FSV 08 Bietigheim-Bissingen gegen Stuttgarter Kickers Benedikt Landwehr trifft auf Ex-Klub

Von Andreas Eberle
Benedikt Landwehr beackert seit dieser Saison bei den Nullachtern den rechten Flügel. ⇥ Foto: Hansjürgen Britsch/Imago Images

Was Benedikt Landwehr vor dem Oberliga-Hit gegen die Stuttgarter Kickers über seinen Ex-Klub und den spontanen Wechsel zum FSV 08 Bietigheim-Bissingen sagt.

Die Vorbereitung absolvierte er noch bei den Stuttgarter Kickers, kurz vor Ablauf der Wechselperiode zog es ihn dann zum FSV 08 Bietigheim-Bissingen: Benedikt Landwehr steht beim Oberliga-Kracher an diesem Samstag (15.30 Uhr) im Fokus. Im BZ-Interview spricht der 20-jährige rechte Flügelspieler über das Wiedersehen mit den Ex-Kollegen, seine ersten Wochen am Bruchwald und die Chancen gegen den früheren Bundesligisten aus Degerloch.

Sie machen seit ein paar Monaten ein Psychologie-Fernstudium. Helfen Ihnen die dort bisher gesammelten Kenntnisse dabei, nicht übermotiviert zu sein, wenn es nun gegen Ihren Ex-Klub geht?

Benedikt Landwehr: Ich bin nicht so der Emotionstyp, darum habe ich damit keine Probleme. Für mich sind die Kickers auch nur ein Gegner wie jeder andere. Ich will gegen jede Mannschaft gewinnen. Natürlich freue ich mich darauf, die alten Mitspieler wiederzusehen. Mit dem einen oder anderen bin ich auch noch befreundet und in Kontakt – wie zum Beispiel mit Markus Obernosterer, Thomas Bromma oder ,Momo’ Baroudi. Aber im Spiel selbst blende ich das alles aus.

Was war der Auslöser, dass Sie die Kickers Ende August Hals über Kopf verlassen und sich den Nullachtern angeschlossen haben?

Bei den Kickers habe ich seit dieser Saison gar nicht mehr gespielt und war nicht mal mehr im Kader. Ich bin noch jung und will unbedingt spielen, weil das für meine Entwicklung wichtig ist. Ich will nicht einfach nur am Training mitwirken und dann nie zum Einsatz kommen. Darum haben mein Berater und ich uns zu einem Wechsel entschieden.

Es gibt viele ambitionierte Klubs in der Region. Wie sind Sie auf Bietigheim-Bissingen gekommen?

Der Wechsel kam recht spontan zustande, erst in den letzten zwei Tagen vor Ende des Transferfensters. Die Nullachter haben mir ein interessantes Angebot gemacht. Ich habe gemerkt, dass ich am Bruchwald auch als junger Fußballer mehr Spielzeit erhalten kann, wenn ich meine Leistung bringe. Ich hätte ja auch noch sechs Monate bis zum Winter warten und mir in Ruhe einen anderen Klub suchen können. Aber beim FSV 08 hat das Gesamtpaket gepasst. Da geht es sehr familiär zu, viele Spieler kicken schon seit Jahren zusammen und sind befreundet. Das merkt man auch. Das Team harmoniert, die Stimmung ist sehr gut.

Warum haben Sie bei den Blauen den Durchbruch nicht geschafft?

Das weiß ich selbst nicht so genau. Zu Beginn der vergangenen Saison habe ich immer gespielt, irgendwann bin ich dann auf der Bank gelandet – und dieses Jahr war ich plötzlich ganz draußen.

Sind Sie sauer auf den inzwischen entlassenen Trainer Ramon Gehrmann, dass er Sie nicht mehr berücksichtigt hat?

Man ist immer enttäuscht, wenn man nicht spielt. Aber ich will das nicht auf den Trainer schieben. Wahrscheinlich war ich nicht der Spielertyp, den der Coach für die Position gebraucht hat, und er hat deshalb auf ältere Profis gesetzt. Vielleicht lag es aber auch an mir – zum Beispiel daran, dass ich falsch trainiert habe.

Gibt es etwas, das Sie aus Ihrer Zeit unterm Fernsehturm vermissen?

