FSV 08 Bietigheim-Bissingen - Stuttgarter Kickers 08 jubelt dank Mahlers Torpremiere

Von Andreas Eberle
Der Jubel nach dem Tor des Tages: Loris Hoffmann ballt die Faust und nimmt Niklas Mahler in den Arm. Kickers-Schlussmann Ramon Castellucci ist dagegen bedient. ⇥ Foto: Hansjürgen Britsch

Der 20-jährige Innenverteidiger Niklas Mahler avanciert beim 1:0 des FSV 08 Bietigheim-Bissingen gegen die Stuttgarter Kickers zum Matchwinner. 1123 Fans bescheren der Bruchwald-Elf im Topspiel der Oberliga eine Rekordkulisse.

Der Fußball schreibt oft schöne Geschichten. So wie am Samstag am Bruchwald. Seit Juli 2020 läuft Niklas Mahler für den FSV 08 Bietigheim-Bissingen auf, doch einen Treffer hat der 20-jährige Innenverteidiger bisher noch nie erzielt. Seine Tor­premiere sparte er sich ausgerechnet für den Oberliga-Kracher gegen den Titelfavoriten Stuttgarter Kickers auf: In der Nachspielzeit der ersten Hälfte flog Mahler eine Ecke vor die Füße, und er drückte den Ball kurz vor der Torlinie mit dem Schienbein ins Netz. Es war der einzige und somit entscheidende Treffer im Verfolgerduell. „Ich habe seit drei Jahren kein Tor mehr geschossen. Es ist geil, dass es nun gerade in diesem Spiel geklappt hat“, sagte Mahler.

Mit dem achten Saisonsieg, dem fünften zu Hause, behauptete die Bruchwald-Elf nicht nur Rang zwei hinter dem SGV Freiberg, sondern stoppte auch den Höhenflug der Degerlocher. Die hatten seit dem Trainerwechsel Ende September von Ramon Gehrmann zu Mustafa Ünal nicht mehr verloren und sich mit 13 von 15 möglichen Punkten in die Spitzengruppe vorgearbeitet.

Massenauflauf am Bruchwald

Bereits eine Stunde vor dem Anpfiff herrschte Ausnahmezustand im Wohngebiet am Bruchwald, es gab so viel Verkehr wie an keinem anderen Tag im Jahr. Stadionsprecher Aaron Glock verkündete via Mikro letztlich die offizielle Besucherzahl von 1123 – Saisonrekord. Der Block der Gäste, von manchen spöttisch auch als „Käfig“ bezeichnet, machte mächtig Stimmung. „Die Kickers-Fans waren brutal laut. Ich habe noch nie vor so einer Kulisse gespielt. Mich hat das gepusht, ich hatte mehr Spaß“, schwärmte Mahler von der Stadionatmosphäre und stufte die Partie als die bisher „coolste“ in seiner Karriere ein – noch vor den Pokalduellen gegen Großaspach, Aalen oder Ulm.

Beide Teams gingen mit viel Tempo und Aggressivität zur Sache. Speziell Tim Reich und SVK-Star Kevin Dicklhuber gerieten in der Anfangsphase mehrfach aneinander. Die Nullachter ließen den Gegner zunächst kommen und machten hinten die Räume eng, um das gefürchtete Kombinations- und Flügelspiel der Kickers zu unterbinden. Mitte der ersten Hälfte übernahm der Gastgeber dann selbst die Initiative und spielte sich eine Handvoll bester Chancen heraus. So fischte Keeper Ramon Castellucci, Stuttgarts mit Abstand bester Profi, Filimon Gerezgihers Schlenzer gerade noch aus dem Torwinkel (19.).

Dass am Ende Mahler zum Matchwinner wurde, hatte mit einer glücklichen Fügung zu tun. Denn eigentlich war vorgesehen, dass der frühere Hoffenheimer Jugendspieler bei Standards als Absicherung hinten bleibt. Doch da der Bissinger Eckstoß die letzte Aktion vor der Pause war und sich kein Stuttgarter mehr vorne aufhielt, stürzte sich Mahler nach Rücksprache mit Trainer Markus Lang ins Getümmel – und markierte dort prompt das 1:0.

In Hälfte zwei agierten die diesmal in Gelb kickenden Blauen recht planlos und bieder gegen die allmählich müde werdenden Bissinger. Die verletzten Offensivasse Markus Obernosterer und Mijo Tunjic fehlten an allen Ecken und Enden. Während die Kickers obendrein die Innenverteidiger Denis Zagaria (Oberschenkelprobleme) und Niklas Kolbe (Erkältung) kurzfristig ersetzen mussten, trat der FSV in Bestbesetzung an: Mit Stabilisator Anil Sarak, Linksverteidiger Pierre Williams und Kapitän Marius Kunde feierten drei Stützen ihr Comeback.

Trainer lobt die Abwehrarbeit

Die größte Gästechance zum 1:1 vereitelte Henning Bortel – der Bissinger Torhüter rettete gegen den durchgebrochenen Konrad Riehle per Fußabwehr (57.). „Wir sind wahnsinnig glücklich, dass wir einen so starken Gegner geschlagen haben. Das gibt Selbstvertrauen für die nächsten Spiele“, sagte Lang und hob die Abwehrleistung hervor: „Das Lob geht heute an die komplette Verteidigung. Es spricht Bände, wenn du gegen so eine Mannschaft kein Tor schlucken musst.“

Info Das Sportgericht hat den Protest des FC Nöttingen gegen die Wertung des Oberliga-Spiels beim FSV 08 Bietigheim-Bissingen zurückgewiesen. Es bleibt also beim 2:1-Heimsieg der Nullachter. Der FCN hat allerdings bereits angekündigt, in die Berufung zu gehen.

Die Trainer-Stimmen zum Spiel

Markus Lang, Trainer des FSV 08 Bietigheim-Bissingen: Unsere 1:0-Führung mit dem Pausenpfiff ist zu einem psychologisch günstigen Zeitpunkt gefallen. Es war klar, dass die Kickers in der zweiten Halbzeit alles nach vorne werfen. Nach unseren beiden Niederlagen zuletzt wusste man nicht, wohin die Reise in dem Spiel gehen wird. Bei so einer Kulisse im vierstelligen Bereich und Fan-Gesängen macht es natürlich mehr Spaß, als wenn nur ein paar Leute da sind, von denen du nichts mitbekommst. Die Atmosphäre war heute toll. Das war ein würdiger Rahmen für das Spiel.

Mustafa Ünal, Coach der Stuttgarter Kickers: Eine Niederlage fühlt sich immer blöd an, aber sie wirft uns nicht um und muss uns stärker machen. Wir haben das Spiel zwischen Minute 30 und 45 verloren. Da haben wir nicht mehr so gespielt, wie wir es auf diesem holprigen Platz tun wollten und eigentlich auch können. Die Bissinger sind in dieser Phase brutal ins Spiel gekommen und haben dann ja auch das Führungstor gemacht. Danach haben sie gut verteidigt und waren auch immer gefährlich im Umschaltspiel. Die drei Punkte hat sich der Gegner darum heute auch verdient.

 
 
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