl größte Investition in 2026 für Freudental. Der Kunstrasenplatz wird noch saniert. „Zum Glück haben wir schon 2018 in die Schule investiert“, sagt Fleig.

„Luft für Investitionen“ gebe der Gemeinde auch das Geld aus dem Sondervermögen des Bundes. 1,75 Millionen Euro, auf zwölf Jahre verteilt, also 120.000 Euro pro Jahr. „Wir müssen mit dem Gemeinderat sehr gut überlegen, welche Investitionen wir damit finanzieren“, so Fleig.

Hausaufgaben gemacht

Der Haushalt 2026 ist zwar nicht ausgeglichen, aber „wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und die Defizite verringert“, sagt Fleig. Dennoch müssen die Rücklagen angegriffen werden, neue können nicht angespart werden. „Wir müssen an die Rücklagen, um die laufenden Kosten des Haushalts zu decken“. Deshalb, so Fleig, werden dort Gebühren erhöht, wo nötig, beispielsweise die Friedhofsgebühren werden angehoben, wahrscheinlich auch noch mal die Grundsteuer. Und auch die Flüchtlinge müssen nun mehr Gebühren zahlen.

Pro Kopf müssen Asylsuchende, die in den Unterkünften der Gemeinde wohnen, künftig 330 Euro Pro Monat und pro Kopf zahlen, so Fleig. Bisher waren das fast die Hälfte weniger. „Migranten, die arbeiten, müssen diese Mietgebühr selbst zahlen, bei nicht Arbeitenden bekommen wir das Geld vom Landratsamt“, sagt Fleig. Zum einen sei das eine deutliche Mehreinnahme für die Gemeinde, zum anderen würden sich die Migranten vielleicht doch eine andere Wohnung suchen. Viele Jahre habe man keine Auszüge in den Unterkünften gehabt, 2025 seien drei Personen woanders hingezogen. „Man merkt, die Asylsituation entspannt sich“, so Fleig.

Für die Zukunft erhofft er sich, mehr Zuversicht in der Bevölkerung. Zudem wünsche er sich, dass die kommunale Finanzausstattung vom Land besser werde, „dass man endlich wieder schnaufen kann“, so Fleig.

 
 
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