Fußball-Bundesliga Aufstiegsheld ist oben angekommen

Von Claus Pfitzer
Laurin Curda (am Ball) spielt in der kommenden Saison mit dem SC Paderborn in der Fußball-Bundesliga. Im Relegationsspiel gegen Wolfsburg traf er in der Verlängerung. Foto: Ulrich Hufnagel/Imago

Der Bietigheim-Bissinger Laurin Curda schießt den SC Paderborn in die Bundesliga – Karriere begann beim FV Löchgau - Beim Aufsteiger aus Ostwestfalen wird schwäbisch gesprochen.

Der 24-jährige Fußball-Profi Laurin Curda ging einen ungewöhnlichen, aber geradlinigen Weg, der ihn nun mit dem SC Paderborn in die Bundesliga geführt hat. Im hart umkämpften Relegations-Rückspiel gegen den VfL Wolfsburg erzielte er in der 100. Minute den 2:1-Siegtreffer gegen den VfL Wolfsburg, der den dritten Aufstieg des SCP in die Erstklassigkeit bedeutet. Bereits den 1:1-Ausgleich durch Filip Bilbija nach dem frühen Rückstand hatte Curda mit einem weiten Einwurf vorbereitet (38.). Schon im Hinspiel in Wolfsburg (0:0) hatte der Bietigheim-Bissinger die Mannschaft als Kapitän aufs Feld geführt, da der etatmäßige Spielführer Raphael Obermair verletzt ausfiel und dessen Stellvertreter Felix Götze in beiden Spielen zunächst auf der Bank saß. „Es ist einfach schön, dass es am Ende geklappt hat. Das haben wir uns hart erarbeitet. Gefühlt ist ja alles gegen uns gestanden. Wir wollten nach dem frühen Platzverweis gegen Wolfsburg ruhig bleiben und das Spiel ruhig gestalten“, meinte der Siegtorschütze am TV-Mikrofon.

Wechsel von Löchgau zur Jugend des VfB

Curda, dessen Eltern aus Freudental stammen und in Bietigheim-Bissingen leben, begann mit dem Kicken beim FV Löchgau, wechselte 2012 in die Jugend des VfB Stuttgart und fünf Jahre später zur TSG 1899 Hoffenheim, für die er in der U 17 und U 19 spielte, an der Youth League teilnahm und die Mannschaft teilweise auch als Kapitän anführte. Als es in Hoffenheim nach der Juniorenzeit für den gebürtigen Ludwigsburger nicht weiterging, spielte Curda eine Saison lang beim damaligen Oberligisten SV Sandhausen II. Geplant und begleitet hat Curdas Karriere sein Berater Robin Schuster aus Löchgau, dessen Agentur Vida 11 ihren Sitz vor einiger Zeit von Ludwigsburg nach Bietigheim-Bissingen verlegt hat.

Der Plan „Step by step“ ging auf, denn von Sandhausen führte der Weg zum Regionalligisten TSG Balingen, für die Curda in zwei Jahren 62 Spiele absolviert hat. Mit dem Gewinn des württembergischen Verbandspokals verabschiedete er sich 2023 zum Zweitligisten SC Paderborn, für den er mittlerweile 72 Ligaspiele bestritten hat, davon 32 in der abgelaufenen Saison, in der er nur zweimal wegen Gelbsperre und Verletzung fehlte. Beim seit 2025 tätigen Coach Ralf Kettemann übernahm der Defensivspieler auf rechts eine offensivere Rolle, setzte viele Akzente nach vorne, erzielte sieben Tore plus den entscheidenden Treffer zum Aufstieg und wurde vom Fachmagazin „kicker“ zum besten Außenbahnspieler der Zweiten Liga gewählt.

Curda ist nicht der einzige Schwabe im SCP-Team. Angeführt wird die große Fraktion aus Württemberg in Ostwestfalen von Trainer Kettemann, der in Crailsheim geboren wurde und einst für die Stuttgarter Kickers und den VfR Aalen gespielt hat. Als Spielertrainer führte der heute 36-Jährige den TSV Ilshofen bis in die Oberliga, trainierte von 2021 bis 2025 die U19 des Karlsruher SC.

Aus Heilbronn kommt der vom VfB Stuttgart ausgeliehene Torhüter Dennis Seimen, der gegen Wolfsburg in den letzten Minuten der Nachspielzeit sein Team mit zwei Glanzparaden vor dem Elfmeterschießen rettete und nun als Nummer eins zum VfB zurückkehren soll. Neben Curda und Seimen war auch Mika Baur ein Garant für den Aufstieg. Für den in Salem am Bodensee geborenen Baur, den Sohn des Handball-Weltmeisters Markus Baur, ist es der zweite Aufstieg innerhalb eines Jahres, denn er schaffte 2025 als Leihspieler mit Dynamo Dresden den Sprung in die Zweite Liga. Baur wurde beim VfB Stuttgart und dem SC Freiburg ausgebildet.

Weiteres Talent des FV Löchgau nun beim SCP

Aus Steinheim an der Murr stammt Nick Bätzner, der ebenfalls einst beim FV Löchgau in der Jugend gespielt hat. Bätzner bereitete mit dem vorletzten Pass Curdas Siegtor gegen Wolfsburg entscheidend mit vor. Aus Haubersbronn im Remstal kommt Niklas Mohr, der im August 2025 vom damaligen Oberligameister SG Sonnenhof Großaspach nach Paderborn gewechselt ist. In Rottweil geboren ist Ruben Müller, der über den SC Freiburg an der Pader gelandet ist und in der Rückrunde zum Stammspieler avancierte. Im Juniorenbereich für den SGV Freiberg am Ball war der gebürtige Pforzheimer Stefano Marino, der über den VfB und dem KSC beim SCP gelandet ist. Zur neuen Saison kommen noch zwei weitere Spieler aus Baden-Württemberg hinzu. Zum einen der bislang an den Drittligisten SC Verl ausgeliehene Offenburger Marco Wörner, und Nyamekye Awortwie-Grant vom Zweitligaaufsteiger FC Energie Cottbus. Dorthin ist der Abwehrspieler erst im Sommer 2025 nach einer Saison bei den Stuttgarter Kickers gewechselt. Der gebürtige Tübinger kickte auch eine Saison für den damaligen Verbandsligisten VfB Neckarrems und kam 2022 zur TSG Balingen und spielte dort eine Saison zusammen mit Curda. Künftig tritt das Duo gemeinsam in der Bundesliga an.

 
 
- Anzeige -