Freudental und Tripsdrill Straßensperre: Amphibien haben Vorfahrt

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Zwischen Tripsdrill und Freudental wurde jetzt eine Schranke installiert. Damit wird die Kreisstraße von 19 bis 6 Uhr gesperrt, um die Amphibien zu schützen. ⇥ Foto: Martin Kalb

Die Kreisstraße 1632 zwischen Freudental und Tripsdrill wird im Frühjahr in der Zeit der Amphibienwanderung abends und nachts für den Verkehr gesperrt. Die ersten Schranken sind jetzt aufgebaut worden. Kritik kommt vom Tripsdrill-Geschäftsführer.

Es ist eine im Landkreis einzigartige Maßnahme zum Schutz der Amphibien, die die Kreisbehörde nun umsetzt. Viele Jahre war die Kreisstraße zwischen Freudental und Tripsdill zu dieser Jahreszeit mit Holzbarrieren und -schranken abgesperrt, die aber immer wieder weggeräumt wurden. Eine Amphibien-Unterquerung mit Röhren gibt es nicht, und erst in drei Jahren wird die nach Umfragen schlechteste nördliche Kreisstraße auch endlich saniert und der Amphibienschutz womöglich verbessert.

Für Helmut Fischer, Geschäftsführer des Erlebnisparks Tripsdrill mit zuletzt 780 000 Besuchern, ist das Ganze fast ein „Schildbürgerstreich“. Die Vollsperrung einer wichtigen Straße über einen so langen Zeitraum zum Schutz von Amphibien hält er für „unverhältnismäßig und völlig überzogen“, so Fischer, der hier große Probleme für Einsatzkräfte im Notfall sieht und sich an beide Landratsämter in Ludwigsburg und Heilbronn gewandt hat. „Mit einer Voll-Abschrankung drohen wir ins frühe Mittelalter zurückzufallen. Wir haben allergrößte Bedenken, dass dadurch eventuell auch Menschen in Gefahr kommen können“, so Fischer in seinem Schreiben, das der BZ vorliegt.

Bei Übernachtungsgästen könnten akute Krankheitsbeschwerden auftreten, bei denen der Rettungswagen aus Bietigheim das Natur-Ressort nicht auf dem schnellsten Wege erreichen könnte. Ähnliche Szenarien seien auch bei anderen Rettungs- oder bei Feuerwehreinsätzen denkbar, die dann zwei Schranken öffnen und wieder schließen müssten. „Das nächste Krankenhaus ist in Bietigheim“, so Fischer auf Anfrage der BZ, „und dann geht es um Sekunden“. Für seine Übernachtungsgäste und abendliche Besucher im Wildparadies bedeute das größere Umwege über Bönnigheim, und auch der Lastwagen-Verkehr sei von der Maßnahme betroffen. Wenn dieser dann über die Bönnigheimer Burgstraße geleitet werde, habe dies erhebliche Folgen für die Anwohner, befürchtet Fischer. Dass keine einfache Röhre in die Straße gelegt werden kann, sei ihm unverständlich.

Weil es eine Gemeinschaftsmaßnahme der beiden Landratsämter Ludwigsburg und Heilbronn ist, wird es zwei Schranken geben, die den Verkehr für alle Fahrzeuge stoppen. Nach Untersuchungen sollen dort insgesamt neun Amphibienarten vorkommen, von denen zwei stark gefährdet und drei gefährdet sind. Der Schutz der Amphibienarten sei eines der definierten Ziele des FFH-Gebiets Stromberg, heißt es vom Landratsamt Ludwigsburg. Rettungsdienste könnten im Einsatzfall die Schranke öffnen und passieren, erklärt das Landratsamt zur Maßnahme.

Topografie verhindert Röhre

Dass noch keine Querung mit einem Trichter und einer Röhre gebaut wurde, liege an der Topografie der Strecke. „Die Strecke wird in Abhängigkeit des Witterungsverlaufs und der dadurch bedingten Amphibienwanderphase gesperrt werden. Grob eingrenzen lässt sich dies auf Mitte Februar bis Mitte April. In diesen Nächten wird dann von etwa 19 bis 6 Uhr die Straße gesperrt“, so Landratsamts-Sprechrein Caren Sprinkart. Alternativen seien umfassend geprüft worden, doch auf Grund der Lage im Einschnittbereich und der dadurch vorhandenen steilen Böschungen lasse sich dort keine herkömmliche Amphibienleiteinrichtung mit Durchlässen realisieren.

Fischers Schreiben haben nichts bewirkt und die erste Schranke steht seit dieser Woche auf Heilbronner Gemarkung. Die zweite auf Ludwigsburger Seite am Häckselplatz soll noch kommen und wurde bereits vorbereitet. Wenige Meter vor dem Häckselplatz wurden die Fundamente betoniert, was ein weiteres Problem nach sich zieht. Ist die Schranke geschlossen, kann der Platz von den Nutzern aus Bönnigheim und Freudental abends nicht mehr angefahren werden.

Was Fischer ebenso stört, ist „der Anblick das ganze Jahr über“. Er setze sich sehr für Natur und Umwelt ein und habe vor Jahren schon gegen das geplante Windrad im Wald protestiert. „Bei aller Sympathie für die Belange des Naturschutzes dürfen wir nicht die Sicherheit und die Belange der Menschen völlig vernachlässigen“, so Fischer in seinem Schreiben.

 
 
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