FSV 08 Bietigheim-Bissingen Ohne Lampenfieber gegen die Blauen

Von Andreas Eberle
Benedikt Landwehr wechselt im Sommer 2021 von den Stuttgarter Kickers zum FSV 08 Bietigheim-Bissingen. Bei der Bruchwald-Elf ist der Flügelspieler eine feste Größe. Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn

Der FSV 08 Bietigheim-Bissingen geht mit Rückenwind ins Oberliga-Topspiel beim Spitzenreiter Stuttgarter Kickers. Trainer Lang und Flügelspieler Landwehr treffen unterm Fernsehturm auf ihren Ex-Klub.

Lampenfieber? Markus Lang reagiert auf die Frage so entrüstet, als ob ihn jemand gerade nach der Farbe seiner Unterhose gefragt hätte. „Die Jungs haben kein Lampenfieber, sondern verspüren nur eine riesengroße Vorfreude. Es gibt für einen Fußballer nichts Großartigeres, als bei so einem Spiel dabei zu sein“, sagt der Coach des FSV 08 Bietigheim-Bissingen vor dem Oberliga-Knaller an diesem Samstag (14 Uhr) beim Spitzenreiter und Krösus Stuttgarter Kickers.

Der frühere Bundesligist von der Waldau ist in dieser Runde bisher das Maß der Dinge. Seit zwölf Oberliga-Duellen ist der Topfavorit nun schon ungeschlagen – elf Siege und ein 2:2 gegen Neuling FC Holzhausen lautet die Bilanz seit dem 0:2 in Ravensburg am 11. September. Zwischendurch verkauften sich die Kickers in der zweiten DFB-Pokal-Runde gegen den Europa-League-Sieger Eintracht Frankfurt teuer und verloren vor 10 000 Zuschauern im ausverkauften Gazi-Stadion nur mit 0:2. Im WFV-Pokal steht die Truppe von Trainer Mustafa Ünal wie gehabt im Viertelfinale. Maßstäbe setzen auch Kevin Dicklhuber und David Braig. Die beiden Stürmer führen mit 17 und 15 Saisontreffern die Torschützenliste an. Die zweitbeste Heim- und die beste Auswärtsbilanz, die meisten erzielten Tore und die wenigsten Gegentreffer runden die Ausnahmestellung ab.

Gute Erinnerungen an Vorsaison

Da der Hauptverfolger SG Sonnenhof Großaspach am Freitagabend das Derby gegen die TSG Backnang mit 3:1 gewonnen hat, ist der Vorsprung des Tabellenführers allerdings auf vier Punkte geschrumpft. „Ich gehe davon aus, dass die Kickers mit deutlichem Vorsprung Meister werden und aufsteigen“, sagt Lang, der mit dem FSV 08 bereits in der Vorsaison auf der Waldau einen Überraschungscoup gelandet hat: Am 33. Spieltag bejubelte die Bruchwald-Elf einen 2:1-Sieg, was für die Blauen damals ein Dämpfer im Titelrennen mit dem späteren Meister SGV Freiberg war. In der Vorrunde revanchierten sich die Degerlocher Mitte August mit einem 1:0-Erfolg in Bissingen.

Wie die Kickers sind auch die Nullachter zum Jahresausklang in Bestform. Mit den drei jüngsten Siegen gegen Göppingen (5:0), Reutlingen (2:1) und Großaspach (4:2) gelang ihnen der Sprung auf Platz drei. „Unter der Woche hatten wir im Training eine super Stimmung. Es wurde viel gelacht“, berichtet Lang. Am Donnerstagabend feierte das Team den 31. Geburtstag von Mittelfeldmann Johnathan Zinram und schaute sich gemeinsam das Deutschland-Spiel gegen Costa Rica an.

Nach auskurierter Bänderdehnung im Knie hat Kevin Ikpide wieder voll am Mannschaftstraining teilgenommen – der Defensivakteur ist am Samstag wieder eine Option. Das einzige Sorgenkind ist Flügelspieler Valentyn Podolsky, der sich gegen Großaspach in der Anfangsphase die Bänder gerissen hat. Ob auch der Knöchel etwas abbekommen hat, soll am Montag eine MRT zeigen. „Ich gehe davon aus, dass er für längere Zeit ausfällt“, sagt Lang.

Der 08-Übungsleiter hat Mitte der 1990er Jahre selbst für die Kickers gespielt – ein Jahr in der A-Jugend und eine weitere Saison beim damals noch existierenden Amateurteam. Dabei spielte der einstige Mittelstürmer auch mit Fußballern wie Zoltan Sebescen, Niko Chatzis, Tayfun Korkut oder Achim Pfuderer zusammen, die später beim SVK noch groß herauskamen.

Blaue Vergangenheit

Eine blaue Vergangenheit hat auch Benedikt Landwehr. In der Spielzeit 2020/21 stand der 21-jährige Flügelflitzer bei den Kickers unter Vertrag. Zu Beginn der Folgesaison suchte er sich mangels Einsatzzeiten eine neue Herausforderung – und wechselte nach Bissingen, wo er seitdem eine feste Größe im Kader ist. Seine Rückkehr an die alte Wirkungsstätte wird eine stimmungsvolle Angelegenheit: 4000 Zuschauer werden zum letzten Pflichtspiel 2022 unterm Fernsehturm erwartet, darunter jede Menge Kinder und Jugendliche. Denn alle jungen Fans bis 16 Jahre erhalten freien Eintritt auf den Stehplatzrängen. „Wir sind happy, zum Jahresabschluss noch mal so einen Höhepunkt genießen zu dürfen“, sagt Lang. Ganz ohne Lampenfieber, dafür mit umso mehr Vorfreude.

BZ-Mitarbeiter Teichmann schreibt Kickers-Buch

So heißt das Werk, das BZ-Mitarbeiter Klaus Teichmann über seine große Fußball-Liebe, die Stuttgarter Kickers, geschrieben hat. Darin widmet sich der Journalist und Insider der Klubhistorie allen Hochs und Tiefs – von den Anfängen bis zu den aktuellen Oberliga-Zeiten. Auf gut 140 Seiten und illustriert mit vielen Fotos nimmt Teichmann seine Leser mit auf die wechselvolle Geschichte des 1899 gegründeten Traditionsvereins aus Degerloch. Er blickt hinter die Kulissen und stellt die „Blauen Götter“ aus den einzelnen Jahrzehnten vor – etwa Ausnahmekönner wie Rolf „Giraffe“ Steeb, Helmut „Fitus“ Fürther, Wolfgang Holoch, Zoltan Sebescen und Mijo Tunjic oder prägende Trainer wie Horst Steffen und Dirk Schuster. Die Fanszene und Persönlichkeiten aus der großen Kickers-Familie finden ebenfalls ihren Niederschlag. Das Buch kann im Onlineshop des Vereins oder direkt beim Autor geordert werden: teichmannklaus@web.de 

 
 
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