Freudentaler Synagoge wird 252 Jahre alt Kinder spielen heute wie damals gerne am Steinbach

Von sz
Drittklässler der Freudentaler Grundschule brachten im Vorfeld des Synagogenfestes an neun, für sie und frühere jüdische Kinder bedeutsamen Plätzen, ein Graffiti an (hier vor der Grundschule), auf dem in moderner und alter Schrift „Daheim in meinem Dorf“ steht. Foto:  

Das PKC holt die Festlichkeiten zum 250-jährigen Bestehen des Gotteshauses nach. Im Mittelpunkt steht ein Projekt von Drittklässlern.

Der Steinbach in Freudental ist das Bindeglied zwischen Kindern der 1930er-Jahre und denen von heute. Schon Julius Marx, ein 1888 in Freudental geborener Jude, schrieb in seinem Gedicht „Mein kleines Dorf“ vom Spiel am Steinbach. Und auch die heutigen Freudentaler Grundschüler spielen noch am liebsten an dem Bachlauf.

Um zwei Jahre verschoben

Das war eines der Ergebnisse eines Projektes, das das Pädagogisch-Kulturelle Centrum Ehemalige Synagoge (PKC) unter der Federführung des Leiters Pädagogik und Kultur, Michael Volz, mit Drittklässlern der Grundschule Freudental und Schulleiterin Dagmar Nietsche im Vorfeld der Feierlichkeiten zu 250 Jahre Synagoge machten. Coronabedingt mussten Projekt und Fest um zwei Jahre verschoben werden. Die damals angedachte Kooperation blieb bestehen und trägt nun Früchte, die am Synagogenfest präsentiert werden.

Lieblingsorte früher und heute

Unter dem Titel „Daheim in meinem Dorf“ lernen die Drittklässler schon seit Beginn des Jahres nicht nur ihr Dorf kennen, sondern auch dessen – jüdische – Vergangenheit.

Kinder spielen gerne. Und das war für das Projekt der Ausgangspunkt. Nachdem sie sich auf Spurensuche in der Synagoge gemacht hatten, alte Spiele wie „Hüpfekästchen“ lernten oder sich für das Purim-Spiel in der ehemaligen Synagoge verkleideten, suchten sie im Dorf nach ihren Lieblings-Spielplätzen und machten eine Rangliste ihrer fünf Lieblingsorte im Dorf, auf der auch der Steinbach steht. Dazu kommen noch „der Tartan“, also der Sportplatz hinter der Schule, der Eingang der Schule, der Eisbauer und der Kletterbaum. Diese Plätze bedeuten für die Kinder Heimat.

Und aufgrund des Gedichtes „Mein kleines Dorf“ von Julius Marx, der in die Schweiz ausgewandert war und vor 50 Jahren der letzte Jude war, der auf dem jüdischen Friedhof bestattet wurde, wussten sie auch die Lieblingsspielplätze von früher. Die Drittklässler beschäftigten sich immer in Gruppen mit einer Strophe des sechsstrophigen Gedichts über Marx’ Kindheit und Jugend in Freudental. Die Synagoge, der Garten der Erinnerung, der jüdische Friedhof und eben der Steinbach sind Orte, die im Gedicht beschrieben sind. So sind also neun Plätze in Freudental ausgemacht worden, die für die Menschen über die Jahrhunderte hinweg von Bedeutung sind.

Am vergangenen Freitag haben die Schüler und Schülerinnen diese neun Plätze gekennzeichnet, mit einem aufgesprühten Schriftzug, auf dem „Daheim in meinem Dorf steht“. Am kommenden Wochenende wird Volz zu diesem Orten führen.

Kinder führen durch Synagoge

Aber auch die Kinder werden Führungen durch die Synagoge anbieten und demonstrieren, was sie während des Projekts gelernt haben: über die Tora und hebräische Buchstaben. Sie erklären die Fotos aus dem „Letzten Sommer“ einer Freudentaler Jüdin und zeigen, welches Foto sie heute schießen würden, wenn es ihr letzter Sommer in Freudental wäre. Die Kinder erklären, wie Juden gefeiert haben.

„Die Kinder sind stolz wie Oskar darüber, was sie nun alles wissen und anderen zeigen können. Durch das Projekt identifizieren sie sich nicht nur mit ihrem Heimatort sondern auch mit dessen Geschichte“, so Schulleiterin Nietsche.

252 Jahre Freudentaler Synagoge

1770
wurde in Freudental mit finanzieller Unterstützung des Herzogs von Württemberg die noch heute bestehende Synagoge gebaut, nachdem das bestehende Gebäude baufällig geworden war. 1723 hatten Juden die Einladung der Freudentaler Ortsherrschaft bekommen, ins Dorf zu ziehen und mit einem Schutzbrief versehen zu werden. Bis 1850 war die jüdische Gemeinde auf 370 Menschen angewachsen, das machten 40 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Danach verließen mehr Juden den Ort, als dazukamen. 1933 gab es noch 70 Juden.

Das Festwochenende
zum 250-jährigen Bestehen der Synagoge wird wegen der Corona-Pandemie zwei Jahre zu spät gefeiert. Es beginnt am Freitag, 22. Juli, 19 Uhr, mit einem Open-Air-Konzert mit dem Bourbon Street Ramblers und der Band El Violin Latino. Am Samstag, 23. Juli, 18 Uhr, spielt Stefan Hallmayer vom Theater Lindenhof das Stück „Einwandfrei Manfred“. Am Sonntag, 24. Juli, findet von 14 bis 16 Uhr ein Tag der offenen Tür statt. Es wird ein buntes Fest mit Jongleuren vor der Synagoge gefeiert und spannenden Kurzführungen in der Synagoge durch die Schülerlotsen der Freudentaler Grundschule. Durch den Neubau führt der Architekt. Um 16.30 Uhr gibt es eine Führung mit dem Leiter für Pädagogik und Kultur, Michael Volz, auf den Spuren des Jüdischen Lebens durch Freudental. Informationen und Anmeldungen online.

www.pkc-freudental.de

 
 
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