Freudental plant Erweiterung Nahwärme kann sich verdreifachen

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Zwischen Sporthalle und Aussiedlerhof soll eine Solarthermieanlage mit einer Modulfläche von 1800 Quadratmetern, mit der Möglichkeit zur Erweiterung um 200 Quadratmetern, entstehen. ⇥ Foto: Martin Kalb

Die Gemeinde plant den Netzausbau und will die Heizzentrale mit zwei Gasbetrieben Blockheizkraftwerken und Solarthermieanlage mit einer Kollektorfläche von 1800 Quadratme tern.

Die „Hausaufgaben“ für die Erweiterung der Freudentaler Nahwärmeversorgung sind gemacht. Bereits im Sommer 2018 hatte der Gemeinderat das Ingenieurbüro IBS (Bietigheim-Bissingen) beauftragt, das Quartierskonzept „Freudental Süd“ zu erarbeiten, mit möglichen Nahwärme-Ausbauvarianten für das Gebiet zwischen Pforzheimer Straße und Bietigheimer Straße und dem Anschluss des Neubaugebiets „Alleenfeld“. Seit Ende März liegt nun der Abschlussbericht vor, in der Gemeinderatssitzung am Mittwochabend stellte Ingenieur Rainer Wegscheider die wesentlichen Ergebnisse des 95-seitigen Berichts vor. Nach mehreren Ausbaustufen und dem künftigen Anschluss des Schlosses (mit einem Wärmebedarf von jährlich 400 000 Kilowattstunden) könnte der zu deckende Wärmebedarf von aktuell 1,61 Millionen Kilowattstunden pro Jahr (kWh/a) auf knapp 6,4 Millionen kWh/a steigen.

Mehr als 300 Gebäude stehen im Quartier „Freudental Süd“. „Es gibt einen deutlichen Sanierungsstau in diesem Gebiet“, sagte Wegscheider: Etwa mehr als die Hälfte der Gebäude hat neue Fenster, bei 41 Prozent wurde das Dach, bei 14 Prozenten die Fassade saniert. Jeweils 21 Prozent der Wohngebäude sind mit Brennwerttechnik beziehungsweise Holz-Zusatzheizung, vier Prozent mit einer Holzzentralheizung modernisiert worden. Mit einer Photovoltaikanlage wird auf sieben Prozent der Häuser Strom erzeugt, acht Prozent haben eine Solarthermieanlage fürs Brauchwasser, sechs Prozent nützen die Sonnenenergie für Brauchwasser und Heizung.

Insgesamt besteht in dem Wohngebiet ein jährlicher Wärmebedarf von sieben Millionen kWh, wodurch momentan rund 2274 Tonnen CO2-Emissionen entstehen. Die Ergebnisse des Quartierkonzepts zeigen auch, dass die Dachflächen ein Solarpotenzial von 1,58 Million kWh/a haben, was rund 83 Prozent des Strombedarfs im Quartier entspricht.

„Im Bestandsnetz sind wir gut unterwegs“, betonte Bürgermeister Alexander Fleig, und durch den weiteren Ausbau – im Dezember 2019 hat der Gemeinderat beschlossen, das künftige „Alleenfeld“ ans Nahwärmenetz anzuschließen – in „Freudental Süd“ und durch das Schloss, könne die Wirtschaftlichkeit erreicht werden. Ende 2019 waren 38 Gebäude an das Wärmenetz angeschlossen, bis Ende 2020 werden es mindestens 45 sein.

Durch Erweiterung in
die Gewinnzone

Wird im Bestandsnetz zurzeit ein jährlicher Verlust von 6000 Euro ausgewiesen, könne durch die geplante Erweiterung der Heizzentrale mit zwei gasbetriebenen Blockheizkraftwerken (BHKW) und eine Solarthermieanlage mit einer Modulfläche von 1800 Quadratmetern künftig einen jährlichen Gewinn von knapp 40 000 Euro erwirtschaftet werden. „Die BENE muss Geld verdienen. Die Anlaufverluste waren eingeplant, mit einem Netzausbau können wir in die Gewinnzone kommen“, bestätigte Jürgen Gölz von Bürger.Energie.Neckar.Enz (BENE), als Betreiber des Freudentaler Nahwärmenetzes.

Nach den momentanen Überlegungen wird die Gemeinde das Solarthermiefeld bauen, und die Wärmeenergie an die BENE verkaufen. Die Schätzung der Investitionskosten für die Erweiterung der Heizzentrale und den Bau der BHKW weist knapp 500 000 Euro aus. Nach einer Förderung durch das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG) in Höhe von rund 230 000 Euro, bleibt eine Investitionssumme von rund 330 000 Euro übrig. Die Investitionen für die Solarthermieanlage und den Ausbau des Wärmenetzes werden mit 2,56 Millionen Euro ausgewiesen. Abzüglich der KWKG-Förderung (230 000 Euro), KfW201-Förderung (55 000 Euro), Landesförderung (200 000 Euro) sowie der Baukostenzuschüsse – die Kosten für einen Anschluss an das Nähwärmenetz werden rund 12 000 Euro pro Haus betragen – in Höhe von 980 000 Euro bleibt eine Investitionssumme von 510 000 Euro.

Nach einem Gemarkungsrundgang der Gemeinderäte sollen die Planungen verfeinert werden und im Herbst vom Gemeinderat beschlossen werden – mit dem Ziel, bis Ende 2020 die Planungen für die Erweiterung des Nahwärmenetzes abzuschließen.

 
 
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