Wilhelmine von Grävenitz, die Mätresse von Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg, kaufte 1717 Freudental für 47.000 Gulden. Zunächst lies sie 1728 den seit dem 16. Jahrhundert beauftragt Schlossbau von Oberbaumeister Paolo Retti, dem Erbauer des Ludwigsburger Barockschlosses, renovieren und beauftragte ein Jahr später Retti mit dem Bau eines neuen Schlosses, das sich südlich an den alten Bau anschloss und 1731 fertiggestellt war. 10.000 Gulden erhielt Retti für die schlüsselfertige Übergabe.
Freudental Nie das Schloss der Freudentaler
In seiner 295 Jahre langen Geschichte ist für das Freudentaler Schloss das einzig Beständige der Wandel. Gebaut von Wilhelmine von Grävenitz wechselten vielfach Besitzer und Nutzung.
Christina Wilhelmina, Reichsgräfin von Würben und Freudental, regierende Gräfin zu Welzheim und Gochsheim, Frau auf Freudental und Neckar-Boyhingen, geborene Gräfin von Grävenitz, wie sie sich selbstbewusst nannte, hatte allerdings nur ein Jahr Freude an ihrem als als Sommerresidenz und Jagdschloss beliebten Schlösschen. 1732 verlor die Gräfin Freudental samt Schloss an Württemberg.
Herzog Eberhard Ludwig hatte sich von seiner langjährigen Mätresse getrennt und sie in Freudental rechtswidrig verhaften lassen. Vorbei war es mit dem illustren Treiben, bei dem sich die politische und gesellschaftliche Elite recht wenig um die herrschenden württembergischen und pietistischen Grundsätze scherten.
Haus Württemberg kauft Schloss
Ihr Schloss wurde in einem Vergleich 1732/1736 vom Haus Württemberg gekauft. Ab 1742 befand sich in dem Gebäude der Sitz des Oberforstmeisters am Stromberg, ab 1807 auch der Sitz der Kameralverwaltung der Hof- und Domänenkammer. 1810 ließ König Friedrich I. von Württemberg von Nikolaus Thouret weitreichende Veränderungen ausführen, um das Schloss zu seinem Jagd- und Sommerschloss auszubauen. Den alten Schlossflügel ließ König Friedrich bis auf das Erdgeschoss abtragen, der Kavalierbau und Prinzenbau (heute Rathaus) wurden gebaut, die Kaserne, ein Treibhaus und eine Gärtnerei, die Springbrunnen und Seen im groß angelegten Garten im Empire-Stil errichtet. Nach dem Tod Friedrichs 1816 wurde das Gebäude lange nicht genutzt.
Etwas mehr als 40 Jahre später wurde dann im Kavaliersbau die Dienstwohnung des Hofkammerförsters sowie zwischenzeitlich eine christliche Volksschule untergebracht. Ab 1867 verbrachten außerdem die Pensionärinnen des Katharinenstifts ihre Sommerferien auf dem Schlossgut. 1903 kaufte Freiherr Wilhelm Schertel von Burtenbach das gesamte Anwesen.
1911 wurde das Schloss an den Stuttgarter Ortskrankenkassenverband für 70.000 Mark verkauft, der das Gebäude vom Architektenbüro Suter & Liedecke umbauen ließ. Während beider Weltkriege war das Schloss ein Lazarett.
Alten- und Pflegeheim des Kreises
In den ersten Nachkriegsjahren wurde im Grävenitzschen Schloss ein Lungensanatorium betrieben, bevor es 1961 für 730.000 DM vom Landkreis Ludwigsburg gekauft wurde, der es nochmals für 500.000 DM zu einem Alten- und Pflegeheim umbauen ließ. Ab 1962 wurde im Freudentaler Schloss das Alten- und Pflegeheim des Landkreises Ludwigsburg betrieben. Bis 1976 wurden bei einer notwendigen Modernisierung die Räume für 34 Altenheim- und 54 Pflegeheimplätze umgebaut.
Nach dem Beschluss des Ludwigsburger Kreistags das Kreisaltenheim aufzugeben, war der Neustart für das Freudentaler Schloss 2007 recht holprig. Der erste Anlauf, das Schloss an einen Arzt aus Ludwigsburg zu veräußern, der vor allem in einem Neubau im Park ein medizinisches Zentrum errichten wollte, scheiterte im Frühjahr an Indiskretionen und am Widerstand der Gemeinde, wie die BZ berichtete. Damals kritisierte Bürgermeisterin Dorothea Bachmann Landrat Dr. Rainer Haas und dessen Unterhändler Dr. Christoph Schnaudigel, die Gemeinde sei in die Verkaufsgespräche so gut wie gar nicht einbezogen worden. Der Landrat gelobte Besserung.
Plane von Galerist Rudolf Bayer
Am 20. Juli 2007 entschied der Kreistag in nicht öffentlicher Sitzung mehrheitlich, das Schloss an den Bietigheimer Galeristen Rudolf Bayer für zwei Millionen Euro zu verkaufen. Die gemeinnützige GmbH „Stiftung Bildungsland“ wollte das Anwesen mieten und darin ein privates Gymnasium betreiben. Nur wenige Minuten nach der geheimen Abstimmung ließ der Landrat in einer Presseerklärung verlauten, die Entscheidung sei „ein echter Glücksfall“ und „der Investor ist im Interesse der Gemeinde und des Landkreises“. Ein ungewöhnlicher Vorgang. Ungewöhnlich auch, wie deutlich die Kritik von Freudentals Bürgermeisterin Dorothea Bachmann ausfiel, die die Sicht des Landrats nicht teilen wollte.
Von einem „zermürbenden Kampf gegen Windmühlen“ sprach Schlosseigentümer Bayer nachdem er im Sommer 2020 das Anwesen an die Wohninvest Verwaltungs GmbH verkaufte, die dort eine private Akutklinik für Psychiatrie und Psychotherapie zu eröffnen beabsichtigte. Vorausgegangen waren 13 schwierige Jahre in denen weder das private Gymnasium noch das Schulungszentrum für das Projekt „Mus-E“ der Yehudi-Menuhin-Stiftung umgesetzt werden konnte. Letztendlich vermietete er das Anwesen für Veranstaltungen, Tagungen, Seminare und Workshops, auch für Hochzeiten und Familienfeiern und organisierte vereinzelt kulturelle Veranstaltungen. Bayer habe „unglaublich viel gemacht und dem Schloss seine Würde zurückgegeben“, das zuvor zweckmäßig als Altersheim ausgestattet war, wie Kenner des Anwesens sagten.
Private Akutklinik seit 2022
Im März des 2022 hat die Libermenta Klinik im Freudentaler Schloss den Betrieb aufgenommen. Zuvor wurden die historischen Gemäuer mit moderner Ausstattung verbunden. Für die Patienten gibt es rund 65 Einzel- und Doppelzimmer. Die Freudentaler Privatklinik ist eine private Akutklinik für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Sportpsychiatrie. Sie behandelt erwachsene Patienten stationär sowie teilstationär in einer Tagesklinik bei einem breiten Spektrum seelischer und körpernaher Leiden.
