Freudental Lebenslinien von Freudental führen in die Welt

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Freudentaler Kinder haben zwischen einzelnen Grabsteinen auf dem jüdischen Friedhof Lebenslinien der jüdischen Bürger und ihrer Nachfahren, die am Donnerstag nach Freudental kommen, verknüpft. Der pädagogische Leiter des Pädagogisch-Kulturellen Centrums Ehemalige Synagoge Michael Volz (links) und Freudentals Bürgermeister Alexander Fleig werden die Nachfahren auf den Friedhof führen. Foto: /Martin Kalb

Vom 11. bis 14. September veranstalten Gemeinde und PKC das zweite Nachfahrentreffen jüdischer Bürger. 25 Nachfahren kommen. 

Von 1723 bis 1942 war Freudental eine der bedeutendsten jüdischen Landgemeinden Württembergs. Hungersnöte wie in den 1880er-Jahren, die wachsende Industrialisierung in den 1920ern waren Gründe, dass viele Freudentaler Juden das Dorf verließen. Und bis 1942 schaffte es die NSDAP; alle Freudentaler Juden zur Flucht zu zwingen oder verschleppten und ermordeten sie.

An jüdisches Leben in Freudental erinnern

Das Pädagogisch-Kulturelle Centrum Ehemalige Synagoge (PKC) in Freudental, die Gemeinde und der seit zehn Jahren bestehende Arbeitskreis Erinnern und Gedenken haben sich zur Aufgabe gemacht, das jüdische Leben in Erinnerung zu halten.

2017 fand erstmals ein Treffen von Nachfahren ehemaliger jüdische Freudentaler Einwohner statt. An die 20 Nachfahren aus der ganzen Welt, vor allem aber aus den USA, Israel, aber auch aus der Schweiz, Guatemala und Argentinien; waren gekommen. 2023 wollte die Gemeinde und das PKC ein zweites Nachfahrentreffen organisieren, auch auf Wunsch der Gäste des Jahres 2017. Dann fand im Oktober der Anschlag der palästinensischen Hamas auf jüdische Bürger statt und der Krieg im Gazastreifen begann.

Doch nun, zum zehnjährigen Bestehen des Arbeitskreises Erinnern und Gedenken, so Bürgermeister Alexander Fleig, lud man zum zweiten Nachfahrentreffen ein. 30 Nachfahren aus aller Welt meldeten sich für das Treffen von Donnerstag, 11. September, bis Sonntag, 14. September an. Leider, so Fleig, mussten einige mittlerweile absagen, sodass 25 Gäste erwartet werden. Die Gäste werden im Gästehaus des PKC untergebracht – kostenlos. Die Gemeinde gibt ihnen auch einen Zuschuss zu den Reisekosten. Gefördert wird dies durch mehrere Sponsoren wie die Allianz für Beteiligung, die Bruker-Stiftung, die VR-Bank und die Kreissparkasse. Ermöglicht wird das Treffen durch Freudentaler Vereine und ehrenamtliche Helfer.

Das internationale Netzwerk der Nachfahren jüdischer Bürger aus Freudental bezeichnet Fleig als „Partnerschaft in die Welt“. Den Grundstein dafür legten der Autor Steffen Pross, der sich intensiv mit der Geschichte der Juden in Freudental beschäftigte; und der erste Leiter des PKC, Ludwig Bez. Durch die Kommunikation der Nachfahren untereinander, so Pross, sei das Treffen in Freudental weltweit publik geworden. „Viele der Teilnehmer des ersten Treffens wollten unbedingt wiederkommen, andere haben weitere Familien motiviert“, sagt Pross.

Einige Nachfahren sind zum ersten Mal in Freudental

Was ihn besonders freue, sei aber auch, dass Nachfahren von jüdischen Familien, die schon zwischen 1880 und 1920 ausgewandert seien, „erstmals nach Freudental kommen“, so Pross. Es kommen Nachfahren der Familien Levi, Stein, Marx, Herrmann, Blum, Spatz und Rothschild.

„Ich finde es einen Beweis ungewöhnlichen Vertrauens, dass diese Nachfahren nach Freudental kommen. Aber auch vonseiten der Gemeinde ist es mutig und lobenswert, in einer Zeit wie jetzt, wo der Antisemitismus wieder aufflammt, dieses Treffen zu veranstalten“, sagt Pross.

„Die Bürger Freudentals, der Gemeinderat und ich stehen voll hinter diesem Treffen und engagieren uns für diese Partnerschaft“, so Bürgermeister Fleig. Bewusst würde die Gemeinde keine andere kommunale Partnerschaft eingehen, um sich verstärkt ihrer Geschichte jüdischen Lebens zu stellen.

Programm des Nachfahrentreffens

 Am Donnerstag, 11. September, 19 Uhr, werden die Gäste im Rathaus Freudental empfangen. David Rubin, der älteste Sohn der Freudentalerin Margot Stein, wird seine Gemälde ausstellen. Die kleine Werkschau ist seine erste in Europa und wird nach Freudental auch in Wien gezeigt. Steffen Pross wird am Freitag, 12. September, 14 Uhr, die Nachfahren zu den ehemaligen Häusern ihrer Vorfahren führen. Michael Volz, pädagogischer Leiter des PKC, leitet am Samstag den Theaterspaziergang „Der letzte Schammes“ in englischer Sprache.

Am Samstagabend sind die Gäste in Freudentaler Familien zum Essen eingeladen. „Das war auch 2017 einer der schönsten Teile des Treffen, es ist schon was Besonderes für die Nachfahren, wieder bei Freudentalern am Tisch zu sitzen“, so Bürgermeister Alexander Fleig.

Am Sonntag, 14. September, 10 Uhr, gibt es einen ökumenischen Gottesdienst im PKC, um 11 Uhr, einen Brunch im Johann-Klepper-Haus. Anschließend wird in der Strombergstraße 13, der ehemaligen Judenschule sowie Wohnhaus der Familie Stein eine Gedenktafel enthüllt und im Garten der Erinnerung ein Baum gepflanzt.

Anschließend geht es zum jüdischen Friedhof. Das PKC hat im Ferienprogramm der Gemeinde mit Kindern die Stammbäume von jüdischen Familien durchsucht und Verbindungen der Gräber hergestellt. Mit bunten Bändern haben die Kinder die Grabsteine verbunden, deren Verstorbene miteinander verwandt waren.

Das Nachfahrentreffen endet am Sonntag um 18 Uhr mit der Premiere des Dokumentarfilms „Freudental“ von Thomas Lahusen im PKC. Darin befasst er sich mit der Geschichte seiner Familie. Seine Großmutter Rahel war eine Freudentaler Jüdin. Teile des Films wurden dort beim ersten Nachfahrentreffen im Jahr 2017 gedreht.

 
 
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