FSV 08 Bietigheim-Bissingen Urgestein Burkhardt bleibt letzter Einsatz verwehrt

Von Claus Pfitzer
Das Ende einer Ära: Nach 321 Pflichtspielen wird Sven Burkhardt nicht mehr für die Nullachter zum Einsatz kommen. Foto: Julia Rahn

Verletzungsbedingt wird Keeper Sven Burkhardt beim letzten Heimauftritt der Nullachter am Samstag (15.30 Uhr) gegen den FC Nöttingen nicht spielen können.

Zum Abschied von seinem Heimatverein FSV 08 Bietigheim-Bissingen nochmals im Tor zu stehen, bleibt Sven Burkhardt verwehrt. Ein kleiner Eingriff am Ellbogen Anfang der Woche verhindert einen letzten Einsatz für den Oberliga-Absteiger bei dessen Abschiedsvorstellung aus dem baden-württembergischen Fußball-Oberhaus an diesem Samstag (15.30 Uhr) zum Saison-Kehraus gegen den FC Nöttingen. Sein letztes von insgesamt 321 Pflichtspielen für die Nulllachter absolvierte der 43-Jährige damit am 28. Spieltag, als er gegen Türkspor Neckarsulm aufgrund einer Leistenverletzung vorzeitig vom Platz musste. Damit begann auch der Generationenwechsel im 08-Tor, denn Burkhardt hat wider eigenem Erwarten keinen neuen Vertrag angeboten bekommen.

Kein Angebot mehr erhalten

„Ich hätte gerne noch eine Saison bei 08 gespielt, habe aber kein Angebot mehr erhalten, auch nicht als Torwarttrainer. Wir hatten ja schon im Januar darüber gesprochen, dann kam der Bruch“, erzählt Burkhardt von enttäuschenden Gesprächen mit den Verantwortlichen. „Es hieß, ich sei zu alt und zu teuer. Aber was heißt teuer, ich will in erster Linie Spaß haben, aber auch eine Entschädigung. Vielleicht war ich auch zu ehrgeizig“, so Burkhardt, der gerne bis zum 46. Lebensjahr weiter aktiv spielen möchte. Wo es in der neuen Saison für ihn weitergeht, weiß der in Ingersheim wohnende Familienvater noch nicht. „Es gibt ein Angebot, aber nichts Konkretes“, berichtet er. Bis zum Start der Vorbereitung auf die neue Spielzeit sei er wieder fit, sagt Burkhardt. In seiner zweiten Funktion als Coach der Torhüter, die er seit Anfang der Saison auch noch innehat, bereitete er in den restlichen Spielen seine potenziellen Nachfolger Lukas Röser und Leif Lochbrunner auf die Spiele vor. Komplettiert wird das Torhüterteam für die kommende Verbandsliga-Saison durch den 21-jährigen Ali Bozatzioglou von Calcio Leinfelden-Echterdingen.

„Wir machen im Kader einen Riesenschnitt und wollen ihn verjüngen. Es ist nicht wegen der Leistung“, begründet 08-Vorstand Rolf Knorr die Trennung vom Keeper. „Sven Burkhardt ist ein Eigengewächs, war immer ein Top-Torhüter, ein Botschafter und das Gesicht von 08. Er war überall auf den Plätzen bekannt und hat sehr hohe Verdienste“, lobt Knorr den scheidenden Keeper, der wie kaum ein anderer Spieler in der Oberliga von Hollenbach bis Ravensburg bekannt ist, in der er 475 Partien absolviert hat.

Institution zwischen den Pfosten

Burkhardt spielte in seiner langen Karriere nur für zwei Vereine: Für den FSV 08 und den SGV Freiberg, für wenige Wochen hatte er im Juli 2007 ein kurzes Gastspiel bei der SG Sonnenhof Großaspach gegeben, war aber schnell wieder nach Freiberg zurückgekehrt. Im 08-Tor stand er nach seiner Bissinger Jugendzeit bis 2005, von 2010 bis 2020 und dann wieder ab 2022. In der Saison 2003/04 wurde Burkhardt als Stammkeeper unter dem zu 08 zurückgekehrten Ex-Profi Alfonso Garcia Meister in der Bezirksliga und stand sensationell im württembergischen Pokalfinale gegen den VfR Aalen (0:8). Nach seiner Rückkehr aus Freiberg 2010 erlebte Burkhardt am Bruchwald seine, wie er heute sagt, „schönste Zeit“ mit dem Wiederaufstieg in die Oberliga, dem erneuten Einzug ins WFV-Pokalfinale gegen den FV Ravensburg (2:5) und vor allem der Teilnahme 2017 an der Aufstiegsrunde zur Regionalliga. „Da hatten wir mit Alfo und Andy eine geile Mannschaft. Wir hatten eine sehr gute Kameradschaft, waren Freunde und hatten dazu noch Erfolg“, erinnert er an die Zeit unter dem ebenfalls zurückgekehrten Alonso Garcia und Co-Trainer Andreas Lechner, der zwischenzeitlich ebenfalls als Chefcoach fungierte. Als der SGV Freiberg 2020 auf der Suche nach einem Spitzentorwart für seine ehrgeizigen Ziele anfragte, wechselte Burkhardt nochmals in die Nachbarstadt. „Das war auch eine tolle Zeit unter Trainer Laki Sbonias“, erzählt er.

2022 feierte Burkhardt mit dem inzwischen eingestiegenen Trainer Ramon Gehrmann die Oberliga-Meisterschaft und den Aufstieg in die Regionalliga. Den Weg in den Profifußball, den der SGV danach einschlug, ging Burkhardt, der bei einem Stuttgarter Automobilkonzern arbeitet, im mittlerweile „gesetzten Alter“ aus beruflichen Gründen nicht mit und kehrte nach dem Triumph zum FSV 08 zurück. Dass er sich dort mit dem Abstieg verabschieden muss, schmerzt den 43-Jährigen: „Das letzte halbe Jahr war schon krass.“Claus Pfitzer

 
 
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