Frisöre beenden Lockdown Die Föhne laufen heiß

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Friseurin Sabrina Münk freut sich wie ihre Kunden darüber, dass der Lockdown für sie seit Montag beendet ist. Die Termine der nächsten Wochen sind ausgebucht.⇥ Foto: Martin Kalb

Im Kleinsachsenheimer Salon „EigenArt“ geben sich nach der Wiedereröffnung die Kunden die Klinke in die Hand.

Nachdem die Ministerpräsidenten der Bundesländer mit Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Krisengipfel am 10. Februar besprochen hatten, dass die Frisöre ab 1. März dieses Jahres wieder öffnen dürfen, stand das Telefon bei Sabrina Münk in ihrem Salon „EigenArt“ in Kleinsachsenheim kaum mehr still. „Ich wohne direkt neben dem Salon und habe das Telefon umgeleitet, sodass meine Kunden keine festen Telefonzeiten einhalten mussten. Aber gleich nach Bekanntgabe des Beschlusses klingelte es ständig. Wir sind die nächsten 3,5 Wochen ausgebucht und arbeiten zwölf Stunden am Tag“, erzählte Münk.

In ihrem Salon herrschte ab Montag in der Frühe reges Treiben. Vier Frisörinnen arbeiteten unter Hochdruck, um Haare zu schneiden, graue Ansätze zu färben, Strähnen zu machen oder Dauerwellen zu legen. „Viele meiner Kunden haben mich auch in der Zeit angerufen, in welcher der Laden geschlossen war, um sich Tipps für das eigenständige Färben der Haare zu holen. Wir haben heute schon festgestellt, dass die Kunden oft selbst Hand an ihre Haare gelegt haben. Wir müssen oft selbst geschnittene Ponys oder selbst gefärbte Haare ausgleichen. Doch wir wachsen an unseren Herausforderungen“, schmunzelte Münk.

Vor allem die grauen Haare, die in der Zwischenzeit nachgewachsen sind, bereiteten ihrer Kundenschar aus dem Stadtgebiet Sachsenheim bis nach Löchgau und Vaihingen große Probleme. Dementsprechend viel Färbemittel kam gestern im Kleinsachsenheimer Salon zum Einsatz.

„Die Männer hatten natürlich das große Problem, dass der Schnitt ihrer Frisuren kaum mehr zu erkennen war. Daher war auch bei ihnen die Freude über die Öffnung des Salons groß. Ich freue mich aber sehr, dass wir so fürsorgliche, verständnisvolle Kunden haben, die sich auch in der Zeit des geschlossenen Ladens immer wieder nach unserem Wohlbefinden erkundigt haben und jetzt nach der Wiederöffnung gerne etwas mehr Trinkgeld geben“, sagt sie.

Keine Hilfe beantragt

Sie hat auf Anraten ihres Steuerberaters noch keine Überbrückungshilfe vom Staat beantragt. „Meine Angestellten habe ich in Kurzarbeit geschickt, aber niemanden entlassen. Ich habe den Salon in Kleinsachsenheim jetzt seit 19 Jahren und entsprechende Rücklagen gebildet, die ich jetzt für die laufenden Kosten verwenden musste“, betonte Münk.

Das Hygienekonzept kann sie in ihrem über 180 Quadratmeter großen Laden problemlos umsetzen. Die Frisörinnen und Kunden tragen eine entsprechende Mund-Nasen-Bedeckung und um jeden Platz des Kunden wird ein Abstand von 1,5 Metern gewahrt. Außerdem steht ausreichend Desinfektionsmittel zur Verfügung, mit dem auch die Gerätschaften ständig gereinigt werden. „Wir kennen dies alles schon vom Frühjahr vergangenen Jahres. Damals wurden wir auch immer wieder vom Ordnungsamt der Stadt Sachsenheim kontrolliert. Es gab nie irgendwelche Beanstandungen“, sagt. So können sieben bis neun Kunden gleichzeitig bedient werden.

Schwieriger ist die Umsetzung des Hygienekonzepts schon in der nur 48 Quadratmeter großen Filiale Münks in Bissingen, wo drei Mitarbeiterinnen sich um die Kunden kümmern. „Sie haben im Vorfeld über die sozialen Medien feste Telefonzeiten bekannt gemacht, zu denen das Telefon besetzt war, und die Kunden Termine vereinbaren konnten. Auch in der Filiale in Bissingen ist in den kommenden 3,5 Wochen jeder Termin vergeben, trotz Überstunden“, unterstrich Münk.

Enorme Belastung

„Die Zeit, in welcher beide Läden geschlossen waren, bedeutete eine enorme finanzielle Belastung. Aber wenn ich in die glücklichen Gesichter meiner Kunden nach der Wiedereröffnung blicke, entschädigt dies für vieles. Ich bin wirklich glücklich darüber, dass allesamt heute so gut zusammengearbeitet haben und so viel Verständnis füreinander hatten“, schwärmte Münk.

 
 
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