Die Mannschaft war auch da super, und bei den Kickers herrschen hochprofessionelle Bedingungen. Das Team trainiert zum Beispiel morgens, manchmal zweimal am Tag, und hat eigene Trainingsplätze. Die Fans und das Stadion sind auch top und für die Oberliga besonders. Aber dass ich etwas vermisse, würde ich nicht sagen. Auch bei uns ist die Trainingsqualität sehr hoch.

Dem Bissinger Pokal-Aus gegen Ulm folgte die überraschende 1:3-Pleite in Oberachern – warum ist das Team nach den vielen starken Wochen aus dem Tritt geraten?

Das Oberachern-Spiel sehe ich eher als Ausrutscher. Da haben wir alle nicht gut gespielt. Wenn mal zwei aus dem Team schlecht spielen, fällt das nicht so ins Gewicht und auch nicht auf, weil der Rest in die Bresche springt. Am Sonntag hatten wir aber alle einen schlechten Tag – und die Quittung war die Niederlage.

Trainer Markus Lang hat sich gerade von den jungen Spielern, die ihre Chance bekommen haben, enttäuscht gezeigt. Fühlen Sie sich besonders angesprochen?

Ich weiß, dass ich in Oberachern nicht gut gespielt habe und wurde ja auch schon in der 35. Minute ausgewechselt. Wäre ich Trainer gewesen, hätte ich das wahrscheinlich auch gemacht, auch wenn so eine frühe Auswechslung für jeden Spieler die Höchststrafe ist. Aber wenn man sich darüber zu lange Gedanken macht, kommt man nicht weiter. Das Spiel haben wir abgehakt. Wir sind bereit für Samstag.

Die Kickers haben seit dem Trainerwechsel nicht verloren. Haben Sie eine Idee, wie 08 den Höhenflug stoppen kann?

Wir müssen einfach unser Ding machen und unsere Qualitäten in die Waagschale werfen. Bis zum Oberachern-Spiel haben wir ja auch sehr gute Leistungen gezeigt und in der Liga lange nicht verloren. Wir haben Respekt, aber auch vor den Kickers müssen wir uns nicht verstecken. Schließlich sind auch wir keine Schießbude. Wichtig ist, dass wir unsere Tore machen. Dann gewinnen wir eigentlich immer. Jedenfalls habe ich keine Angst, dass es am Samstag schiefgehen könnte.

Könnten Sie gegen den – neben dem SGV Freiberg – größten Titelfavoriten mit einem Punkt leben?

Nein, ich will immer gewinnen. Darum wäre ich erst mit einem Sieg zufrieden.

Was wollen Sie in dieser Saison mit 08 sowie in Ihrer weiteren Laufbahn noch erreichen?

Mit Bietigheim-Bissingen will ich so lange wie möglich oben mitmischen, viele Siege feiern und die Großen ärgern. Und was meine Karriere anbelangt: Mein Ziel ist es, so weit oben zu spielen, wie es geht. Aber da mache ich mir keinen Stress. Jetzt ist es mir wichtig, nach der schwierigen Corona-Zeit erst mal richtig im Männerbereich Fuß zu fassen. Der Rest kommt mit der Zeit.

 

Letzte Infos zum Oberliga-Kracher gegen die Kickers

Spielt er oder spielt er nicht? Ob Marius Kunde an diesem Samstag (15.30 Uhr) gegen die Stuttgarter Kickers in der Startelf des FSV 08 Bietigheim-Bissingen auftaucht, entscheidet sich kurzfristig. Beim 1:3 in Oberachern hatte der Kapitän wegen eines grippalen Infekts gefehlt. Erst seit Donnerstag ist Kunde wieder im Training. Sicher nicht dabei sind die verletzten Abwehrkräfte Duc Thanh Ngo und Moritz Haile. „Die Kickers sind klarer Favorit“, sagt 08-Coach Markus Lang.

Die Besucherkapazität am Bruchwald ist auf 1500 Personen beschränkt. Im Stadion gilt die 3G-Regel. Der Zutritt zur Anlage erfolgt nur mit den entsprechenden Nachweisen. Sofern der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann, ist ein Mund-Nasen-Schutz vorgeschrieben. Für das Topspiel findet kein Vorverkauf statt. Tickets gibt es ausschließlich an der Tageskasse.

 
 
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