FSV 08 Bietigheim-Bissingen Bruchwald-Elf bereit für die Kickers

Von Andreas Eberle
Ein Oberliga-Derby mit Haken und Ösen: Hier kämpfen die Bissinger Wissem Aouadi (links) und Johnathan Zinram gegen Großaspachs Niklas Mohr um den Ball. Foto: Pressefoto Baumann/Alexander Keppler

Der FSV 08 Bietigheim-Bissingen besiegt Großaspach im Oberliga-Derby nach einem 0:2-Rückstand mit 4:2 – und freut sich jetzt auf den Kracher beim Spitzenreiter. Stürmer Nesreddine Kenniche schlägt zweimal zu.

Der Männerchor begann verhalten und steigerte dann die Lautstärke zu einem wahren Brüllgesang. „Schalalalalalala, oh Bissingen“, tönte es am späten Samstagnachmittag vom Bruchwald, sodass man es noch im ganzen Wohngebiet hören konnte. Für die akustische Einlage waren die Fußballer des FSV 08 Bietigheim-Bissingen verantwortlich, die sich im Mannschaftskreis euphorisch über einen Prestigeerfolg freuten: Nach einem 0:2-Rückstand hatten sie den zweitplatzierten Lokalrivalen SG Sonnenhof Großaspach im Oberliga-Verfolgerduell noch mit 4:2 besiegt. Da zur gleichen Zeit der 1. Göppinger SV in Pforzheim patzte, verbesserten sich die Nullachter auf Rang drei und treten nun am Samstag (14 Uhr) zum Jahresausklang mit breiter Brust beim bereits weit enteilten Spitzenreiter Stuttgarter Kickers an. „Auch deren Serie wird mal zu Ende gehen. Und in der letzten Saison haben wir schon mal gezeigt, dass wir auf der Waldau gewinnen können“, sagte Trainer Markus Lang voller Vorfreude.

Podolsky humpelt vom Feld

Dabei hatte es am Samstag zunächst überhaupt nicht nach dem dritten Bissinger Sieg am Stück ausgesehen. Nach einer guten halben Stunde führten die klar überlegenen Gäste schon mit 2:0. Nach einer Hereingabe von Niklas Mohr hatte SG-Torjäger Dominik Salz viel zu viel Platz und hämmerte den Ball zum Großaspacher 1:0 unter die Latte (21.). Der Ex-Bissinger Luca Wöhrle erhöhte auf 2:0, nachdem ihn sein Bewacher Ferdinand Schmidt bei einer Ecke aus den Augen verloren hatte (33.). Zum sportlichen Ungemach gesellte sich auch noch Verletzungspech. Bereits in der Anfangsphase humpelte Flügelspieler Valentyn Podolsky, von zwei Betreuern gestützt, nach einem „grenzwertigen Foul“ (Lang) mit einer Bänderverletzung vom Feld. Ob auch der Knöchel etwas abbekommen hat, sollen nun Röntgenbilder zeigen.

Wie die Jungfrau zum Kind kamen die Nullacher bis zur Pause zum Ausgleich. Beim 1:2 stand der Zufall Pate: Nach einem Pressschlag zwischen Sonnenhof-Keeper Maximilian Reule und Nesreddine Kenniche flog Lukas Böhm die Kugel vor die Füße – und der Mittelfeldmann traf ins leere Gästetor (34.). Wenig später brachte Volkan Celiktas seinen 08-Kapitänskollegen Marius Kunde bei einem Gerangel im Strafraum zu Fall, worauf Schiedsrichter Adem Muliqi einen Elfmeter pfiff – sehr zum Ärger von Evangelos Sbonias. „Das erste Foul wurde an unserem Spieler begangen. Der hätte ihm fast die Schulter ausgekugelt“, sagte der SG-Trainer. Den Strafstoß versenkte Kenniche ungerührt zum 2:2 (39.).

Die 600 Zuschauer – darunter Nationaltorhüter Bernd Leno sowie die Steelers-Profis Max Renner, Alexander Preibisch und Daniel Weiß – kamen auch im zweiten Durchgang auf ihre Kosten. Das Derby war auf dem seifigen Kunstrasen weiter von Nickligkeiten geprägt und heftig umkämpft.

Zunächst verhinderte 08-Keeper Sven Burkhardt einen Rückstand, indem er einen Schuss von Jannik Pfänder zur Ecke abwehrte. Es folgten zwei traumhaft herausgespielte Treffer der Gastgeber. Nach einem Zuspiel von Kunde überwand erst Kenniche den aus dem Kasten geeilten Reule mit einem Heber – 3:2 (52.). Zehn Minuten später traf Kunde nach einem Doppelpass mit seinem Sturmpartner aus spitzem Winkel sehenswert zum 4:2 ins lange Eck. Und als sich Celiktas nach einer weiteren Attacke am Bissinger Spielführer mit Geld-Rot verabschiedet hatte (75.), war für die Aspacher endgültig der Ofen aus.

Erst eine Nacht darüber schlafen

„Das war ein sehr kurioser Spielverlauf. Nach einer Nacht darüber schlafen muss ich mir das noch mal genau anschauen und ergründen, warum am Ende so ein Ergebnis dasteht. Das fühlt sich gerade sehr bitter an“, sagte Sbonias. Die Nullachter schwebten hingegen auf Wolke sieben. „Es war überragend, was die Jungs in der zweiten Halbzeit gemacht haben. Das waren keine glücklichen Tore oder Zufallsprodukte, sondern richtig guter Fußball und richtig gute Kombinationen“, frohlockte Coach Lang und attestierte seiner Elf „ein richtig geiles Spiel ab der 30. Minute“. Nur beim Singen sollte sein Männerchor vielleicht noch ein bisschen üben.

 
 
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