Friedhofsgestaltung in Bietigheim-Bissingen Trotz Kritik: Es bleibt bei Splitt

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Splittwege auf dem Friedhof Sankt Peter in Bietigheim. Die Wege zwischen den Gräbern sollen auf den Bietigheim-Bissinger Friedhöfen auch künftig mit diesem Material gestaltet werden.⇥ Foto: Helmut Pangerl

Der Bietigheim-Bissinger Gemeinderat hat sich mehrheitlich gegen eine Rückkehr zu Plattenwegen zwischen den Gräbern entschieden. Bei der Anlage neuer Grabfelder soll aber auf breitere Wege geachtet werden.

Seit 2016 werden die Wege zwischen den Gräbern auf den Bietigheim-Bissinger Friedhöfen mit Splitt gestaltet. Die durch Setzungen verursachte Stolpergefahr sowie die Kosten hatten Verwaltung und Gemeinderat dazu veranlasst, von der zuvor üblichen Verwendung von Waschbetonplatten abzusehen. Doch bald schon regte sich in der Bürgerschaft Kritik an der Splitt-Lösung, die bis heute nicht abreißt. Am Dienstagabend stand das Thema erneut auf der Tagesordnung des Gemeinderats, um eine Entscheidung zu treffen. Dabei waren die Gegner des Splitts in der Unterzahl: Mit 20 zu 10 Stimmen und einer Enthaltung entschied das Gremium, dass die Friedhofswege auch weiterhin in Splitt ausgeführt werden.

Kölz: Stolperfallen vermeiden

Im Vorfeld hatte sich die Verwaltung die Mühe gemacht, nochmals ausführlich Vor- und Nachteile von Splitt beziehungsweise Platten gegenüberzustellen. Wie Bürgermeister Joachim Kölz ausführte, sei unbestritten, dass bei den Plattenwegen regelmäßig Setzungen auftreten. Das führe dazu, dass zum Teil hohe und scharfkantige Absätze entstünden, die zweifellos gefährliche Stolperfallen darstellten. Natürlich könne man aufgrund von Unebenheiten auch auf Splittwegen ins Straucheln geraten, die Sturzgefahr sei aber auf Plattenwegen deutlich höher.

Kölz räumte aber ein, dass man auf ebenen und stabilen Plattenwegen leichter und bequemer gehen könne als auf Splittwegen. Das gelte insbesondere für Friedhofsbesucher, die auf einen Stock angewiesen sind.

Weitere Kritikpunkte am Splitt waren das Unkraut, das sich durch diesen Belag durchdrückte, und der Schmutz, der sich bildete. Laut dem Bürgermeister beruhe das auf einem Fehler in der Anfangszeit, weil eine zu dünne Splittschicht auf die Wege aufgebracht worden sei. Doch man habe daraus gelernt. „Zwischenzeitlich werden die Splittwege zunächst ausgekoffert und dann mit Schotter verfüllt. Darüber wird dann eine Splittschicht aufgebracht. Eine Unkrautbildung dürfte dann nur noch selten auftreten“, versicherte Kölz.

Ferner war bei den vergangenen Diskussionen in den Gremien ins Feld geführt worden, dass man mit Rollatoren und Rollstühlen nicht auf die Splittwege einfahren könne. Laut Verwaltung liegt das aber nicht am Splitt, sondern daran, dass die Wege zwischen den Gräbern generell nur 30 Zentimeter breit sind. Kölz versprach nun, dass bei der Anlage neuer Grabfelder darauf geachtet werde, dass die Wege zwischen den Grabreihen breiter sind.

Stöckle: Zweifel an Kosten

Als wesentliches Argument für Splitt und gegen Platten führte Kölz an, dass letztere viel mehr Kosten verursachten. So koste die Neuanlage eines Plattenwegs an einem Erdgrab rund 500 Euro, für einen Splittweg fielen nur 90 Euro an. Was die Ausbesserung schadhafter Wege angehe, gebe es noch keine Vergleichswerte. Eine Recherche habe aber ergeben, dass in den Jahren von 2011 bis 2019 durchschnittlich rund 80 000 Euro an Kosten für Arbeiten an Plattenwegen angefallen seien.

CDU-Stadtrat Claus Stöckle, dessen Fraktion in der Vergangenheit immer wieder von Bürgern auf dieses Thema angesprochen wurde und der die Klagen in den Gemeinderatsgremien vorgebracht hatte, bezweifelte indes diese Zahl. Ebenso zog er in Zweifel, dass die Unfallgefahr auf Platten ein Riesen-Problem sei. Und der Unrat und Dreck, der auf den Splittwegen entstanden sei, sei untragbar, so Stöckle. Die CDU blieb deshalb bei ihrer ablehnenden Haltung.

Kiemle: moderatere Gebühren

Auch Nicole Frölich (parteilos) sprach sich gegen den Beschluss, weiter Splitt zu verwenden, aus. Sie argumentierte dabei auch mit dem Thema Grabumrandung. Bei den bisherigen Plattenwegen gibt es eine klare Abgrenzung zwischen den Wegen und den Gräbern. Bei den neu angelegten Splittwegen existiert keine so trennscharfe Grenze mehr. Um diese herzustellen, müssen Grabeinfassungen angelegt werden. „Bietigheim-Bissingen hat schönere und benutzerfreundlichere Friedhöfe verdient“, so Frölich.

Aus Sicht von Manuela Buchholz (GAL) sprechen hingegen sowohl die geringeren Kosten als auch ökologische Gründe für Splitt. Ebenso unterstützte Werner Kiemle (SPD) den Vorschlag der Verwaltung, es beim Einsatz von Splitt zu belassen. Er erhoffte sich davon eine moderatere Gebührenentwicklung als bei der Verwendung von Platten und lobte die Absicht der Verwaltung, künftig für Rollatoren und Rollstühle geeignete Wege zu schaffen.

Diese Sichtweise setzte sich dann auch bei der Abstimmung durch. Die neue Gebührenkalkulation soll nun auf dieser Grundlage erstellt werden.

 
 
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