Freudental Invasion der bunten Roboter

Von Jürgen Kunz
Medienpädagoge Chris Binder (links) und sein Co-Referent Andi Harr (nicht auf dem Foto) bauen mit den jungen Technikern der Freudentaler Grundschule Kunstmaschinen aus ausrangierten Elektrogeräten. Foto: /Martin Kalb

In der Freudentaler Grundschule hauchten 21 Viertklässler Elektronikschrott neues Leben ein. Im zweitägigen Projekt der LKJ experimentieren, erfinden und bauen die Schüler ihre eigene Kunstmaschine.

So ein geschäftiges Gewusel wie am Mittwoch und Donnerstag ist nicht die Regel im Alltag der Freudentaler Grundschule. Jetzt, kurz vor den großen Ferien, sind die 21 Viertklässler im Projekt „MakerBox“ der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung (LKJ) Baden-Württemberg eifrig dabei, aus Elektronikschrott bunte, fröhlicher Roboter zu bauen. „Man hat hier die freie Entscheidung, was man tun möchte, und es macht sehr viel Spaß“, sagt die zehnjährige Anni. Die Schülerin gehört zu einer von sieben Dreiergruppen, in der gemeinsam überlegt, nach Teilen gesucht und schließlich ihr Roboter aus Holz, einer ausgedienten Lampe in Form eines Plastikkopfs und einer ehemalige Kaffeemaschine gebaut wird.

Eltern sammeln Elektronikschrott

Die Idee, sich für das Projekt „MakerBox“ der LKJ zu bewerben, hatte Klassenlehrerin Heike Herbst. Nach der Zusage konnte sie die Eltern beim Elternabend vor einem halben Jahr darüber informieren, dass sie ihren Elektronikschrott für den Bau von Kunstmaschinen ihrer Kindern sammeln sollten. Auf Tischen in den beiden Klassenzimmern im Erdgeschoss der Freudentaler Schule sammelte sich am Mittwoch eine unüberschaubare Menge an elektronischen Bauteilen, Computertastaturen, Lautsprechern, LEDs, defekten ferngesteuerten Autos, aber auch Weinkorken und Schaltern. Auf dem Flur entstand an zwei Tischen eine Lötstation mit mehreren Arbeitsplätzen.

Fünf bis sechs Stunden wurde jeweils am Mittwoch und Donnerstag von den Viertklässlern gewerkelt, begleitet vom freien Medienpädagogen Chris Binder und Andi Harr, selbstständiger Filmemacher und nach eigenen Angaben „reingerutscht in die Medienpädagogik“. Zunächst haben die Kinder den Elektroschrott in seine Einzelteile zerlegt, dann schloss sich ein wenig Theorie über elektrische Schaltkreise an, erklärt Binder. Am Donnerstag ging es an die Planung und Ausführung der Roboter, die „eine eigene Persönlichkeit erhalten sollten“, wie der Medienpädagoge anmerkt.

Roboter mit eigener Geschichte

Am Ende der beiden Projekttage wurden die kleinen Maschinchen präsentiert und von den Schülergruppen deren Geschichten erzählt. Darunter auch der Roboter „Kizo“ von Hannah, Linda und Ida, dessen Name sich zufällig aus Buchstaben einer alten Kamera zusammensetzt. „Der Kopf leuchtet bunt, der Körper ist weiß und er soll fahren“, erklärt Linda und ihre Gruppenkollegin Hannah hat schon Zukunftspläne: „Wenn ich groß bin, will ich einen Roboter bauen, der noch viel mehr kann.“

Die kleinen Kunstwerke spiegeln die persönlichen Stärken der Teilnehmer wider, offenbaren Talente und machen Mut, sich weiter mit dem Thema Technik zu beschäftigen, so der Anspruch des LKJ. „Die Kinder entwickeln gemeinsam eine Kompetenz-Lösung und bekommen ein Verständnis für Nachhaltigkeit und sollen so einen Blick dafür bekommen, welche ,Schätze’ im Elektronikschrott vorhanden sind“, ergänzt Binder.

 
 
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