Freudental „Legendärer“ Redner verlässt den Rat

Von Gabriele Szczegulski
Wechsel im Freudentaler Gemeinderat: Bürgermeister Alexander Fleig (links) verabschiedete Norbert Schmatelka nach 36 Jahren. Nachfolgerin ist Leonie Gutzeit. Foto: /Oliver Bürkle

Nach 36 Jahren legt Norbert Schmatelka sein Amt im Freudentaler Gemeinderat nieder.

Seine Haushaltsreden seien legendär, sein Einstehen für Natur und Umwelt habe die Freudentaler  Gemeinderäte nachhaltig beeinflusst – so beschrieb Bürgermeister Alexander Fleig am vergangenen Mittwoch den scheidenden Gemeinderat Norbert Schmatelka von der Bürgergruppe Freudental. 36 Jahre war er Mitglied des Gemeinderats. „Wir von der Bürgergruppe waren vor 36 Jahren eine junge wilde Truppe, die alles anders machen wollte“, sagte Schmatelka.

Gemeinsam mit dem damaligen Bürgermeister Hartmut Singer wollte man Freudental voranbringen. Singer selbst war, 83-jährig, zur Verabschiedung seines langjährigen Weggenossen gekommen. Überhaupt: Der Ratssaal war mehr als gefüllt, so viele Freudentaler und Freudentalerinnen waren gekommen, um den 67-jährigen Schmatelka zu verabschieden, der die meisten von ihnen beim Namen nannte. Auch Schmatelkas Frau und seine drei erwachsenen Kinder waren gekommen.

Aus Altersgründen, so die offizielle Begründung, scheide er aus. Schmatelka selbst sagte, er sei müde, möchte manche Diskussionen nicht mehr führen und auch die zunehmende Digitalisierung „ist nicht mein Ding“. Im Bauausschuss und jahrelang als Fraktionsvorsitzender der Bürgergruppe sei Schmatelka das Gewissen von Natur und Umwelt gewesen, sagte Fraktionskollege Jörg Eberle. Mehrmals sei er auch bei Gemeinderatswahlen der Stimmenkönig Freudentals gewesen.

„Du hast mitgeholfen, Freudental als kleinste Gemeinde des Landkreises zu einer lebenswerten Kommune zu machen“, sagte Eberle. “ Er habe immer den Naturschutz vorne angestellt, Bauprojekte kritisch beäugt und konstruktive Diskussion „mit altem Wissen“ geführt. „Das wird uns sehr fehlen“, so Jörg Eberle. „Misch dich bitte weiter ein“, sagte er. „Ich bleibe trotzdem ein aktiver Bürger, keine Sorge. Wenn mir was gegen den Strich geht, mische ich mich ein“, antwortete Schmatelka.

Gärtner aus Leidenschaft

Auch Gemeinderatskollegin Karlin Stark (CDU) fand nur positive Worte für den Scheidenden. „Du bist Gärtner nicht nur von Berufswegen sondern aus Leidenschaft“, sagte sie. Schmatelka habe ihnen allen den Blick geschärft und Freudental nachhaltig geprägt. Seine Menschlichkeit sei ohnegleichen. Peter Wolss von der Freudentaler Mitte sagte, sie seien zwar nicht immer einer Meinung, aber die Kulturlandschaft in der Region zu erhalten „liegt uns beiden am Herzen“.

Norbert Schmatelka bedankte sich bei den Menschen im Ratssal. Er sei gerührt, „das macht schon was mit mir, dass so viele gekommen sind“. Er sang ein Loblied auf Bürgermeister Alexander Fleig, der „das fast schon untergehende Schiff Freudental nicht sinken ließ“ nach dem „Notstandsprogramm“ mit Bürgermeisterin Dorothea Bachmann. Schwer falle ihm immer noch, dass man das Schloss „weggeben musste, in dem so viele Freudentaler Kinder spielten, auch meine“, so der 1977 nach Freudental gezogene Gärtnermeister. „Dieses Alleinstellungsmerkmal in der Region ist uns verloren gegangen.“ Da sei die überaus gelungene Schönenberghalle nur ein kleiner Trost.

Auch den Verlust der Rebhänge in Richtung Hohenhaslach durch die Flurbereinigung betrauere er zutiefst. „Haben Sie nun gehört, warum wir einen brillanten und humorvollen Redner, der alles auf den Punkt bringt, verlieren?“ – mit diesen Worten beschloss Bürgermeister Fleig einen denkwürdigen Abschied. Für Schmatelka rückt Leonie Gutzeit nach. Steffen Grob übernimmt Schmatelkas Platz im Bauausschuss, Gutzeit den von Grob im Sozialausschuss.

 
 
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